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Wenn es läuft, gehen selbst Schüsse wie der von Filip Kostic rein. Die Eintracht ist derzeit im Bayern-Modus. Bild © Imago Images

Eintracht Frankfurt brennt gegen Limassol zur Abwechslung mal kein Feuerwerk ab, darf aber wohl in der Europa League überwintern. Das verleitet fast schon zu Leichtfertigkeit. Eine Analyse in fünf Punkten.

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Die Frankfurter Eintracht feiert gegen Apollon Limassol den dritten Sieg im dritten Europa-League-Spiel und steht nach dem souveränen 2:0-Erfolg mit anderthalb Beinen im Sechzehntelfinale. Filip Kostic (13. Minute) und Sébastien Haller (32.) machen die Tore, der Torschütze vom Dienst sitzt nur auf der Bank.

Champions League auf den Rängen

Eine Riesen-Choreographie vor dem Spiel, vorweihnachtliche Wunderkerzen in der Halbzeitpause und Standing Ovations nach Abpfiff: Die Fans von Eintracht Frankfurt sorgten wie schon gegen Lazio Rom für Festtags-Stimmung im natürlich ausverkauften Stadion. Während andere Vereine im vermeintlichen Cup der Verlierer oft vor halbleeren Rängen antreten müssen, ist in Frankfurt selbst bei einem eher unattraktiven Gegner wie Apollon Limassol die Hölle los.

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Eintracht im heimspiel!

Der Sieg der Eintracht ist am Samstag ab 17.15 Uhr auch Thema im heimspiel! des hr-fernsehens.

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"Ich bin hierhergekommen, um solche Abende zu erleben. Das ist das Schönste, was es in einer Karriere geben kann", schwärmte Anführer Gelson Fernandes. "Es ist reines Glück, bei so einer Atmosphäre zu spielen." Europa League auf dem Rasen, Champions League auf den Rängen. Bleibt nur die Frage, für wie viele Partien die Choreo-Kasse der Fans noch reicht. (Mehr Stimmen zum Spiel gibt es hier.)

Die Choreo der Eintracht
Die beeindruckende Choreo der Frankfurter Fans Bild © Imago Images

K.o.-Phase nur noch theoretisch zu nehmen

Denn so wie es aussieht, wird es in dieser Saison noch mindestens zwei weitere europäische Heimspiele in Frankfurt geben. Die Eintracht führt die prominent besetzte Gruppe mit der makellosen Bilanz von neun Punkten aus drei Spielen an und hat stolze acht Zähler Vorsprung auf Platz drei. Mit einem weiteren Sieg wäre die K.o.-Phase sicher, ein Remis müsste unter normalen Umständen auch reichen und selbst bei drei Niederlagen ist den Hessen das Ticket für die nächste Runde nur noch schwer zu nehmen. 

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"Wir haben heute einen Riesenschritt gemacht", fasste Ersatzkapitän Marco Russ die Lage zusammen und formulierte schnell neue Ziele: "Wir sind schon gewillt, jetzt auch Gruppenerster zu werden." Die Zeit der Zurückhaltung ist endgültig vorbei, die Eintracht will der Europa League noch eine Weile erhalten bleiben.  

Ein Sieg ohne Schleifchen

Dass die Mannschaft von Trainer Adi Hütter so weit gekommen ist, ist die Folge einer klar erkennbaren Entwicklung. Das 3-5-2-System funktioniert, das oft eingeforderte Pressing zeigte gegen die überforderten Zyprer enorme Wirkung. Obwohl die Leistung der Eintracht schlechter war als bei den beiden Gala-Vorstellungen gegen Lazio Rom (4:1) und Fortuna Düsseldorf (7:1), flogen Limassols Keeper Bruno Vale insgesamt 25 Torschüsse um die Ohren. Einen ließ er durch Hände und Hosenträger rutschen, beim Kopfball von Haller war er machtlos.

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Besonders bemerkenswert ist letztlich aber, dass der Eintracht ein durchschnittlicher Abend reichte, um das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute zu kontrollieren. Die Gäste aus Zypern trafen in der Schlussphase zwar Pfosten und Latte, gefährdet war der Frankfurter Sieg aber nie. Das fußballerische Feuerwerk blieb dieses Mal aus, trotzdem hieß der Gewinner zum fünften Mal in Folge Eintracht Frankfurt. So spielen eigentlich nur Spitzenmannschaften.

Chancenverwertung: mangelhaft

Bei aller Euphorie gab es am Ende des Abends aber tatsächlich einen echten Kritikpunkt: die Chancenverwertung. "Wenn man nach der Nadel im Heuhaufen suchen will, muss ich sagen: Wir haben heute zu wenige Tore gemacht", bestätigte Trainer Hütter auf der Pressekonferenz. Vor allem Jonathan De Guzman kurz vor und Haller kurz nach der Pause ließen beste Möglichkeit ungenutzt, hinzu kamen einige schlampig ausgespielte Konter.

Zu ungenau, zu unkonzentriert, zu lässig: In den entscheidenden Situationen, so hatte es den Anschein, fehlte der Eintracht an diesem Abend der letzte Wille. Wie beim fröhlichen Kicken im Freibad zählte Schönheit oft mehr als Effizienz. Das sollte nicht passieren, ist aber angesichts der vergangenen Wochen und des doch sehr schwachen Gegners wohl menschlich. 

Ein Fünf-Tore-Mann auf der Bank

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Ein weiterer möglicher Grund für die vergleichsweise wenigen Treffer saß zudem auf der Ersatzbank. Shootingstar Luka Jovic rotierte sechs Tage nach seinem historischen Fünferpack beim Fußballfest gegen Düsseldorf wieder raus aus der Startelf, ihn ersetzte Vizeweltmeister Ante Rebic. Durchaus eine Überraschung, für Coach Hütter das Normalste der Welt: "Es ist wichtig, unterschiedliche Duos vorne spielen zu lassen. Ich muss immer einen von unseren Super-Stürmern auf der Bank lassen", begründete er.

Gegen Limassol durften Haller und Rebic gemeinsam wirbeln, schon in Nürnberg am Sonntag (13.30 Uhr) wird Jovic wieder von Beginn an randürfen, wie Hütter ankündigte. Luxusprobleme garniert mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. "Es ist auch einfach so", führte Hütter aus, "dass wir Luka heute gar nicht gebraucht haben." Wohl dem, der eine solche Auswahl hat. Frei nach dem neuen Frankfurter Motto: Mia san die Eintracht.