Martin Zaluk

Bei Eintracht Frankfurt stand Martin Zaluk vor einer Profikarriere. Als der Sprung doch nicht klappte, zog es ihn in die USA. Ein Glücksfall. Heute vermittelt er Spieler aus ganz Deutschland an US-Universitäten.

Irgendwann, tief im Regionalliga-Abstiegskampf 2003, kommt Martin Zaluk die Erkenntnis: Er wird es wahrscheinlich nicht packen. Es gibt bei Eintracht Frankfurts Amateuren noch keine U23-Regelung, Zaluk, im Jahr zuvor noch Kapitän der U19, versauert hinter gestandenen Halb-Profis auf der Bank. Die morgendlichen Trainingseinheiten verpasst er, weil er in der Schule für das Abi büffelt, nachmittags prallt er in den Zweikämpfen an den teils fünfzehn Jahre älteren Petar Houbchevs oder Dino Toppmöllers ab. "Es war brutal", sagt Zaluk viele Jahre später. Mit der Eintracht-Reserve steigt er in die Oberliga ab, und der Traum vom Profi ist schneller vorbei, als er überhaupt beginnen konnte.

So wie Zaluk damals geht es jährlich hunderten ambitionierten Juniorenfußballern. Jahr für Jahr spucken die Nachwuchsleistungszentren zahllose Kicker aus, top ausgebildet, talentiert, und doch schaffen es nur die wenigsten in den Profibereich. Eine kolossale Enttäuschung für viele, auch Zaluk muss sich 2003 erst einmal fangen. "Ich habe von Tag zu Tag gelebt." Und doch merkt er auch: Die schwierige sportliche Zeit ist eine Chance. "Es war vielleicht auch das Richtige, um zu realisieren, dass es noch mehr gibt als Fußball."

"Und plötzlich wurde es ernst"

Es ist eine Menge Zufall dabei, die aus dem gestrandeten A-Jugend-Kapitän einen erfolgreichen Geschäftsmann macht. Ein Freund erzählt ihm immer und immer wieder vom US-amerikanischen College-System. Fußball spielen, einen Uni-Abschluss machen, und diesen durch ein Stipendium sogar bezahlt bekommen. Zaluk ist skeptisch, aber sein Kumpel lässt nicht locker. "Er hat sogar die Formulare für mich ausgefüllt und mir zum Unterschreiben hingelegt, weil er unbedingt wollte, dass ich mitkomme", lacht Zaluk. Auch die erforderlichen Tests macht er eher auf Drängen seines Kumpels. Und besteht sie alle. "Und plötzlich wurde es ernst."

Ein Gespräch mit den Eltern, ein Flugticket in die USA: Plötzlich steht Zaluk mitten in einem neuen Leben, am Birmingham Southern College in Alabama, für deren "Panthers" er fortan die Knochen hinhält. Die Gegner heißen nun nicht mehr SC Pfullendorf oder 1. FC Schweinfurt, sondern Georgia State Panthers und North Carolina Tar Heels.

Sportlich liegt das Niveau irgendwo zwischen Oberliga und Regionalliga, im Team steigt Zaluk schnell zum Leader auf und führt die Truppe zweimal zur Meisterschaft in der National Collegiate Athletic Association Division 1. Vor allem ist es aber der amerikanische Way of Life an der Uni, der Zaluk begeistert. "Der College-Lifestyle ist überragend. Das war die beste Zeit meines Lebens, ein großes Abenteuer."

"Das waren die ersten Anzeichen einer größeren Welle"

Und eine Zeit, in der sich, ohne dass es ihm damals schon so richtig bewusst ist, eine Karriereoption auftut. Immer wieder fragen ihn die Trainer in den USA nach gut ausgebildetem Fußballnachwuchs aus der Heimat, andersherum kriegt Zaluk mehr und mehr Anfragen von Spielern aus Deutschland. Wie geht das, wie ist das? Zwei Freunde, die bei Kickers Offenbach in der Jugend spielten, vermittelt er so in die USA.

"Das waren die ersten Anzeichen einer größeren Welle", so Zaluk. "Damals spielten in den ganzen USA vielleicht 50 Deutsche an den Unis. Heute sind es über 500." Und so macht Zaluk ganz nebenher und eher aus Freundschaft die ersten Schritte als Spielerberater.

Zaluks Drang: Zurück ins Fußballgeschäft

Schritte, die ihm Jahre später wieder in den Sinn kommen. Nach seinem Abschluss in Atlanta arbeitet Zaluk in New York, Miami und Spanien und verspürt irgendwann wieder den Drang, ins Fußballgeschäft zurückzukehren. Im College-Fußball hat sich viel getan, die Bedingungen sind stark professionalisiert worden. Ebenso sind die deutschen Nachwuchsleistungszentren (NLZ) immer besser geworden. Wer nun ein NLZ verlässt, kann meist problemlos Regionalliga spielen.

Aber eben nur sportlich problemlos. "Verbindest du das hier in Deutschland mit einem Studium, ist der Trainer genervt, weil du so oft in der Uni bist, und der Prof ist genervt, weil du so oft beim Fußball bist", lacht Zaluk. Anders ist die Lage in den USA, wo Sport und Uni untrennbar zusammengehören und die Unis dem Spieler im Idealfall noch ein Vollstipendium zahlen.

Mehr als einhundert Spieler hat er an US-Colleges vermittelt

Und so macht sich Zaluk seine Kontakte in die Staaten zunutze und gründet 2008 seine Agentur MZTA. "Aufgrund der Nachfrage aus beiden Ländern habe ich gedacht, ich will das machen", so Zaluk. "Und zwar mit dem klaren Fokus, die Toptalente an die Unis zu vermitteln." Zaluks Timing könnte besser kaum sein. Angebot und Nachfrage an talentierten deutschen College-Fußballern wachsen gleichermaßen, entsprechend wächst auch Zaluks Agentur. Mittlerweile hat er fünf Mitarbeiter, mit denen er Spieler scoutet, seine Schützlinge berät, sich um Formulare und Anträge kümmert. Mehr als einhundert Spieler hat er so bereits an US-Colleges vermitteln können.

Und so geht für den einen oder anderen doch noch die Tür zum Profigeschäft auf, die bereits verschlossen schien. "Letztes Jahr sind beim MLS SuperDraft der Major League Soccer zwei unserer Spieler von MLS-Clubs ausgewählt worden", so Zaluk. Beispielhaft dabei die Vita des Neu-Profis Benjamin Lundt. "Er hat bei Hertha BSC in der Jugend gespielt, kam zu den Amateuren, wo er dann auf der Bank saß. Er hat uns kontaktiert, wir haben ihn ans Akron College vermittelt, wo er sich noch einmal extrem entwickelt hat. Und dann wurde er vom FC Cincinnati gedraftet."

Springbreaks und Roadtrips

Und Zaluk selbst? Kickt mittlerweile in der Gruppenliga bei TuRa Niederhöchstadt, wenn er denn mal Zeit hat. Einer Profikarriere trauert er nicht mehr nach, während seines Masters hatte er sogar noch einmal eine Einladung zum Profitraining bei Los Angeles Galaxy, verzichtete aber zugunsten seines Uni-Abschlusses.

Viel wichtiger sei ohnehin die Lebenserfahrung gewesen, "die überragende Zeit", Springbreaks und Roadtrips, all die Türen, die sich für Zaluk geöffnet haben, die Menschen, die er kennengelernt hat. Sein Kumpel etwa, der ihn zum Abenteuer USA überredete, ist mit der Zeit zum besten Freund geworden. Er ist direkt in den USA geblieben und lebt in Los Angeles, alle paar Tage telefonieren sie.