Krösche Eintracht

Eintracht Frankfurt hat einen Traum: In der kommenden Saison in einem vollen Stadion im Europapokal spielen. Sportvorstand Markus Krösche will alles dafür tun. Und er weiß auch, wo die Probleme lagen und liegen.

Seit Anfang der Saison ist Markus Krösche Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. Zusammen mit Trainer Oliver Glasner erlebte er, wie die Eintracht im vergangenen Herbst kurz vor den Abstiegsplätzen stand, danach mit zahlreichen Siegen in der Tabelle aber wieder in Richtung der ersehnten Europapokal-Plätze steuerte. Zwischen der Dortmund-Niederlage zum Rückrunden-Auftakt und dem Augsburg-Spiel am Sonntag (15.30 Uhr) hat der hr-sport mit Krösche gesprochen.

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hessenschau.de: Markus Krösche, schwirrt Ihnen die hochemotionale 2:3-Niederlage gegen Dortmund noch im Kopf rum?

Markus Krösche: Jetzt ist es mittlerweile weg. Ich muss zugeben, die Nacht danach war relativ kurz. Bei solchen Spielen braucht man etwas länger, um sie zu verarbeiten. Man muss es akzeptieren. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, leider dann sehr unglücklich verloren, aber jetzt geht der Blick auf Augsburg.

hessenschau.de: Alle reden über den US-Spieler Pepi, für den der FC Augsburg 13 Millionen Euro hingeblättert hat. Hätten Sie den auch gerne?

Krösche: Das ist sicherlich ein guter Spieler. Aber wir fahren natürlich trotzdem nach Augsburg, um dort zu gewinnen. Wir wollen die erfolgreiche Serie und die Art und Weise der letzten Wochen einfach wieder auf den Platz bringen. Und klar, unser Ziel ist es, da zu gewinnen.

hessenschau.de: Die Eintracht war in dieser Saison ja nicht immer so erfolgreich. Im Oktober, nach den Niederlagen gegen die Hertha und in Bochum, stand man nahe der Abstiegsplätze. Haben Sie da auch gelitten? Wie gehen Sie damit um?

Krösche: Erstmal die Ruhe bewahren. Es ist im Fußball nun mal so, dass das Umfeld sehr emotional ist, das gehört dazu. Aber es ist wichtig, dass man in der Situation die Ruhe behält, denn wir haben uns natürlich auch etwas dabei gedacht, dass wir Oliver Glasner verpflichtet haben. Er war in all seinen Klubs erfolgreich. Uns war auch klar, dass es dann irgendwann funktionieren würde. Das zahlt sich dann nachher aus.

hessenschau.de: ...wurden Sie gar nicht nervös?

Krösche: Nein. Ich bewerte immer das, was ich täglich in der Trainingsarbeit sehe, wie das Trainerteam mit der Mannschaft arbeitet, das war immer sehr gut, immer sehr akribisch. Oliver hat die Spiele immer sehr gut vor- und nachbereitet. Er hat immer versucht, den Jungs gewisse Inhalte mitzugeben, und von daher war ich schon sehr positiv gestimmt, dass das auch funktioniert. Es war ja am Anfang klar, dass es Zeit braucht. Wenn ein neuer Trainer kommt, benötigt das Eingewöhnungszeit. Von daher war ich ehrlicherweise nie wirklich unruhig.

hessenschau.de: Aber die Erleichterung war schon da, als dann die Siege kamen?

Krösche: Naja, Fußball macht natürlich - wenn man erfolgreich ist - deutlich mehr Spaß, als wenn man nicht erfolgreich ist. Von daher ist man natürlich froh, wenn das, was man sich ausmalt und erhofft, nachher auch funktioniert, klar.

hessenschau.de: Dann ist die Eintracht vom Tabellenkeller bis fast ganz nach oben gekommen. Erklären sie doch mal: Was waren die Gründe für diesen Aufschwung?

Krösche. Es geht darum, dass Inhalte auch umgesetzt werden können und sich Automatismen ergeben. Dadurch, dass wir international gespielt haben, waren natürlich nicht so viele Trainingswochen da. Sehr viele Inhalte mussten den Jungs theoretisch über Videoanalyse wiedergegeben werden, dann dauert der Prozess des Umsetzens natürlich etwas länger.

Und dann gibt es die Schlüssel-Momente, in denen eine Mannschaft auch die Überzeugung entwickelt. Das war sicherlich die Woche vor dem Fürth-Spiel, wo wir in Piräus in der der 90. Minute den 2:1-Sieg klarmachen und somit in Europa überwintern. Und dann die spezielle Situation in Fürth, wo wir in der letzten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer machen. Überzeugung und Automatismen: In der Kombination sind das die Gründe, dass wir jetzt so erfolgreich sind.

hessenschau.de: Was fehlt noch?

Krösche: Wir haben auch noch viele Dinge, die wir besser machen müssen. Gerade das Verteidigen machen wir momentan nicht so gut, wie wir es phasenweise schon gemacht haben. Dafür spielen wir uns viele Torchancen raus. Da geht es auch darum, wieder eine Balance zu finden. Deswegen haben wir auch noch viel zu tun.

hessenschau.de: Der Erfolg ist wieder da. Aber einer, Stürmer Sam Lammers, wird derzeit in den sozialen Medien kritisiert, auch von Eintracht-Fans. Tut Ihnen das weh, wenn einer Ihrer Spieler so angegangen wird?

Krösche: Ja, vor allem, wenn es dann Grenzen überschreitet. Jeder Mensch oder Fan darf seinen Unmut über sportliche Leistungen äußern. Da ist sicherlich auch Sam nicht zufrieden, was er momentan auf den Platz gebracht hat. Man muss als Spieler akzeptieren, dass es da Kritik gibt, aber es geht dann teilweise auch zu weit und ins Persönliche. Das macht mich dann auch sauer, muss ich ehrlicherweise sagen, wenn dann auch der Mensch Lammers angegriffen wird.

hessenschau.de: Wird das noch mit Lammers?

Krösche: Sam ist ein junger Kerl. Er hat sehr gut begonnen, hat gegen Istanbul und Wolfsburg direkt getroffen, dann hat es so ein bisschen abgerissen. Er kommt natürlich aus einem Jahr, in dem er wegen der Verletzung kaum gespielt hat. Er braucht den Rhythmus, und das dauert halt, um sich an die Intensität der Bundesliga zu gewöhnen. Er arbeitet jeden Tag hart daran und ich bin überzeugt, dass das noch funktioniert, weil er einfach eine gewisse Qualität hat. Aber Fußball hat auch sehr viel Selbstvertrauen zu tun und mit den vorhin schon angesprochenen Automatismen.

hessenschau.de: Das Transferfenster ist offen. Zwei Mal scheiterte in den vergangenen Monaten ein Wechsel von Amin Younes zu einem anderen Verein. Klappt es diesmal?

Krösche: Ja, wir sind mit der Seite von Amin Younes im Austausch. Ich bin zuversichtlich, dass wir da jetzt eine Lösung finden, die für alle Seiten gut ist und wir ein vernünftiges Ende der Zusammenarbeit finden. Wir werden das relativ zeitnah lösen.

hessenschau.de: Sie sind als Sportvorstand natürlich auch zuständig für die Neuverpflichtungen. Ein Spielername, der immer wieder genannt wird, ist der von Stürmer Randal Kolo vom FC Nantes. Kommt er im Sommer?

Krösche: Er ist sicherlich ein interessanter Stürmer, der in Nantes gute Leistungen bringt, aber man wird sehen. Er hat sicherlich gewisse Fähigkeiten, die uns auch helfen würden. Aber es gibt viele Offensivspieler, die interessant sind. Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

hessenschau.de: Am Sonntag steht nun das Spiel in Augsburg an. War Dortmund ein Ausreißer - und jetzt gehts wieder auf die Erfolgsspur?

Krösche: Na, was heißt Ausreißer. Wir haben schon ein gutes Spiel gemacht. Sicherlich, das Ergebnis war extrem ärgerlich. Jetzt geht es einfach darum, die Sachen, die wir nicht so gut gemacht haben, besser zu machen, dann fahren wir nach Augsburg und wollen dort gewinnen.

hessenschau.de: Zum Schluss nochmal das Corona-Thema. Der Manager-Kollege ihres jetzigen Gegners Augsburg, Stefan Reuter, hatte zuletzt die Sorge geäußert, dass es in der Bundesliga wegen der vielen Corona-Fälle bald wieder Spielausfälle geben könnte. Haben Sie die gleiche Sorge?

Krösche: Ich hoffe, dass es nicht passiert, ausschließen kann man das nicht. Grundsätzlich sind die Vereine sehr bemüht, die Hygienekonzepte einzuhalten. Aber Du kannst es halt nicht immer verhindern, dass sich Spieler anstecken. Aber das sind Dinge, mit denen wir leben müssen. Grundsätzlich ist es für uns wichtig, dass wir irgendwann wieder mit Zuschauern spielen, weil wir auch von den Einnahmen leben. Wir müssen aber ein Stück weit versuchen, wieder in die Normalität zurückzukommen.

hessenschau.de: Wenn dann in der kommenden Saison das Stadion wieder voll sein darf, sehen die Leute in Frankfurt dann wieder Europapokal-Spiele?

Krösche: (lacht) Wir werden alles dafür tun, ja. Wir wollen natürlich die erfolgreichen vergangenen Wochen weiter fortsetzen, die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, noch weiter verbessern. Wir werden alles dafür tun, um vielleicht am Ende wieder auf einem internationalen Platz zu landen. Aber es ist noch ein weiter Weg.

Das Gespräch führte Carsten Schellhorn.