Eintracht-Trainer Niko Kovac
Niko Kovac hat sich selbst ins Abseits manövriert. Bild © Imago

Der Wechsel von Trainer Niko Kovac zum FC Bayern trifft Eintracht Frankfurt hart. Der Zeitpunkt ist ein Fiasko, der Druck steigt ab sofort ins Unermessliche. Die ganze Saison ist in Gefahr.

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Pünktlich zur wichtigsten Woche der Saison ist das Chaos perfekt. Trainer Niko Kovac wird die Frankfurter Eintracht zum Saisonende verlassen und zum FC Bayern wechseln. Überraschend kommt das nach den wachsweichen Möchtegern-Bekenntnissen der vergangenen Wochen nicht mehr, der Zeitpunkt und die Turbulenzen rund um das Bekanntwerden sind jedoch eine Katastrophe.

Nimmt man die ersten Reaktionen in Foren und den sozialen Netzwerken als Tendenz, ist Kovac bei den Fans untendurch. Die selbst ausgelösten Unruhen bringen alle sportlichen Ziele in Gefahr, die Eintracht steht vor einem Scherbenhaufen.

So groß ist die Liebe zur Eintracht dann wohl doch nicht

So nachvollziehbar Kovacs Schritt nach München ist, so weh tut er der Eintracht. Der 46-Jährige muss diese wohl einmalige Chance auf einen Job bei einem europäischen Spitzenverein nutzen, der FC Bayern fragt schließlich nicht jeden Tag an. Jetzt oder nie.

Die Art und Weise des Abgangs hat Kovacs Ansehen in Frankfurt aber enorm beschädigt. Noch im Januar wurde der Kroate lebenslanges Mitglied und beteuerte, den Verein im Herzen zu tragen. Immer wieder betonte er, ein Ehrenmann zu sein. Bei ihm zähle der Handschlag, es gebe keinen Grund, an seinem Verbleib zu zweifeln. Stand jetzt: alles nur Lippenbekenntnisse. Doch wer solche moralischen Werte vertritt, muss sich auch an ihnen messen lassen.

Kovac hat sich bewusst eine Ausstiegsklausel zusichern lassen und stets ein Hintertürchen offengehalten. Dass er durch dieses jetzt durchschlüpft, ist sein gutes Recht und vollkommen legitim. Wort- oder Vertragsbruch kann man ihm nicht vorwerfen. In dieser Phase der Saison schadet er der Eintracht damit aber immens, im Rennen um Europa und das DFB-Pokalfinale ist die Konzentration nachhaltig gestört.

Nachfolger von Heynckes - auch bei der Eintracht

Kovac hat die Eintracht mit zwei Jahren harter Arbeit vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Anwärter aufgepäppelt. Jetzt ist er kurz davor, das ganze mühsam aufgebaute Konstrukt selbst zum Einstürzen zu bringen. Sollte die Eintracht am Samstag in Leverkusen und am Mittwoch auf Schalke verlieren, muss Kovac das ganz alleine auf seine Kappe nehmen. Die ohnehin gereizte Stimmung im Umfeld würde endgültig kippen, in den verbleibenden Spielen ginge es nur noch um Schadensbegrenzung.

Noch hat Kovac die Chance, seine Mission in Frankfurt zu einem versöhnlichen Ende zu bringen und die Eintracht erhobenen Hauptes zu verlassen. Sollte er daran scheitern und weder Europa noch das Pokal-Endspiel erreichen, droht ihm das gleiche Schicksal wie seinem Vorgänger auf der Bayern-Bank: Jupp Heynckes war auch mal Eintracht-Trainer, noch heute wird er bei jedem Besuch in Frankfurt gnadenlos ausgepfiffen. Kovac muss jetzt liefern.

Ihre Kommentare Nachvollziehbar oder Wortbruch? Was ist Ihre Meinung zum Wechsel von Niko Kovac zum FC Bayern?

246 Kommentare

  • Wenn ich heute in der Süddeutschen Zeitung lese, dass es vor 14 Tagen ein Treffen von Hoeneß, Rummenige und Kovac gab, dann finde ich doch, dass Herr Kovac uns alle arg veräppelt und für dumm verkauft. Ich kann es gut verstehen, dass er ein für ihn sicher attraktives Angebot aus Bayern annimmt aber so ein Abgang heißt für mich, dass man nicht zu seinem Handeln mit allen Echos, die das halt hervorruft stehen will. Respekt für die Fans und die Eintracht sieht anders aus!

  • Es ist für Niko eine Chance und zu akzeptieren. Frankfurt darf sich glücklich schätzen ihn gehabt zu haben

  • Ganz großer Mist. Wie sehr hatten wir alle diese Aufbauarbeit herbeigesehnt, die, so notwendig, nun mindestens stark gefährdet ist.

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