Charly Körbel
Der treue Charly Körbel (li.) sprach Alex Meier nach seinem Eintracht-Abschied viel Mut zu. Bild © Imago

Nach seinem Aus bei der Frankfurter Eintracht findet Alex Meier langsam aus dem Tal der Tränen. Er blicke wieder nach vorne. Trost spendete dem geknickten Kultstürmer vor allem Vereins-Ikone Charly Körbel.

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Alex Meier im Eintracht-Trikot

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Alex-Meier-Story

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So langsam hat sich Alex Meier damit abgefunden. Abgefunden damit, dass der Angreifer nicht mehr bei seinem Herzensverein Eintracht Frankfurt kicken darf. "Es ist mittlerweile ganz in Ordnung nach dieser traurigen Nachricht. Ich bin dabei, wieder nach vorne zu blicken", schildert der 35-Jährige dem hr-sport mit einigen Tagen Abstand sein unfreiwilliges Aus beim frisch gebackenen Pokalsieger.

Zu Wochenbeginn hatte die Eintracht offiziell die Trennung von dem Bundesliga-Torschützenkönig 2015 bekanntgegeben – und damit die Frankfurter Fangemeinde mächtig verärgert. In den sozialen Medien hagelte es reichlich Kritik an der Vereinsführung um Sportvorstand Fredi Bobic, der Meiers auslaufenden Vertrag trotz seiner Verdienste für den Club aus "sportlichen Gründen" nicht mehr verlängern wollte.

Eine Saison im Stadtwald ohne den "Fußballgott" im Aufgebot? Einfach unvorstellbar, findet auch Meier selbst. "Es wird ein komisches Gefühl sein, nicht real, wenn du nicht nach Frankfurt zurückkommen wirst, um mit der Vorbereitung anzufangen", hadert der Lange mit dem Zopf. 14 Jahre lang hielt Meier seine Knochen hin, brachte es seit 2004 auf insgesamt 379 Pflichtspiele und ebenso beachtliche 137 Treffer für die Frankfurter.

"Der Einzige, der sich reinversetzen konnte"

Meier hatte es irgendwie befürchtet, dass seine Zeit in Frankfurt so enden würde. Und trotzdem ist die Enttäuschung bei ihm unbeschreiblich groß gewesen. Zuspruch habe er von seiner Familie bekommen, von vielen Menschen, die ihn auf der Straße aufgemuntert hätten. Die warmen Worte gingen dem geknickten Meier runter wie Öl: "Das hat gut getan."

Eine Person hat den Stürmer kurz nach der Trennung besonders aufgefangen. Charly Körbel, auch eine Legende des Vereins. "Er hat mit mir gesprochen. Es war der Einzige, der sich richtig reinversetzen konnte, weil er auch lange hier gespielt hat", berichtet Meier von seinem Gespräch mit dem Bundesliga-Rekordspieler, der sogar 19 Jahre lang für die Eintracht aktiv war.  

Der anstehende Sommerurlaub in Florida mit Hund Alf, einem Golden Retriever, kommt Meier gerade recht. Da könne er am Strand abschalten und sich fit halten. Auch wenn der Trip nach Übersee diesmal komplett anders verlaufen wird. Statt nach Frankfurt zurückzukehren, wird der 35-Jährige möglicherweise bei einem neuen Verein anheuern. "Ich schaue, wie es für mich weitergeht und was mein Berater so hinbekommt."

"Es wird zu viel auf Daten geschaut"

An ein Karriereende verschwendet Meier keine Gedanken. Nach diversen Verletzungen in den vergangenen beiden Jahren hat sich der "Fußballgott" wieder in Form gebracht. "Ich bin gesund und habe ja gesehen, dass ich im Training mithalten kann", entgegnet er seinen Kritikern, die den Angreifer als zu alt und langsam abstempeln. "Für meinen Geschmack wird zu viel über Sprinten und Laufen geredet, heutzutage nur noch auf Daten geschaut."

Dass Meier sein Handwerk noch versteht, hat er bei seinem famosen Comeback im letzten Bundesliga-Heimspiel gezeigt. Erst kurz vor Schluss eingewechselt, traf der Stürmer per sehenswerter Direktabnahme zum 3:1-Endstand über den HSV - und verwandelte das Stadion in ein Tollhaus. "Auch wenn ich nur vier Minuten gespielt habe, war das gar nicht so schlecht", findet der Stürmer: "Ich weiß, dass ich körperlich gut dabei bin."

"In 14 Jahren alles für die Eintracht gegeben"

Auf ihren "Fußballgott" werden die Fans künftig verzichten müssen. "Die Menschen haben mich so genommen, wie ich bin. Ehrlich, kein Spinner, ein normaler Junge, der gerne Fußball spielt", beschreibt Meier sein Verhältnis zu den Anhängern, die den im Pokalfinale nichtnominierten Stürmer bei der Siegesfeier auf dem Römer lautstark feierten. Es sei ihm unangenehm gewesen, "weil ich mit dem Sieg fast gar nix zu tun hatte".

Immer schön bescheiden – dafür haben die Fans ihren Meier abseits des schnelllebigen Fußballgeschäfts geliebt. "Die Menschen haben gemerkt, dass ich in den 14 Jahren alles gegeben habe." Im Rahmen des Supercup-Spiels gegen die Bayern soll er von der Eintracht offiziell verabschiedet werden. Gerne hätte er den Anhängern schon vorher tschüss gesagt.

"Ich komme irgendwann wieder zurück", meint der langjährige Kapitän, der einen Anschlussvertrag in Frankfurt besitzt. Ob als Jugendcoach oder Markenbotschafter – man weißt es nicht. Sicher ist, dass Meier weiter auf Torejagd gehen möchte. So wie er es in seiner langen Frankfurter Zeit getan hat. Nur künftig für einen anderen Club. Ein komisches Gefühl.