David Abraham

Mit einem rüden Bodycheck gegen den Freiburger Trainer Christian Streich hat sich David Abraham bei der Frankfurter Eintracht ins Abseits katapultiert. Als Kapitän ist der Abwehrspieler jetzt nicht mehr tragbar.

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zum Video Die Pressekonferenz nach der Eintracht-Niederlage in Freiburg

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Am Tag vor dem Spiel gegen Bayern München war David Abraham in der Frankfurter Innenstadt unterwegs. Wegen des Feiertags in zahlreichen anderen Bundesländern war die verregnete Einkaufsmeile Zeil rammelvoll. Der Eintracht-Kapitän stand dennoch beharrlich gemeinsam mit Frau und Kind in einer ellenlangen Kassenschlange eines keinesfalls exklusiven Geschäfts. Der millionenschwere Argentinier hatte etwas umzutauschen.

Privat, das zeigt diese Episode beispielhaft, ist Abraham ein völlig normaler Typ. Geerdet, eher schüchtern, kommt der 33-Jährige abseits des Platzes daher. Vereinzelte Schulterklopfer und Aufmunterungen für das Duell mit den Bayern waren dem Innenverteidiger im Shoppingtrubel sichtlich unangenehm. Tags darauf kochte er die Münchner Offensive ab und steuerte zum fulminanten 5:1-Sieg sogar selbst einen Treffer bei.

Mit dem Hintern eingerissen

Das ist gut eine Woche her. Abraham schien nach einer sportlichen Durststrecke plötzlich wieder mittendrin, der hr-sport schrieb von einem "persönlichen Befreiungsschlag". Wenige Tage später kann davon keine Rede mehr sein. Der Abwehrrecke hat sich das, was er gerade mühsam errungen hatte, postwendend mit dem Hintern wieder eingerissen. Oder besser gesagt: mit Schulter und Armen.

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Soll David Abraham Eintracht-Kapitän bleiben?

Der Bodycheck gegen Trainer Christian Streich ist mit nichts zu entschuldigen. In der Nachspielzeit der verlorenen Partie am Sonntag beim SC Freiburg rammte Abraham den Breisgauer Coach auf dem Weg zum Ball rüde zu Boden. Ein absolutes No-Go, völlig unabhängig davon, ob etwaige Provokationen dazu geführt hatten.

Was schon bei einem vergleichbaren Angriff auf einen Gegenspieler zu wilden Protesten geführt hätte, ist bei einem Trainer einfach tabu und wohl in dieser Form in der Bundesliga noch nicht dagewesen. Die folgenden Tumulte, die auf einem Dorfsportplatz wahrscheinlich in eine Massenkeilerei gemündet wären, waren Ausdruck der allgemeinen Empörung.

Ausgerechnet Streich

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Streich: "Hinterher ist Frieden"

David Abraham und Christian Streich geben sich die Hand.
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Jetzt hat sich Abraham mit Streich zu allem Überfluss das denkbar schlechteste Opfer ausgesucht. Ausgerechnet der Freiburger, der weit über Vereinsgrenzen hinweg breite Sympathien genießt, weil er eine klare Haltung vertritt – nicht nur in Fußballfragen. Streich ist im stromlinienförmigen Profigeschäft ein echter Typ. Jemand, der seine Position in der Öffentlichkeit nutzt, um gesellschaftliche Werte anzumahnen. Das nennt man landläufig Vorbildfunktion. 

So ist es auch typisch Streich, dass er nach dem Spiel schleunigst versuchte, die Wogen zu glätten. Abrahams umgehende Entschuldigung, die wohl nicht zuletzt auf dringliche Bitte der Frankfurter Verantwortlichen erfolgte, nahm Streich selbstverständlich an: "Es isch alles gut", sagte der Coach in seiner unnachahmlichen Art.

Sanktionen müssen folgen

Doch ganz so einfach dürfte und sollte Abraham aus dieser Nummer nicht herauskommen. Neben einer vermutlich drastischen Sperre durch den DFB muss auch der Verein die bereits angedrohten Konsequenzen ziehen. Und mit einer Geldstrafe ist es diesmal nicht getan. Anders als im normalen Leben ist Abraham auf dem Rasen ein Hitzkopf. Immer wieder gehen dem 33-Jährigen die Gäule durch. Vor drei Jahren etwa leistete er sich einen üblen Ellenbogenschlag gegen den damaligen Hoffenheimer Sandro Wagner.

Von jener Vorbildfunktion, die er gerade als Kapitän qua Amt innehaben sollte, kann spätestens jetzt keine Rede mehr sein. Szenen wie diese haben im Sport nichts verloren und dürfen nicht zur Nachahmung animieren.

Abraham schadet mit seinem Verhalten nicht nur sich selbst und seiner Mannschaft, sondern dem kompletten Verein, der in den vergangenen Jahren viele Sympathien sammeln konnte. Die jüngste Hochstimmung nach dem 5:1 gegen die Bayern ist jedenfalls bereits gründlich verflogen. Für die Eintracht heißt es handeln und ein Zeichen setzen. Mit Kevin Trapp oder Sebastian Rode stünden tadellose Nachfolgekandidaten bereit. Für David Abraham wird es trotz aller Sympathien abseits des Rasens Zeit, sich in der Schlange wieder hinten anzustellen und die Kapitänsbinde umzutauschen.

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Hütter stärkt Abraham den Rücken

Eintracht-Trainer Adi Hütter hat David Abraham nach dessen Roter Karte im Spiel beim SC Freiburg den Rücken gestärkt. Der Argentinier bleibe weiterhin Kapitän des Bundesligisten, ließ Hütter am Montagnachmittag über einen Vereinssprecher mitteilen. "David Abraham hat einen Fehler gemacht, den er auch eingesehen hat. Er hat sofort mit Christian Streich das Gespräch gesucht und sich entschuldigt. Zwischen allen Beteiligten ist die Situation bereinigt", so Hütter. "Wir haben auch mit ihm gesprochen und ihm mitgeteilt, dass wir solche Aktionen nicht akzeptieren und auch nicht mehr sehen wollen."

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Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, Abraham sei am Vormittag mit seiner Familie auf der Zeil unterwegs gewesen. Wir haben diese Angaben korrigiert.