Martin Hinteregger scheitert mit dem vierten Elfmeter der Eintracht an Chelseas Torhüter Kepa.
Martin Hinteregger scheitert mit dem vierten Elfmeter der Eintracht an Chelseas Torhüter Kepa. Bild © Imago Images

Er kämpfte wie ein Löwe, gewann Zweikampf um Zweikampf und hatte doch maßgeblichen Anteil am Ausscheiden der Eintracht gegen den FC Chelsea: Martin Hinteregger verkörperte die Frankfurter Tragik. Und sorgte nach Abpfiff für die Szene des Abends.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das traurig-schöne Aus der Eintracht

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Ohne ein Zeichen ihrer Liebe wollten die Frankfurter Fans den tragischen Helden des Abends nicht in die Katakomben der Stamford Bridge schlurfen lassen. Also packte sich einer von ihnen Martin Hinteregger, drückte ihn ganz fest an sich und herzte ihn ganz innig. Weitere folgten seinem Beispiel, und erst danach durfte der Innenverteidiger wieder gehen.

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Trost für den geprügelten Hund. Bild © Imago Images

Wie ein geprügelter Hund hatte Hinteregger zuvor den Gesängen der Anhänger gelauscht, die ihre Mannschaft nach dem Halbfinal-Aus in der Europa League beim FC Chelsea noch einmal hatte hochleben lassen. Für ein Europacup-Jahr voller Erfolge und Überraschungen, voller Stadien und einem Frankfurter Lauf, der in der englischen Hauptstadt höchst dramatisch nach 120 Minuten und einem Elfmeterschießen geendet war.

Kepa riecht den Braten

Und so stand Hinteregger da, die Schultern hängend und den Blick ins Leere gerichtet. Der Mann, der den vorentscheidenden vierten Strafstoß der Eintracht vergeben hatte: Langer Anlauf, ein täuschender Blick in die rechte Ecke und dann der fatale Schuss flach in die Mitte des Tores, wo Chelsea-Keeper Kepa nur auf den Ball gelauert hatte und diesen zwischen Schienbein und Rasen einklemmte.

Kepa schreit, Hinteregger schweigt - Emotionen im Elfmeterschießen zwischen Chelsea und Frankfurt.
Kepa schreit, Hinteregger schweigt - Emotionen im Elfmeterschießen zwischen Chelsea und Frankfurt. Bild © Imago Images

Der Rest war Geschichte: Die Londoner, für die Cesar Azpilicueta vergeben hatte, glichen nach Strafstößen aus und qualifizierten sich nach einem weiteren Frankfurter Fehlschuss durch Goncalo Paciencia mehr glücklich als verdient für das Endspiel in Baku gegen Arsenal London. "Die Fans hätten das Finale verdient gehabt", sagte Kevin Trapp hinterher. Auf den geschlagenen Bundesligisten traf dies nach einer Reihe leidenschaftlicher und überzeugender Auftritte im Wettbewerb auch zu.

Himmel und Hölle liegen nah beieinander

Eintracht-Trainer Adi Hütter war nach dem Spiel vor allem als Aufbauhelfer gefordert. "Ich habe ihm schon Trost gespendet", sagte der Österreicher über seinen Landsmann Hinteregger, den Untröstlichen. Jener Hinteregger, der fast an allen entscheidenden Aktionen beteiligt gewesen war. Das fing an mit dem Führungstreffer der Gastgeber, als der 26-Jährige viel zu zögerlich aus dem Abwehrzentrum herausrückte und so dem Torschützen Ruben Loftus-Cheek den Abschluss gewährte (28. Minute).

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Das Eintracht-Drama im hr

Das Eintracht-Drama in London ist am Freitag ab 18.25 Uhr Thema in einer Sondersendung im hr. Mit dabei sind auch aktuelle Stimmen von der Pressekonferenz der Eintracht vor dem Mainz-Spiel am Sonntag.

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Was Hinteregger aber in der Folge zeigte, unterstrich noch einmal seinen Wert, den er nach nur wenigen Monaten für diese Frankfurter Mannschaft erlangt hat. Der Publikumsliebling beackerte Weltmeister Olivier Giroud, stopfte Löcher, grätschte und köpfte über weite Strecken wirklich jeden Ball weg, der in die Nähe des eigenen Strafraums flog. Auch von einem bösen Zusammenprall mit Chelseas Emerson in der Nachspielzeit ließ er sich nicht stoppen. Und doch wurde er dank seines Fehlschusses zum Symbol für die Niederlage. Himmel und Hölle lagen für Hinteregger ganz nah beieinander an diesem Abend.

Schmidt schließt Augsburg-Rückkehr nicht aus

Wie auch die Ultras nach dem Spiel, so wollen die Frankfurter Vereinsverantwortlichen ihren "Hinti" nach dem Ende der Leihe zum Saisonende nicht mehr loslassen. Mit dem FC Augsburg, wo Hinteregger noch bis Juni 2021 unter Vertrag steht, soll möglichst eine humane Lösung gefunden werden. Denn auch der Spieler will in Frankfurt bleiben, wo er sich schon jetzt heimisch wie selten fühlt.

Das Problem: Hintereggers "Intimfeind" Manuel Baum, wegen dem er im Winter nach Hessen geflüchtet war, ist mittlerweile nicht mehr Trainer in Augsburg. Und der neue starke Mann Martin Schmidt beobachtet die Entwicklung des Linksfußes sehr interessiert. "Fakt ist, dass er einen Vertrag in Augsburg und der FCA das Heft des Handelns in der Hand hat", sagte Schmidt der Augsburger Allgemeinen.

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Eine Frage des Geldes

Der Trainer ließ aber auch durchblicken, dass ab einer gewissen Ablösesumme mit ihm zu reden sein kann. "Es werden auch die Wirtschaftlichkeit und die Teamstruktur eine Rolle spielen", so Schmidt. Eine niedrige zweistellige Millionensumme dürfte die Eintracht am Ende für ihren neuen Abwehrchef bezahlen. Damit es in Zukunft noch mehr Möglichkeiten für die Fans gibt, ihren "Hinti" zu herzen. Auch zu schöneren Anlässen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Elfmeter-Drama in der Radioreportage

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