Collage: Berndroth und Möller

Andreas Möller soll bei Eintracht Frankfurt Armin Kraaz beerben und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums werden – sehr zum Ärger vieler Fans. Aus einem benachbarten Nachwuchszentrum gibt es jetzt aber Unterstützung für Möller.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ramon Berndroth über Möller: "Ein ganz akribischer Arbeiter"

Ramon Berndroth
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Es war eine unmissverständliche Botschaft, die die Ultras Frankfurt beim Europa-League-Heimspiel der Eintracht gegen den FC Arsenal verbreiteten. "NEIN ZU MÖLLER!", stand in Versalien auf Plakaten, die im ganzen Stadion verteilt waren. Warum die Szene mit dem Frankfurter Bub nichts anfangen kann, erklärte sie in einem Satz, den der Sossenheimer vor dem Pokalfinale 2017 gegen Dortmund gesagt hatte: "Zur Eintracht habe ich keine Verbindung, mit Frankfurt habe ich nichts zu tun." Nun soll Möller aber Chef des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) der Eintracht werden.

Dass diese Personalie bei den Fans weniger gut ankommt, kann Ramon Berndroth, Sportlicher NLZ-Leiter beim Zweitligisten Darmstadt 98, zumindest nachvollziehen. "Die Emotionen sind das eine, davor habe ich auch größten Respekt", sagt er im Gespräch mit dem hr-sport. "Das andere ist: Wir sind alle nur Menschen und unsere Rhetorik ist vor oder nach dem Spiel manchmal auch ein bisschen flapsig." Er glaube nicht, dass Möller sein Statement damals so gemeint habe, wie es bei den Fans angekommen ist. Allerdings, gibt Berndroth zu, ist er selbst in Bezug auf Möller auch "emotional vorbelastet".

"Er war immer disziplinierter als andere"

In den 1990er-Jahren war Berndroth Co-Trainer bei der Eintracht und nahm Möller unter seine Fittiche. Der technisch beschlagene Mittelfeldspieler eroberte schnell das Herz seines Lehrmeisters. "Er war ein ganz zielstrebiger Arbeiter, immer disziplinierter als andere", erinnert sich Berndroth. Und das sei er später auch als Trainer bei Viktoria Aschaffenburg gewesen. "So einer tut jedem Verein gut", bricht der 67-Jährige eine Lanze für den Weltmeister von 1990.

Eine zentrale Frage, die sich dennoch viele stellen, lautet: Was genau sollen Möllers Aufgaben als NLZ-Chef sein? Eine klassische Stellenbeschreibung gibt es nicht. Berndroth erklärt, dass sich die Zuständigkeiten im Detail von Leistungszentrum zu Leistungszentrum unterscheiden. Generell lasse sich allerdings sagen, dass es immer eine organisatorische, administrative und eine eher praktische Seite gibt, die sich etwa der Trainingsphilosophie oder Talentwerbung widmet. "Andy ist eher der Praktiker. Man muss ihn seinen Stärken entsprechend einteilen."

Ist das Verhältnis zum Anhang zu kitten?

Es gilt als gesetzt, dass es bei der Eintracht – wie schon zuvor mit Armin Kraaz – zu einer Aufgabenteilung kommt: zwischen Andreas Möller und dem Technischen Direktor der Eintracht, Marco Pezzaiuoli. Das könnte klappen, löst aber das grundlegende Problem nicht, dass Möller für einige Fans ein rotes Tuch ist.

Dabei habe sich der Sossenheimer sehr wohl in den vergangenen Jahren mit der Eintracht beschäftigt, weiß Berndroth zu berichten: "Wenn ich bei der Eintracht war, habe ich den Andy im Laufe der Jahre immer wieder im VIP-Raum gesehen. Der hat sich immer interessiert." Das Verhältnis zum skeptischen Anhang lasse sich "irgendwie gerade biegen", ist sich Berndroth sicher.