Silva und Kostic von Eintracht Frankfurt

Die Corona-Pandemie hat auch Eintracht Frankfurt tief in die roten Zahlen gedrückt. Ein Grund zur Sorge ist das laut Finanzvorstand Oliver Frankenbach aber nicht. Ein Überblick über die Finanzen und den aktuellen Stand bei der Trainersuche.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht macht während Corona 45 Millionen Euro Verlust

Architekten des Erfolgs: Die drei Eintracht-Vorstände Fredi Bobic, Oliver Frankenbach und Axel Hellmann
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Auch Eintracht Frankfurt ist nicht schadlos durch die Corona-Pandemie gekommen. Seit Beginn der Geisterspiele geht es zwar sportlich bergauf und in Richtung Champions League, finanziell haben die vergangenen Monate aber eine deutliche Delle hinterlassen. Finanzvorstand Oliver Frankenbach zog deshalb am Mittwoch in einer Presserunde Bilanz, präsentierte die aktuellen Zahlen und wagte einen Ausblick in Sachen Kader und Trainersuche. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie groß ist die Corona-Delle?

Sehr groß. Nach dem Rekordjahr 2019 mit einem Umsatz jenseits der 300-Millionen-Euro-Grenze und einem Umsatz von 280 Millionen Euro im vergangenen Jahr sind die Einnahmen während der Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen. Laut Frankenbach sank der Umsatz auf knapp 150 Millionen Euro, nach Steuern rutschte die Eintracht tief in die roten Zahlen. "Wir haben einen knackigen Verlust von 45 Millionen Euro." Je nach Saisonverlauf und möglichen Prämien für den europäischen Wettbewerb könnte dieser sogar noch größer ausfallen. "Das nehmen wir in diesem Fall dann aber gerne in Kauf", so Frankenbach.

Ist das ein Grund zur Sorge?

Nein. Dank der profitablen Vor-Covid-Zeit mit einem europäischen Halbfinale und dem Verkauf der Büffelherde konnte sich die Eintracht "viel Speck für Corona" anfressen, wie Frankenbach betonte. Da zudem durch die Landesbürgschaft (16 Millionen) und den Anteilsverkauf (22 Millionen) zusätzliches Kapital generiert wurde, sind die Hessen wirtschaftlich gut aufgestellt. Die Lizenz für die kommende Bundesliga-Saison wurde ohne Auflagen erteilt. Grund zur Sorge gibt es demnach nicht. "Wir sind relativ gelassen", so Frankenbach.

Und wenn die Pandemie noch länger dauert?

Selbst bei einer weiteren Spielzeit – Gott bewahre – mit 34 Geisterspieltagen würde bei der Eintracht keine Panik ausbrechen. Dieses Szenario sei, so Frankenbach, zwar eine "emotionale Katastrophe". Zumindest finanziell wäre aber auch das ertragbar. "Wir könnten auch eine weitere Saison ohne Fans überstehen." Randnotiz: Jedes Spiel ohne Zuschauer bringt die Eintracht um Einnahmen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro.

Müssen trotzdem Leistungsträger gehen?

Geht es nach Frankenbach und dem Kontostand: nein. Da der Spielbetrieb für das kommende Jahr bereits gesichert ist, gibt es aktuell keinen Handlungsbedarf. "Wir sind nicht gezwungen, Transfererlöse zu erzielen", versicherte der Finanzboss. Heißt: Selbst bei einem Abrutschen in die Europa League müsste die Eintracht nicht automatisch Stars abgeben und Filip Kostic oder André Silva zu Gold machen. Klar ist aber auch: Bei unmoralischen Angeboten und einem gleichzeitigen Wechselwunsch der Spieler sind die Möglichkeiten der Eintracht begrenzt. "Wir haben Spieler im Kader, die Begehrlichkeiten wecken. Es hängt nicht nur an uns."

Wie viel Geld winkt in der Champions League?

In zwei Wörtern: sehr viel. Alleine die Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League würde der Eintracht einen Jackpot von 20 Millionen Euro garantieren. Mögliche Erfolgsprämien für Siege oder Remis nicht mitgerechnet. In der Europa League wären das bei gleicher Rechnung noch zehn Millionen Euro. In der neugegründeten Europa Conference League winken immerhin noch 7,5 Millionen Euro.

Lässt sich also nur in der Champions League richtig absahnen?

Nein. Laut Frankenbach sind auch die anderen beiden Wettbewerbe lukrativ. Entscheidend sei dabei, wie viele Runden die Eintracht übersteht. Zum Vergleich: In der Saison 2018/19, als die Hessen bis ins Halbfinale der Europa League stürmten, gab es nur durch die TV-Gelder zusätzliche 27 Millionen Euro. "Wenn man den Wettbewerb ernstnimmt", so Frankenbach, "kann man überall Geld verdienen." Das meiste, das ist klar, in der Champions League.

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Wie läuft die Suche nach Sportvorstand und Trainer?

Ja, auch die Suche nach den Nachfolgern von Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter gehört – zumindest zum Teil – zum Aufgabenfeld von Frankenbach. Bei der Trainersuche ist der 53-Jährige direkt involviert, in Sachen neuer Sportvorstand ist er laut eigener Aussage zumindest gut informiert. "Da bekomme ich die Signale, dass wir sehr, sehr weit sind." Mögliche Kandidaten wie Markus Krösche oder Alexander Rosen kommentierte er zwar nicht, der neue Mann könnte nun aber "relativ schnell" kommen.

Etwas länger wird es derweil wohl noch bei der Besetzung des Trainerpostens dauern. Das liege aber nicht etwa an fehlenden Kandidaten oder mangelndem Interesse der potenziellen Hütter-Nachfolger, so Frankenbach. Die finale Entscheidung soll in dieser Causa aber erst nach der Verpflichtung eines neuen Sportvorstands fallen. Einen zeitlichen Rahmen oder Druck gibt es nicht. Spätestens Ende Mai soll die Kommandobrücke aber neu besetzt sein.

Sendung: hr1, 28.04.1, 18 Uhr