Frust bei Kostic von Eintracht Frankfurt

Für Eintracht Frankfurt geht es beim Jahresauftakt gegen die TSG Hoffenheim um mehr als drei Punkte. Ein Fehlstart würde die Krise weiter verschärfen und könnte weitreichende Folgen haben. Trainer Adi Hütter muss liefern.

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Es ist wie eigentlich immer nach einer Vorbereitung: Die insgesamt 18 Bundesligisten haben allesamt unter Top-Bedingungen trainiert, die Profis haben super mitgezogen und endlich alle Wehwehchen abgelegt. Die Trainer sind rundum zufrieden und freuen sich auf den Rückrundenstart. Jetzt, da sind sich alle sicher, wird alles besser. So natürlich auch bei Eintracht Frankfurt.

"Ich habe die positive Energie deutlich gespürt", sagte Adi Hütter nach dem Trainingslager in einem vereinseigenen Interview. Die Zeit in den USA bewertete der Österreicher als "absolut positiv", die Einstellung der Mannschaft gar als "sehr positiv". Die Arbeit an der Grundordnung und das Einstudieren taktischer Varianten fasste er zudem als "positiv" zusammen. Na, dann kann's ja losgehen und die TSG Hoffenheim kommen. Sollte man meinen.

Es fehlen die Lösungsansätze

Allzu viele nachvollziehbare Argumente für den Optimismus, der lediglich durch die beiden Verletzten Gelson Fernandes und Daichi Kamada etwas getrübt wird, liefern jedoch weder Coach Hütter noch Sportvorstand Fredi Bobic. Aus den letzten sieben Bundesliga-Spielen vor der Winterpause holte die Eintracht gerade einmal einen Punkt und blieb dabei teilweise den Nachweis der Bundesligatauglichkeit schuldig. Was seitdem passiert ist? Nicht viel.

Eine echte Analyse der Probleme fand – zumindest nach außen – nicht statt. Gründe für den Absturz wurden nicht oder mit dem Verweis auf die Flut an Pflichtspielen nur bedingt zufriedenstellend benannt. Einfach munter weitermachen, Kräfte sammeln und auf die Rückkehr des abhanden gekommenen Spielglücks hoffen, wird jedoch nicht reichen. Frankfurt in Not.

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Reichen volle Akkus?

Klar, die viel beschrienen Akkus konnten über die Weihnachtsfeiertage wieder etwas aufgeladen werden, Führungsspieler Kevin Trapp ist zurück und Profis wie Bas Dost, Djibril Sow oder André Silva erlebten erstmals eine Frankfurter Vorbereitung. Ein Neuzugang, der von Coach Hütter im alten Jahr zaghaft und im Trainingscamp in Florida noch einmal recht deutlich gefordert wurde, ist bislang allerdings nicht zu sehen. Glaubt man Sportvorstand Bobic, soll da auch nicht mehr viel kommen. Die vorhandenen Spieler, so der Eintracht-Boss, seien stark genug. "Wir sind mit der Qualität sehr zufrieden."

Je nach Wahrheitsgehalt dieser Einschätzung von Bobic, der auch im vergangenen Winter niemanden holen wollte und dann am letzten Tag gleich drei neue Gesichter präsentierte, geht die Eintracht ein hohes Risiko ein. Eine ohnehin verunsicherte Mannschaft, die im vergangenen Sommer deutlich an Qualität verloren hat, ohne neue Impulse in den drohenden Abstiegskampf zu schicken, wäre ein Wagnis. Es sind letztlich genau diese Zutaten, die nicht selten in einem Desaster enden.

Hütter krempelt das System um

Umso mehr ist deshalb jetzt Hütter gefordert. Der 49-Jährige durchlebt erstmals in seiner Frankfurter Amtszeit ein Tief und muss das Team, das er größtenteils nach seinen Wünschen zusammengestellt hat, nun wieder aufpäppeln. "Wir brauchen Selbstvertrauen, das ist für jeden Spieler wichtig", betonte Evan N'Dicka unter der Woche. Die Wucht der vergangenen Saison, als die Eintracht wie selbstverständlich über europäische Spitzenteams hinwegfegte, ist lange verloren gegangen.

Spektakel war gestern, Sicherheit ist heute. Bereits im letzten Spiel vor der Winterpause legte Hütter, ein bekennender Offensiv-Fanatiker, deshalb den Rückwärtsgang ein und verordnete Kompaktheit. Wohlgemerkt: gegen den Tabellenletzten. Bezeichnend.

Mit der Viererkette, einer zusätzlichen Absicherung in der Mitte und deutlich mehr Vorsicht fangen die Hessen quasi bei null an, um zukünftig wieder öfter zu Null zu spielen. "In der Hinrunde haben wir fast nie taktisch trainiert", legte Routinier Makoto Hasebe in den USA den Finger in die Wunde. Der Hebel wurde deshalb in der Winterpause auf dem Reißbrett angesetzt. Ein neues System soll den Erfolg zurück nach Frankfurt bringen. Doch auch da gibt es Probleme.

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Gegen Hoffenheim muss die Eintracht liefern

Für das von Hütter bevorzugte 4-4-2 fehlt ein echter Rechtsaußen, für ein 4-2-3-1 ein Spielmacher. Der langjährige Stabilisator Hasebe wird zudem wohl auf der Bank Platz nehmen müssen, Automatismen kann es noch nicht geben. "Taktisch ist das ein großer Unterschied", warnte Kapitän David Abraham vor möglichen Anpassungsschwierigkeiten. Klar ist: Ein Selbstläufer wird die Viererkette nicht.

Zum ersten Härtetest unter Wettkampfbedingungen kommt es am Samstag (15.30 Uhr) in Sinsheim. Die gastgebende TSG Hoffenheim ist ein ebenso machbarer wie undankbarer Gegner, einen Fehlstart darf sich die Eintracht auf keinen Fall erlauben. "Es geht darum, den Platz wieder als Sieger zu verlassen und drei Punkte einzufahren", fasste Abraham die Ausgangslage zusammen. Leichter gesagt als getan. Sollte die Eintracht das Gastspiel und das folgende Heimspiel gegen Leipzig versemmeln, droht die Stimmung zu kippen. Etwas Positives könnte dann wohl selbst Hütter nicht mehr finden.