Markus Krösche

Markus Krösche ist am Dienstag offiziell in seinen Job bei Eintracht Frankfurt gestartet. Die meisten Aufgaben hat er schon übernommen, die Überzeugungsarbeit beginnt für den Sportvorstand jetzt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Krösche: "Froh, ein Teil davon zu sein"

Markus Krösche
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Schon ein paar Minuten bevor die Pressekonferenz offiziell startete, hatte er Platz genommen. Der neue Sportvorstand der Frankfurter Eintracht, Markus Krösche. Er richtete sich ein, auf dem neuen Stuhl, lächelte und – war vorbereitet. Denn Krösche ist Profi, das zeigten schon seine ersten Sätze. "Eintracht Frankfurt ist ein Club, der eine Riesentradition und Strahlkraft hat", sagte er. "Ich habe die Eintracht immer intensiv verfolgt."

Oder wie Spieler sagen würden: schon immer in Eintracht-Bettwäsche geschlafen. Die Anlehnung an die Bettwäsche, sie ist bei einem Club wie den Frankfurtern der Schulterschluss mit den Fans, und so betonte Krösche, dass ihm vor allem die Europapokal-Nächte in Erinnerung geblieben seien. Und da selbstredend nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern die Fans. "Wenn ich vor dem Fernseher saß, fand ich das immer beeindruckend. Ich bin extrem froh, ein Teil davon zu sein. Das macht mich stolz."

Teamspieler und Topkandidat

Stolz ist auch die Eintracht. Das betonte Aufsichtsratsboss Philip Holzer, der schon im Vorfeld von langen Gesprächen mit dem neuen Sportvorstand berichtet hatte und dessen Vorstellung noch für einen kleinen Impulsvortrag zur Vita des Neuen nutzte. Er lobte die "Vielseitigkeit seines Lebenslaufes", dass Krösche einen Blick fürs "große Ganze" habe und Verantwortung übernehme. Alles keine ganz so schlechten Attribute für einen Sportvorstand.

Er habe sogar Krösches Abschlussarbeit gelesen, ihn "auf dem Blatt analysiert", intensiv recherchiert, und so wurde aus dem "Topkandidaten" schließlich der neue Sportvorstand. "Er ist ein absoluter Teamspieler und hat eigene Vorstellungen, für die er klar kämpft, das kann ich schon sagen", so Holzer. "Das passt gut in unser Vorstandsteam."

Nachbeben und Nachwuchs

Wer da zuletzt nicht mehr ganz so optimal reinpasste, war Krösches Vorgänger Fredi Bobic, der seine Vorstellung bei Hertha BSC nun noch einmal genutzt hat, um den Abschied von der Eintracht aus seiner Sicht zu schildern. "Von meiner Seite ist dazu alles gesagt", sagte Holzer knapp. "Für mich ist ganz klar, wir schauen in die Zukunft." Nur so viel: Der Abschied sei recht "freundlich" verlaufen. Diese Beschreibung gilt aber ja auch bei Fotoaufnahmen meist nur für einen kurzen Moment.

Langfristig aber plant die Eintracht mit Krösche - und Krösche für die Eintracht. Der neue Sportvorstand, er bemühte sich redlich, stets von "wir" zu sprechen, wann immer es um den Club ging, skizzierte seine Idee vom offensiven und attraktiven Fußball und den Wunsch, Nachwuchs- und Profibereich enger miteinander zu verzahnen. "Wir müssen die Durchlässigkeit erhöhen und so viele Jungs aus dem eigenen Nachwuchs wie es geht in unseren Reihen haben."

Silva und Kostic sollen bleiben

Jene Reihen, also die der Profis, seien eigentlich schon ziemlich gut, so der Sportvorstand. "Wir wollen sie punktuell verstärken, sodass wir unsere Ziele erreichen können." Eine zentrale Rolle könnte dabei auch André Silva spielen. Der Toptorschütze ist begehrt. "Ich bin überzeugt, dass wir eine Chance haben, dass er bei uns bleibt", sagte er. In den kommenden Tagen sollen deshalb Gespräche geführt werden – mit den Beratern und mit dem Spieler.

Und das gelte nicht nur für Silva, sondern etwa auch für Filip Kostic. "Ich werde alles probieren und versuchen, beide zu überzeugen, dass sie den Weg mit uns weitergehen. Ob mir das gelingt, wird sich zeigen." Die Betonung liegt hier auf "versuchen". Denn Versprechen vermied Krösche. Wohl auch, weil er in der Vergangenheit hatte beobachten können, wie es all jenen Frankfurter Verantwortlichen ging, die das anders handhabten.

Eine eigene Couch in Frankfurt

Stattdessen bemühte er sich nicht nur, seine Idee vom Fußball, sondern auch von Teamwork zu skizzieren. "Es ist extrem wichtig, Vertrauen zu geben", so Krösche. "Und auch einen gewissen Umgang miteinander zu haben. Dass wir Spaß und eine gute Atmosphäre haben." Jene Tugenden, die Holzer in Krösches Lebenslauf vermutlich als Soft Skills ausgemacht haben dürfte, sind wichtig für den Sportvorstand. "Ich sehe uns als Verein, als große Einheit", so der 40-Jährige. "Du schaffst nie Dinge allein."

Krösche wählte seine Worte mit Bedacht und unterschied sich dabei bisweilen gar nicht mal so sehr von all jenen, die zuletzt den Schulterschluss mit den Fans gesucht, allerdings nur allzu selten geschafft hatten. So hofft der neue Sportvorstand, "dass wir in jedem Heimspiel ein Feuerwerk abbrennen" und "die Fans begeistern".

Und seine ganz persönliche Zukunft? Die sieht Krösche natürlich am Main, weshalb er auch schon eine eigene Wohnung habe. "Auf der eigenen Couch zu sitzen, ist entspannter als im Hotel", sagte er. "Ich will hier ankommen, die Stadt kennenlernen, Frankfurter sein." Das dürften die Fans gerne hören. Und so ist für Krösche der neue Stuhl bei der Eintracht vielleicht bald so bequem wie die eigene Couch.