Die Eintracht-Spieler schauen nach dem Köln-Spiel traurig drein.

Noch ist etwas Abstand zwischen Eintracht Frankfurt und der ungemütlichen Tabellenregion der Bundesliga. Noch kann das letzte Spiel des Jahres einiges rumreißen. Das wird aber nichts, wenn es so läuft wie gegen den 1. FC Köln. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt droht in der Fußball-Bundesliga immer weiter abzurutschen. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter verlor am Mittwochabend ihr Heimspiel gegen den 1. FC Köln mit 2:4 (2:1). Martin Hinteregger (6. Spielminute) und Gonalo Paciência (30.) hatten die Hessen zwar komfortabel in Führung gebracht. Spätestens mit Jonas Hectors Anschlusstreffer (44.) drehten die Gäste aber auf und durch die Tore von Sebastiaan Bornauw (72.), Dominick Drexler (81.) sowie Ismail Jakobs (90.+4) schließlich auch das Ergebnis.

1. Die Luft wird dünner

Sechs Ligaspiele. In Folge. Ohne Sieg. Das ist die nicht mehr nur ernüchternde, sondern mittlerweile auch problematische Bilanz der Eintracht seit dem 2. November. An Leistung und Begeisterung von jenem Samstagnachmittag, als die Frankfurter Rekordmeister München mit 5:1 wegfidelten, konnten sie seitdem nicht mehr anknüpfen. Es folgten wettbewerbsübergreifend neun Pflichtspiele, von denen die Hütter-Truppe sieben (!) verlor und nur eines gewann – mit 2:1 beim FC Arsenal.

In der Europa League war genau das jenes Ergebnis, welches das Eintracht-Pferd ausreichend hoch springen ließ, um in die Zwischenrunde einzuziehen. In der Bundesliga aber hat die Ausbeute von einem mageren Pünktchen aus den vergangenen sechs Partien dazu geführt, dass Frankfurt dicht vorm Untergeschoss der Bundesliga angekommen ist. Als Tabellenzwölfter haben die Hessen aktuell nur noch vier Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz, sechs Zähler groß ist der Puffer auf einen Abstiegsrang. Die jüngste Mittelmaß-Debatte könnte sich ganz schnell in eine handfeste sportliche Krise verwandeln.

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2. Ein Spielverlauf mit Déjà-vu-Charakter

Gut in die Partie starten, den Gegner im Griff haben, dann aber völlig den Faden verlieren: Genau das ist der Eintracht innerhalb von nur sechs Tagen gleich zwei Mal passiert. Wie schon bei der 2:3-Europacup-Niederlage gegen Vitória Guimarães haben die Frankfurter nun auch gegen Köln ein Spiel mit starker Tendenz zum Heimsieg komplett aus der Hand gegeben. An einem offensichtlich neuralgischen Punkt in der zweiten Halbzeit, irgendwo zwischen der 60. und 70. Minute, hat es zum wiederholten Male eine kritische Wende gegeben.

Gegen den FC allerdings, der nun den typisch leidenschaftlichen Kampf eines Aufsteigers bot und von seinen immer lauter werdenden Fans in der Arena unterstützt wurde, war den Eintracht-Profis die Schockstarre besonders nach den Gegentoren zwei, drei und vier noch viel stärker anzumerken. Der Ausgleich durch Bornauw, um nur ein Beispiel zu nennen, resultierte aus einer Sturm- und Drangphase der Gäste, die fast im Halbminutentakt zu einem neuen Eckball kamen. Das Hütter-Team hingegen war schlicht und ergreifend nicht in der Lage, für Entlastung zu sorgen. Dass schon vorher Hectors Distanz-Hammer zum 1:2 von Almamy Touré leicht abgefälscht wurde und damit ebenfalls eine Parallele zum Guimarães-Spiel bot, dürfte aufseiten der Frankfurter niemanden trösten.

3. Die Eintracht-Tanks sind völlig leer

Für die Tatsache, dass die Eintracht auf der Zielgeraden des Jahres vermehrt sicher geglaubte Siege verspielt, gibt es ziemlich genau einen Grund: Auf eben dieser Geraden geht dem Pokalsieger von 2018 die Puste nicht nur aus, er hat einfach keine mehr. Die Profis sind platt, ihre Tanks sind leer. "Uns fehlt die Kraft", suchte etwa Kapitän Makoto Hasebe gar nicht erst nach Ausreden. Zur Erinnerung: Frankfurt befindet sich seit fast fünf Monaten im Pflichtspielbetrieb und hat seit Ende Juli 30 Partien abgespult. Die Europa League ist für den Club insgesamt ein Segen, doch die Spätfolgen der drei Qualifikationsrunden entpuppen sich als sportlicher Fluch.

Weiteres Problem: Die anstehende Winterpause, das ist zumindest zu befürchten, wird alles andere als erholsam. Nach dem Hinrunden-Abschluss am kommenden Wochenende bleibt den Profis nur wenig Zeit, um zwischen Tannenbaum und Weihnachtsgeschenken die Füße hochzulegen. Bereits am 2. Januar – also nur gut eine Woche nach den Feiertagen – geht es in ein reiseintensives Trainingslager nach Florida (USA). Und wiederum nur eine Woche nach der Rückkehr aus den Staaten steht bereits der Rückrunden-Auftakt in der Bundesliga an.

4. Die guten Dinge gehen völlig unter

Man mag es vielleicht nicht glauben, aber: Die Leistung der Eintracht gegen Köln war längst nicht so düster, wie es Spielverlauf und Ergebnis weismachen wollen. Drei Beispiele gefällig? Erstens: Allen Verletzungssorgen zum Trotz gab es auch personelle Lichtblicke.

Felix Wiedwald etwa machte als nominell dritter Torwart hinter dem nun ebenfalls verletzten Kevin-Trapp-Stellvertreter Frederik Rönnow ein grundsolides Spiel und war bei Hectors Treffer völlig machtlos. Zweitens: Verteidigung ist nach wie vor der beste Angriff, Abwehrspieler Hinteregger erzielte sein wettbewerbsübergreifend siebtes Saisontor. Und drittens: Mit Paciência hat endlich auch mal wieder ein Stürmer getroffen.

5. Frankfurt klammert sich an den Paderborn-Strohhalm

Ein Spiel noch, dann ist Winterpause. Und dieses eine Spiel, das kann, soll und muss die zuletzt enttäuschend verlaufenen Wochen von Eintracht Frankfurt zu einem halbwegs versöhnlichen Abschluss führen. Ein Sieg bei Schlusslicht Paderborn – und die Bescherung an Heiligabend würde hier und da etwas entspannter verlaufen. Einzig die körperliche Verfassung der Mannschaft lässt Zweifel am Gelingen dieses Vorhabens aufkommen.

"In Paderborn heißt es: drei Punkte holen", sagte Dominik Kohr vor dem Spiel am Sonntag (18 Uhr) dennoch unmissverständlich. Für Kapitän Hasebe geht es derweil darum, "Mentalität und Charakter" auf dem Platz zu zeigen – während Trainer Hütter die allerletzten Kraftreserven mobilisieren will: "Ich weiß, dass der Tank leer ist. Aber wir müssen irgendwo einen Zapfhahn finden." Ein Spiel noch, dann ist Winterpause.

Weitere Informationen

Eintracht Frankfurt - 1.FC Köln 2:4 (2:1)

Frankfurt: Wiedwald - Touré, Hasebe, Hinteregger - Chandler, Kohr (84. Silva), Rode (32. Sow), Kostic, Kamada - Dost, Paciencia (61. N'Dicka)

Köln: Horn - Schmitz, Bornauw, Czichos, Katterbach - Skhiri, Hector - Thielmann (62. Kainz), Drexler (90. Terodde), Jakobs - Cordoba  (90. Modeste)

Tore: 1:0 Hinteregger (6.), 2:0 Paciencia (30.), 2:1 Hector (44.), 2:2 Bornauw (72.), 2:3 Drexler (81.), 2:4 Jakobs (90.+4)  

Gelbe Karten: Chandler, Hinteregger - Katterbach, Skhiri, Kainz, Jakobs

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)  

Zuschauer: 50.300

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