Andreas Möller

Corona, prominente U15-Trainer, das Feilen am großen Ganzen: Von Langeweile kann bei Andreas Möller, dem neuen Nachwuchschef bei Eintracht Frankfurt, keine Rede sein. Mit verschiedenen Maßnahmen wollen der Weltmeister und sein Team den Frankfurter Jugendfußball in die Zukunft führen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Möller zur Situation im Eintracht-NLZ: "Ganz schwierige Situation für unsere Jungs"

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Ob Profi- oder Jugendbereich: Die Corona-Krise hat den Fußball fest im Griff. Das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von Eintracht Frankfurt ist da keine Ausnahme: Auch auf den Plätzen am Riederwald rollt seit Wochen kein einziger Ball mehr.

"Wir gehen sehr verantwortungsvoll mit dieser Krise um", betont Andreas Möller. Der Weltmeister von 1990 leitet das NLZ des hessischen Bundesligisten seit Oktober vergangenen Jahres. "Wir hatten frühzeitig erkannt, dass da eine Welle auf uns zukommt, waren immer am Puls der Entwicklungen." Die Folge: Die Nachwuchskicker, allen voran jene aus dem zuletzt formstark aufgetretenen U19-Bundesliga-Team, wurden bereits vor längerem mit Trainingsplänen für Zuhause ausgestattet. Für individuelle Absprachen steht der Athletiktrainer zur Verfügung.

Broich und Polenz kommen für die U15

Der am Riederwald gewohnte Spiel- und Trainingsbetrieb ruht also, die Arbeiten im Hintergrund allerdings nicht. Mit der Verpflichtung der beiden Ex-Profis Thomas Broich und Jerome Polenz als Trainergespann für die U15 hatte die Eintracht in dieser Woche aufhorchen lassen. Fredi Bobic, der Sportvorstand der Profi-Abteilung, habe Möller "darauf aufmerksam gemacht, dass da zwei Jungs sind, die gerne ins Trainergeschäft möchten", erzählt der NLZ-Chef.

Beide, Broich und Polenz, waren zuletzt als Fußball-Experten für die ARD tätig. "Wie sie in der Spielanalyse Dinge darstellen ist fantastisch", sagt Möller, der aus eigener Erfahrung aber auch weiß: "Die Theorie ist das eine, die Praxis letztlich das Entscheidende." Der frühere Mittelfeldspieler ist seit dem Ende seiner aktiven Zeit als Trainer und Manager bei verschiedenen Vereinen tätig gewesen, in Frankfurt will er nun langfristig mit dem Nachwuchsbereich erfolgreich sein. Broich und Polenz, die den Riederwald im Rahmen von Hospitanzen bereits kennengelernt haben, sollen dabei helfen.

Möller: Wollen für eine gewisse Spielphilosophie stehen

Darüber hinaus nutzt Möller die Corona-Zwangspause in diesen Wochen auch dafür, um nach etwas mehr als einem halben Jahr bei der Eintracht am großen Ganzen zu feilen. Seine Mission: "Wir möchten auch im Jugendbereich für eine gewisse Spielphilosophie stehen", kündigt der 52-Jährige an. "Dafür arbeiten wir an vielen Prinzipien: Wollen wir abwarten? Angreifen? Schnell umschalten? All das geht natürlich nicht von heute auf morgen."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Möller zu Broich und Polenz: "Es ist eine ganz tolle Sache"

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Dafür, so erzählt Möller, arbeiten er und sein Team stark konzeptionell. Allen voran mit Matthias Borst, der bei der Eintracht den Titel Leiter Spielkonzeption trägt, sowie dem Technischen Direktor Marco Pezzaiuoli führe der NLZ-Chef viele Gespräche. Die Themen: Trainerteams für die kommende Saison, Umbau des Internats, Verbesserungen der Trainingsqualitäten am Riederwald. Möller und Co., das ist zumindest der Eindruck, nehmen den Frankfurter Fußball der Zukunft in Angriff.

U19-Spieler auf dem Sprung zu den Profis?

Alles andere als hinderlich sind dabei die jüngsten Leistungen der U19, die sich in der Rückrunde der A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest vor der Corona-Pause bis auf Tabellenrang sechs vorgekämpft hat. "Die Jungs haben einen richtigen Teamgeist entwickelt", sagt Weltmeister Möller.

"Da gibt es sicherlich auch gute Spieler, die die Möglichkeiten haben, im bezahlten Fußball unterzukommen. Wie weit das geht, ist schwer zu prognostizieren, ich möchte auch niemanden unter Druck setzen. Aber wir arbeiten hier täglich dafür, unsere Talente so nah wie möglich an den Bundesliga-Kader heranzuführen. Das streben wir an, dafür machen wir das. Die U19 ist unser Flaggschiff." Allerdings eines, das während der Krise vor Anker liegt.