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Die Eintracht präsentierte sich in dieser Saison als verschworene Einheit. Bild © Imago Images

Die Frankfurter Eintracht verspielt im Saisonendspurt die mögliche Teilnahme an der Champions League und rettet sich mit Hängen und Würgen ins Ziel. Dennoch haben die Hessen das Bestmögliche rausgeholt.

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Es war ein Absturz mit Kalkül. Dass eine Mannschaft der Kragenweite Eintracht Frankfurts durch Europa marschiert und nebenbei in der heimischen Liga mal eben den (erstmaligen) Einzug in die Champions League klarmacht, war selbst bei den neuerdings so erfolgsverwöhnten Hessen kaum zu erwarten.

Verein und Spieler setzten vor allem in der kräftezehrenden Rückrunde alles auf die Karte Europa League, wohlwissend, dass das Tagesgeschäft darunter leiden könnte. Für die internationalen Auftritte wurden letzte Reserven - körperlich wie mental -  mobilisiert, die im Bundesliga-Endspurt schließlich fehlten. "Ausgepresst wie eine Zitrone", beschrieb Trainer Adi Hütter treffend die Verfassung seines Teams nach dem finalen von insgesamt 50 Pflichtspielen am Samstag in München.

Champions League verspielt

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Ohne die europäischen Halbfinal-Spiele gegen den FC Chelsea stünde man nun in der Champions League, behauptete selbst Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Hypothetisch, aber sicher keine illusorische These. Tatsächlich haben die Frankfurter bereits seit den Viertelfinal-Duellen gegen Benfica Lissabon Mitte April in der Liga kein Spiel mehr gewonnen. Sechs Partien, zwei Zähler – darunter Heimniederlagen gegen Augsburg und Mainz. Hier wurde die Königsklasse und beinahe sogar alles vergeigt.

Nur dank der Schützenhilfe aus Mainz rettete sich die Eintracht auf der letzten Rille auf den siebten Platz. Für die Hessen bedeutet das eine deutlich stressigere Sommervorbereitung mit bis zu drei Qualifikationsrunden ab Ende Juli, bis am Ende die erneute Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League feststehen würde. Immerhin. Der Super-GAU, ein Abrutschen auf den bedeutungslosen Rang acht, den die Frankfurter am Samstag bereits phasenweise innehatten, blieb aus.  

Europa-Fokus alternativlos

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Doch welche Alternativen hätte es zu der riskanten und gerade nochmal gut gegangenen Marschroute der Eintracht gegeben? Sich aus der Europa League raus rotieren, um für die Liga gewappnet zu sein? Unvorstellbar für einen Verein, eine Mannschaft und eine ganze Region, die diesen Wettbewerb lebt wie keiner sonst.

Die gigantischen Choreografien bei den Heimspielen, die Reisen zehntausender Fans durch den ganzen Kontinent und Spieler, die mit leuchtenden Augen und heißem Herzen den Partien entgegenfiebern: Ein wenig mehr Glück im Elfmeterschießen in London und diese verschworene Einheit aus Fußball-Profis und ihrem leidenschaftlichen Anhang wäre ein Jahr nach dem DFB-Pokal-Wahnsinn von Berlin tatsächlich ins nächste Finale eingezogen. Wohl niemand hätte in diesem Fall ernsthaft am gesetzten Europa-Fokus gezweifelt.

Auf ein neues Level gehievt

Doch auch so hievte der Siegeszug gegen Schwergewichte wie Marseille, Lazio, Donezk, Inter und Benfica den Club auf ein neues Level, das selbst mit dem Erreichen der Champions League wohl nur schwer zu toppen gewesen wäre. Eintracht Frankfurt ist wieder wer, erarbeitete sich europaweit Ansehen und Respekt und wurde plötzlich zum Hoffnungsträger für das international gebeutelte Fußball-Deutschland.

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Mit diesem Pfund können die Verantwortlichen auch in den jetzt anstehenden Personalplanungen wuchern. Die Botschaft ist klar: Hier kann man sich weiterentwickeln, etwas erreichen und beste Stimmung ist sowieso garantiert. Damit gilt es, den einen oder anderen umworbenen Leistungsträger zu halten sowie das Team mit den Einnahmen aus Europa League und Transfererlösen vor allem in der Breite besser aufzustellen.

Neuer Anlauf im nächsten Jahr

Und wer weiß: Vielleicht ist es für einen Verein, der sich in den vergangenen Monaten seit dem Pokalsieg selbst rechts und links überholt hat, gar nicht mal von Nachteil, seinen Kader nicht im Hauruck-Verfahren auf Königsklassen-Format aufrüsten zu müssen. Schließlich steigen mit den Ansprüchen auch die Preise. Ein weiteres Jahr Anlauf in der Europa League, ein paar mehr Körner im Endspurt und etwas mehr Genauigkeit beim nächsten Elfmeterschießen, und die Eintracht könnte dieser famosen Saison die nächste folgen lassen.