Adi Hütter (l.) und Fredi Bobic.

Am Ende einer turbulenten Woche steht Eintracht Frankfurt vor großen Herausforderungen. Der Club sucht ab sofort einen neuen Sportvorstand und einen neuen Trainer. Noch-Coach Adi Hütter ringt derweil nach wie vor um die richtigen Worte.

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Zum Start gab es am Donnerstag erst einmal einen höflichen Reminder in Sachen Umgangsformen. "Das hier ist in erster Linie eine Spieltags-Pressekonferenz. Ich möchte darum bitten, das Ganze respektvoll zu gestalten", sagte Eintracht Frankfurts Pressesprecher Marc Hindelang. Sein Ziel, die Aufmerksamkeit so gut wie eben möglich auf das anstehende Bundesliga-Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr) zu lenken, verfehlte dieser Appell aber nahezu komplett.

Nun waren die Fragen an Frankfurts scheidenden Trainer Adi Hütter freilich alles andere als respektlos – sehr wohl aber waren sie bestimmt, bohrend, löchernd. Verständlicherweise. Zu geschunden präsentiert sich manchenorts die Eintracht-Seele nach Hütters Ankündigung, den Club im Sommer Richtung Gladbach verlassen zu wollen. Die Parallelen zu Niko Kovac und dessen "Stand jetzt"-Vorfall vor drei Jahren sind für sehr viele Fans einfach zu groß.

Hütter: Es ist "einiges passiert"

Auch und gerade deshalb wurde Hütter am Donnerstag gefragt, warum er den Frankfurtern allen sportlichen Erfolgen zum Trotz so überraschend den Rücken kehren wolle, und ob ihm überhaupt bewusst sei, für welch maßlose Enttäuschung er mit seiner Entscheidung gesorgt habe. Der 51 Jahre alte Österreicher war sicht- und spürbar um passende Reaktionen bemüht. Ausgerechnet eine Begründung, eine nachvollziehbare Erklärung zu den Hintergründen seiner Pläne, blieb er aber auch diesmal schuldig.

"Wichtig ist, dass ich verstehe, warum ich mich so entschieden habe", sagte Hütter. Und paraphrasierte kurz darauf: "Es ist eine Entscheidung, die nur ich verstehen muss." Ende Februar, zum Zeitpunkt seiner mittlerweile vielfach diskutierten "Ich bleibe"-Aussage, habe es für ihn nicht "den Ansatz gegeben, um im Sommer vielleicht eine neue Herausorderung zu suchen". Allerdings, und das betonte der Trainer mehrfach, sei seitdem "einiges passiert", es habe sich "viel verändert".

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Weil er aber die ebenfalls anstehenden Abschiede von Sportdirektor Bruno Hübner und allen voran von Sportvorstand Fredi Bobic nicht als Ausrede heranziehen wollte, blieb Hütter auf dem Weg zu einer möglichen Begründung mehr als vage. "Ich bin kein Lügner", sagte er stattdessen. "Allerdings habe ich das Recht, mir Gedanken zu machen, wie die Zukunft aussieht."

Ob er möglicherweise Profis aus dem aktuell sehr gut funktionierenden Ensemble der Hessen mit an den Niederrhein nehmen wolle, wurde Hütter ebenfalls gefragt. Auch hier gab es eher ein Ausweichen, keine eindeutige Antwort, stattdessen den Hinweis des Übungsleiters, dass die greifbaren Champions-League-Chancen der Eintracht "zehn Mal wichtiger" seien als alles andere. Und doch deutet diese Frage sehr gut an, worum es in Frankfurt spätestens ab jetzt geht: Der Club muss von nun an wohl überlegte Schritte Richtung Zukunft machen.

Hellmann: "Es gibt kein Vakuum"

Manager, Trainer, der Kader für die kommende Saison: Es gibt einige wichtige Baustellen, "Vakanzen", wie Vorstandssprecher Axel Hellmann die zwei wichtigsten Posten am Donnerstag bezeichnete. "Aber es gibt kein Vakuum", betonte er dabei. Priorität habe die Installation eines neuen Sportvorstandes durch den Aufsichtsrat um Chef Philip Holzer, anschließend seien die Trainerfrage und mögliche Transfers für die kommende Saison an der Reihe. Das Gute dabei: Auf der Suche nach dem Bobic-Nachfolger hat die Eintracht laut Hellmanns Ausführungen bereits entscheidende Fortschritte gemacht.

Durch den feststehenden Weggang Bobics werde "das Thema in Entscheidungsphasen treten und nicht mehr in große inhatliche Schleifen gehen", so der Vorstand. "Von unserer Seite her gibt es einen Haken hinter allen, die auf der Liste stehen." Heißt konkret: Das Casting ist durch, es existiert ein Wunschzettel mit Favoriten, jetzt geht es in den Recall. Zeitdruck verspürt der Club dabei offenbar nicht, im Gegenteil. Je realer die Frankfurter Königsklassen-Ambitionen werden, desto besser wird auch die Verhandlungsposition gegenüber einem neuen Manager, einem neuen Trainer oder neuen Spielern.

Saisonvorplanung vorerst bei Manga und Frankenbach

Bis die Hessen die Nachfolger für Bobic und Hütter präsentiert und eingearbeitet haben, übernehmen der ehemalige Kaderplaner und jetzige Direktor Profifußball Ben Manga sowie Finanzvorstand Oliver Frankenbach die Vorplanungen: Welche Spieler könnten in der kommenden Saison das Adlertrikot tragen? Und mit welchen Beratern gilt es dabei zu sprechen? Im Umbruch-Frühjahr 2021 setzt die Eintracht auf die Scouting-Qualitäten von Manga und will dessen Kompetenzen weiter stärken.

"Wir können das alles aufs Gleis setzen, die Weichen dafür stellt die Mannschaft", sagte Hellmann, der im Team eine "intrinsische Motivation" im Kampf um die Champions League spüre. Tabellrang vier, so der Vorstand, sei ganz eng mit der Arbeit von Trainer Adi Hütter verbunden.

Auch dieser erneuerte am Donnerstag noch einmal sein Gelöbnis, bis zum Saisonende alles für die Eintracht geben zu wollen. "Ich trage Frankfurt im Herzen", ließ er dabei fallen. Eine Aussage, die nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen nicht jedem Fan gefallen dürfte. Aber eben auch eine, die übrigens ebenfalls als sehr respektvoll interpretiert werden kann.