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Frederik Rönnow trägt bald den Adler auf der Brust. Bild © Imago

Auf Lukas Hradecky folgt Frederik Rönnow. Der Däne hütet in der kommenden Saison das Tor der Frankfurter Eintracht. Rönnow gilt als Top-Talent, pflegt seinen Aberglauben und eine besondere Beziehung zu seinem linken Schienbeinschoner. Eine Spurensuche.

Derzeit ist das Tor der Frankfurter Eintracht verwaist - schließlich ist in der Bundesliga Sommerpause. Lukas Hradecky ist weg, sein Nachfolger Frederik Rönnow im Anflug. Aber - was ist das eigentlich für ein Typ? Wie tickt der neue Eintracht-Keeper und was zeichnet ihn aus? Die Antworten kennt Gisle Thorsen. Er ist Sportredakteur bei der dänischen Zeitung "Ekstra Bladet" und hat das Fußballgeschehen in Kopenhagen und auch die Entwicklung von Rönnow in den vergangenen Jahren verfolgt. Im Gespräch mit dem hr-sport erzählt Thorsen, was die Eintracht-Fans von ihrem neuen Torhüter erwarten können.

hessenschau.de: Erst Esbjerg, dann Bröndby, jetzt die Eintracht. Zum dritten Mal löst Frederik Rönnow Lukas Hradecky als Torhüter bei einem Verein ab. Reist Rönnow seinem Vorbild hinterher?

Gisle Thorsen: Sicher nicht bewusst. Aber Rönnow hat seinen Job als Nachfolger von Hradecky immer sehr gut gemacht. Die Fans von Bröndby mögen ihn sehr. Aber die Beiden sind schon verschieden. Lukas Hradecky kommt eher aus sich raus, lächelt immer so verschmitzt. Frederik Rönnow ist zurückhaltend und bescheiden. Der stellt sich nicht hin und sagt: 'Ich bin hier der Beste.' Ein typischer Jütländer eben. Er produziert auch keine Schlagzeilen. Er ist unauffällig, fast ein bisschen langweilig.

hessenschau.de: Stille Wasser sind ja aber oft tief. Trifft das auch auf Rönnow zu?

Thorsen: Auf jeden Fall. Man darf ihn als Mensch nicht unterschätzen. Er ist ein intelligenter und netter Spieler.

Der dänische Nationaltorhüter Frederik Rönnow wechselt zur Eintracht.
Alles im Blick - Rönnow ist nicht nur auf der Linie stark, sondern auch ein guter Fußballer. Bild © Imago

hessenschau.de: Nett ist für einen Torhüter nicht immer das beste Attribut. Der muss auch mal dazwischen hauen und sich behaupten können. Wie tritt Rönnow auf dem Feld auf?

Thorsen: Er ist niemand, der den Strafraum mit aller Wucht beherrscht. Rönnow ist nicht wie Peter Schmeichel, der mit viel Körpersprache gespielt hat. Er macht nicht die große Show, sondern spielt und dirigiert die Abwehr auf eine ruhige, sachliche Art.

hessenschau.de: Was sind denn Rönnows größte Stärken auf dem Feld?

Thorsen: Er ist sehr reaktionsstark. Er hat Spiele mit spektakulären Paraden, ist aber auch sonst sehr zuverlässig und erlaubt sich so gut wie gar keine größeren Fehler.

hessenschau.de: Von einem modernen Torhüter wird aber auch viel in puncto Spielaufbau verlangt. Wie sind Rönnows Fähigkeiten auf diesem Gebiet?

Thorsen: Er ist ein super Fußballer und kann Bälle gut verteilen. Außerdem hat er einen sehr guten Fuß und kann auch im Eins gegen Eins sehr gut bestehen.

hessenschau.de: In der Bundesliga sind Druck und Konkurrenz wahrscheinlich ein bisschen stärker, als in der dänischen Super Liga. Wie kommt Rönnow generell mit Erwartungshaltungen klar?

Thorsen: Ganz gut. So etwas wie eine Krise hatte er bisher noch nicht wirklich. Das kann natürlich auch ein Nachteil sein. Auf jeden Fall hat er sich bei Bröndby gut entwickelt. Aber er musste sich auch nie groß durchsetzen. Er war direkt die Nummer eins und musste nie um diesen Stand kämpfen. Seitdem Alexander Zorniger Trainer bei Bröndby ist, ist auf jeden Fall im Training eine härtere Gangart angesagt. Das dürfte Rönnow in Deutschland helfen.

hessenschau.de: Klingt alles nach einem Musterprofi. Hat Rönnow denn auch Ecken und Kanten?

Thorsen: Wenn überhaupt, dann ist es so, dass er etwas abergläubisch ist. Er nimmt immer den linken Schienbeinschoner zuerst und steckt ihn in den Stutzen. Und dann ist da noch so ein Ritual: Er nimmt seine Trinkflasche nie mit ins Tor. Wenn er Durst bekommt, muss immer erst ein Betreuer von der Bank kommen und ihm die Flasche bringen.

hessenschau.de: Abschließend Ihre Einschätzung: Kann sich Rönnow bei der Eintracht durchsetzen?

Thorsen: Ich glaube, er hat die Fähigkeiten, sich in Deutschland durchzusetzen. Die Bundesliga ist der richtige Schritt für ihn. Die Frage ist nur: Wie geht er damit um, wenn er mal eine Formkrise hat? Die gab es bisher so noch nicht. Die Sprache sollte er aber schnell lernen. Die meisten Jütländer hatten Deutsch in der Schule. Und auch sonst sollte er das schnell lernen. Frederik Rönnow ist sehr anpassungsfähig.

 Das Gespräch führte Jonas Schulte (hr-sport).