Der Abgang von André Silva hat bei der Eintracht eine Lücke im Sturm gerissen.

Eintracht Frankfurt hat beim Test gegen RC Straßburg ohne klassischen Stoßstürmer gespielt. Trainer Oliver Glasner fordert keinen Neuzugang und will aus dem aktuellen Personal das Optimum herausholen. Reicht das, um den Abgang von 28-Tore-Mann André Silva zu kompensieren?

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Audioseite Eintracht verliert Test gegen Straßburg

Ajdin Hrustic jubelt im Spiel gegen Straßburg.
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In der Vorsaison konnte sich Eintracht Frankfurt Woche für Woche auf einen Spieler verlassen: André Silva. Unabhängig davon, ob sich Mitspieler in der Formkrise befanden oder Ex-Trainer Adi Hütter gerade seinen Abgang nach Gladbach verkündete, funktionierte der Portugiese. Ob per Kopf, mit dem rechten oder linken Fuß oder vom Elfmeterpunkt: Silva war da und stellte mit 28 Bundesligatreffern einen neuen Vereinsrekord auf, stieß Vereinslegende Bernd Hölzenbein vom Thron.

Eintracht ohne "Leuchtturm": Glasner muss andere Lösungen finden

Doch der 25-Jährige hat das Eintracht-Trikot ausgezogen, RB Leipzig konnte sich die Dienste des Stürmers sichern. Und der Eintracht fehlt seitdem - bei aller frischen Offensivpower - noch ein Angreifer, der die Bälle festmachen und sich körperlich durchsetzen kann. Im Test gegen RC Straßburg ging der Blick oftmals zu Ludovic Ajorque, der der hessischen Defensive mit seinen beinahe zwei Metern viele Probleme bereitet und zwei Tore erzielt hat.

"Einen Leuchtturm", wie Trainer Oliver Glasner einen solchen klassischen Neuner nennt, hat die Eintracht aktuell nicht. Doch die Frage aller Fragen lautet, ob sie überhaupt einen "Wandstürmer", der Bälle im Stil von Sébastien Haller prallen lässt, benötigt? Der österreichische Übungsleiter wich gekonnt aus und stellte keine Forderungen an die sportliche Leitung um Sportvorstand Markus Krösche.

Glasner nimmt Angriff in Schutz

Glasner erklärt stattdessen: "Wir haben andere Spielertypen. Mit Jesper Lindström (fehlte angeschlagen, Anm. d. Red.) bekommen wir noch mehr Speed dazu. Vielleicht werden wir uns eine andere Spielanlage geben müssen." Die Niederlage gegen die Elsässer wollte der Trainer nicht am Angriff festmachen: "Wir hatten weniger das Problem, Chancen zu kreieren und Tore zu erzielen."

Stattdessen sei das Team "zu anfällig bei eigenen Ballverlusten" gewesen, man habe die Gegentore mehr oder weniger "selbst geschossen". Glasner analysierte: "Meine Gedanken sind nicht bei einem Mittelstürmer, der 15 Tore erzielt. Ich denke darüber nach, wie wir besser absichern können, wie wir schneller Räume verlassen können, wenn dich der Gegner lockt und wie wir mit noch weniger Kontakten spielen können."

Trotz Neuzugang Borré: Es fehlt ein klassischer Vollstrecker

Bei aller Variabilität in der vordersten Reihe, es fehlt ein klassischer Vollstrecker. Den Doppelpack erzielte mit Ajdin Hrustic ein zentraler Mittelfeldspieler. Aymen Barkok, Daichi Kamada, Amin Younes waren zwar fleißig, doch sie haben ihre Stärken im Spielaufbau, Dribbling und in Sachen Kreativität.

Goncalo Paciencia kann ganz vorne nicht überzeugen, Ragnar Ache glänzt zwar aktuell bei Olympia, seine Entwicklung ist allerdings noch mit Fragezeichen behaftet. Dejan Joveljic steht vor einem Abgang in die USA, Rafael Borré sieht sich selbst als Hängende Spitze, die sich gerne zwischen den Linien bewegt, Ali Akman ist noch sehr jung und benötigt Zeit. Auch Lindström ist kein "Prellblock".

Silva-Ersatz? Schnellschuss nicht zu erwarten

Es wäre ein Risiko, ohne einen Spielertypen á la Silva in die neue Saison zu starten. Doch der Transfermarkt stockt aktuell, viele Klubs wollen zunächst ihre Kader verkleinern und die Profis, die keine Rolle in den Planungen spielen, verkaufen. Die Corona-Krise hat sich in den Umsätzen (151,9 Millionen Euro im Eintracht-Geschäftsjahr, Anm. d. Red.) der Klubs niedergeschlagen, die Zahlen haben sich halbiert. Oftmals öffneten sich in den letzten Tagen vor Schließung des Transferfensters attraktive Optionen. Ein Schnellschuss oder hektisches Treiben ist daher nicht zu erwarten. Glasner wird zunächst weiter an einer anderen Spielanlage basteln müssen - zumindest so lange die Eintracht keinen Silva-Ersatz gefunden hat.