Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht reagiert auf Spionagevorwürfe

Es ging nicht alles ganz sauber zu beim Eintracht Frankfurt e.V.

Der Fall hat Brisanz: Eintracht Frankfurt soll Daten von RB Leipzig illegal erspäht und für Transfers genutzt haben. Rechtsanwalt Christoph Schickhardt und Aufsichtsratsmitglied Dieter Burkert haben sich nun zu den Vorwürfen geäußert. Es droht der Gang vor Gericht.

Wie lautet der Vorwurf?

Das Scouting-System "ISB" (International Soccer Bank) hat Eintracht Frankfurt vorgeworfen, sich mit der Kennung von RB Leipzig unerlaubten Zugang auf die Datenbank verschafft und dadurch auch Transfers getätigt zu haben. Über einen Zeitraum von 22 Monaten soll es 5.664 illegale Zugriffe gegeben haben. Aufgrund dieser hohen Zahl wurde der Verdacht laut, dass mehrere Mitarbeiter der Eintracht spioniert hätten.

Zur Einordnung: In der "ISB"-Datenbank werden weltweit Informationen zu Jugendspielern und gestandenen Profis zusammengetragen. Solange ein Profil eines Akteurs nicht mit eigenen Daten und Fakten gefüllt wird, stehen nur Grundinformationen wie Größe, Gewicht und wenige Stärken zur Verfügung.

Was war der Auslöser?

Zunächst wurde die Eintracht Frankfurt Fußball AG, verantwortlich für den Bereich Profifußball, informiert. Ligakonkurrent RB Leipzig hatte Unterlagen an Eintracht-Justiziar Philipp Reschke übersandt. Nach eingehender Prüfung stand fest, dass der am Riederwald beheimatete e.V. – wo die Jugendfußballer und alle weiteren Sparten des Vereins unter einem Dach sind – betroffen ist.

Das zur IP (Internetprotokoll)-Adresse gehörende Endgerät konnte anfangs allerdings nicht erschlossen werden. Erst mit Hilfe des Datenerfassungsunternehmens KLDiscovery war es möglich, die Anzahl der Zugriffe zurückzuverfolgen und ausfindig zu machen, wann und vor allem von wem gespäht wurde.

Wer ist verantwortlich für die Spionage?

Frank L. - der bereits von 2006 bis 2010 den Unterbau der Eintracht betreut hatte, von 2012 bis 2016 bei RB Leipzig tätig war und 2018 zu den Hessen als U17-Coach zurückkehrte - hatte nach einem Gespräch mit Präsident Peter Fischer und Dieter Burkert am 25. März dieses Jahres eingeräumt, dass er bereits alle Daten von Laptop und Smartphone gelöscht habe.

L. wurde sofort suspendiert und verließ den Verein mit unbekanntem Ziel. Er hat einen Auflösungsvertrag unterschrieben, die Eintracht allerdings nicht wie üblich auf alle Rechte verzichtet. Somit könnte L. im Nachgang noch belangt werden. Der bekannte Sportrechtler Christoph Schickhardt, der die Frankfurter in diesem Fall berät, sagte dazu: "Das ist auch ein gewaltiger Imageschaden für Eintracht Frankfurt."

Wie kam es zu dieser hohen Anzahl an Zugriffen?

Insgesamt gab es in den rund 22 Monaten 170 Zugriffe, woraus sich die insgesamt rund 6.000 Klicks ergaben. So soll sich L. verschiedene Begegnungen jeweils nur wenige Sekunden angeschaut und anschließend weitergeklickt haben. Man müsse, so Burkert, bei der Benennung aufpassen: "Ein Log-in in die Datenbank bedeutet einen Zugriff. Die genannte Zahl sind aber die Klicks."

Wie kam L. an das Passwort für die Datenbank?

Benjamin Ehresmann hieß der damalige New-York-Chefscout von RB. Er soll die Passwörter weitergegeben haben und wurde bereits entlassen. Wie bei den Untersuchungen herauskam, gab es offenbar weitere Zugriffe von Geräten, mit denen die Eintracht nichts zu tun hatte.

Wer klagt und wie hoch ist die Forderung?

Die Klage wurde "ISB" und nicht von RB eingereicht. Anfangs forderte "ISB" gar rund 200.000 Euro – allerdings von der AG. Das Ziel: Wenn diese bezahle, dann würde es nicht zu einer Anklage kommen. Erst am 17. Mai bemerkte das Unternehmen die komplizierteren Strukturen der Eintracht, dass die AG falscher Ansprechpartner sei und forderte diese Summe vom e.V. Die Frist dafür lief am 20. Mai ab, der Streitwert liegt inzwischen bei 43.303,76 Euro.

Diese Summe setzt sich wie folgt zusammen: Die Kosten für die Datenbank betragen jährlich 16.393 Euro netto, also hochgerechnet für 22 Monate 30.053,83 Euro. Die restlichen 13.249,93 Euro seien Kosten zur Aufarbeitung des Sachverhalts. Die Eintracht wird sich vor Gericht verteidigen, wobei Schickhardt nicht vor Oktober mit dem Beginn der mündlichen Verhandlung rechnet.

Ist Eintracht-Chefscout Ben Manga betroffen?

Etwas dubios gestaltet sich die Rolle von Chefscout Ben Manga in dieser Causa. "Er ist Teil der Lösung und nicht Teil des Problems", stellte Schickhardt zwar klar. Doch es war offenbar sein Gespräch mit dem damaligen RB-Teamkoordinator Jochen Schneider, das den Stein erst zum Rollen brachte. Leipzig beauftrage danach die Datenbank "ISB", dem Verdacht nachzugehen. Da Ben Manga Mitarbeiter der AG ist, muss er in diesem Verfahren keine Folgen fürchten. Dennoch bleibt der Grund für den Vorstoß des Scouts unbekannt.

Wie ist das Verhältnis zwischen Eintracht und Leipzig?

Philipp Reschke ging von Beginn an sehr offen mit der Thematik um und sorgte dafür, dass es nicht zu einem Streit zwischen der Eintracht und Leipzig kam. Inzwischen hat sich RB aus diesem Procedere herausgezogen.

Fazit

Eintracht Frankfurt ist sich seiner Schuld in diesem Fall bewusst und hat den Sachverhalt offen geschildert und dargelegt. Da sich der ehemalige Mitarbeiter Frank L. intern geständig zeigte, konnten AG und weitere Mitarbeiter des e.V. nach eingehender Prüfung entlastet werden. Allerdings wird sich der Klub vor Gericht verantworten müssen.