Kevin Trapp und Luka Jovic
Der eine ist weg, der andere soll bleiben: Luka Jovic (li.) und Kevin Trapp. Bild © picture-alliance/dpa

Nach dem Abgang von Luka Jovic ist Eintracht Frankfurt reich wie nie, steht aber auch unter Druck: Da weitere prominente Verluste drohen, müssen jetzt Neuzugänge her. Handlungsbedarf gibt es vor allem in der Offensive.

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Luka Jovic jubelt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Wechsel von Luka Jovic zu Real Madrid

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Während Luka Jovic am Tag nach der Verkündung seines Transfers zu Real Madrid fleißig Videos seines neuen Arbeitgebers bei Instagram teilte, beginnt bei Eintracht Frankfurt die Suche nach einem Nachfolger. Mögliche Wunschkandidaten werden Chefscout Ben Manga und Sportvorstand Fredi Bobic zwar vermutlich schon lange in der Schublade haben, ab jetzt muss es aber konkret werden. Das Konto ist voll, der Kader ist es derzeit eher nicht.

Umsatz klettert über 200 Millionen Euro

Die Leihspieler Kevin Trapp und Martin Hinteregger sollen und wollen zwar auch in der kommenden Saison das Trikot der Eintracht tragen, die Handlungsträger in Paris und Augsburg wissen nun aber auch, dass bei den Hessen reichlich Geld vorhanden ist. Das macht es bei den Verhandlungen über eine dauerhafte Verpflichtung nicht leichter.

Nach der Verletzung von Sebastian Rode, der ebenfalls gehalten werden soll, und dem Abgang von Jovic sind die Lücken in der Zentrale und in der Offensive zudem groß. Da auch Ante Rebic den Verein verlassen könnte, besteht hier Handlungsbedarf. Der nächste Umbruch muss moderiert werden.

Schnäppchen gibt es für die Eintracht nicht

Die für Frankfurter Verhältnisse königlich gefüllten Kassen sind bei der anstehenden Shoppingtour Fluch und Segen zugleich. Der Umsatz ist dank des Jovic-Jackpots erstmals in der Vereinsgeschichte über die 200-Millionen-Euro-Marke geklettert, Geld für Neuzugänge ist mehr als genug da.

Problem: Das wissen auch die anderen Vereine, Schnäppchen wird der Eintracht deshalb niemand anbieten. Im Gegenteil, wie auch Bobic befürchtet: "Das kann passieren", sagte er gegenüber der Bild zur Möglichkeit übertriebener Ablöseforderungen der abgebenden Clubs.

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Wird Kruse wieder ein Thema?

Klar ist auch: Verrückte Dinge wollen die Hessen nicht tun, Star-Einkäufe wird es nicht geben. "Ein Personalbudget von 55 auf 100 Millionen Euro zu erhöhen, hört sich zwar knackig und cool an, ist aber auch ungesund und mit mehr Risiken als Chancen verbunden", so Bobic. Gesundes und moderates Wachstum: ja. Neureiches Getue: nein. Die Eintracht will sich punktuell verstärken und den Weg mit hungrigen Spielern weitergehen. Wichtig dabei: Die Neuzugänge müssen Qualität haben und möglichst schnell funktionieren.

Doch was wird gebraucht? Im Sturm hat die Eintracht mit Sébastien Haller, so er denn bleibt, und Goncalo Paciencia zwei wuchtige Angreifer im Kader. Was fehlt, ist das jeweilige Gegenstück. Gesucht werden zum einen schnelle und wuselige Zweikämpfer, die die Vorlagen von Haller verwerten und selbst in Eins-gegen-Eins-Duellen für Gefahr sorgen können. Oder ein mitspielender Stürmer. Einer, der das Spiel liest und leitet, sich auch mal fallen lässt und die offensiven Außen Filip Kostic oder Danny da Costa einsetzt. Einer wie Max Kruse.

Der Name des ablösefreien 31-Jährigen taucht seit Wochen immer mal wieder in Frankfurt auf. Sein kolportierter Wechsel zu Fenerbahce Istanbul soll zwar finanziell interessant, für Kruse aber sportlich wenig lukrativ sein. Gegen die Eintracht spricht lediglich Kruses Gehaltsforderung von rund sechs Millionen Euro pro Jahr, die die Hessen bislang nicht zahlen wollen. Nach dem Abgang von Jovic könnte sich diese Meinung jedoch ändern.

Bobic muss viele Lücken schließen

Bliebe das Vakuum im zentralen Mittelfeld. Mit Gelson Fernandes und Lucas Torro, der den Nachweis der Bundesligatauglichkeit noch schuldig geblieben ist, stehen nur noch zwei Sechser im Aufgebot. Rode muss erst einmal zurück zum BVB und dann noch einige Zeit in die Reha, Dauer-Reservist Marc Stendera befindet sich nach hr-Informationen auf der Suche nach einem neuen Verein, Jonathan de Guzman und Mijat Gacinovic fühlen sich etwas weiter vorne wohler.

So oder so sollte die Eintracht mindestens zwei neue Kräfte für die Sechser-, Achter- oder Zehnerposition verpflichten. Das verbindende Element zwischen Abwehr und Angriff wurde in der vergangenen Saison in mehreren Spielen schmerzhaft vermisst. Etwas mehr Kreativität und Ideen in der Spieleröffnung werden dringend benötigt. Genau wie Entlastung für die Dauerbrenner Kostic und da Costa.

Viele Baustellen, viel Geld und viele Möglichkeiten. Die Eintracht befindet sich in einer Situation, die sie so noch nicht kennt. Die Ansprüche sind gestiegen, Risiko und Fallhöhe sind größer geworden. "Wir werden nur vernünftige Dinge tun", versprach Bobic. Je länger das dauert, desto schwieriger könnte es aber werden.