Krösche Mintzlaff

Markus Krösche wird neuer Sportvorstand bei der Eintracht. Die Frankfurter profitieren vom Krach bei seinem Ex-Klub Leipzig - und vielleicht bald auch beim VfL Wolfsburg.

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Audioseite Philip Holzer über Krösche: "Absoluter Volltreffer"

Holzer Krösche
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Zum Start bekommt der neue Sportvorstand gleich ein großes Kompliment: Eintrachts Aufsichtsratchef Philip Holzer nennt Markus Krösche einen "absoluten Volltreffer". Doch was zeichnet den 40-Jährigen als "Volltreffer" aus? Krösche ist auf jeden Fall ein Allrounder, der über Einblicke in alle Facetten des Geschäfts verfügt: Er verbindet sportliches und wirtschaftliches Know-how. Als Spieler absolvierte er 354 Partien für den SC Paderborn und feierte 2014 den Bundesliga-Aufstieg. Als Trainer arbeitete er als "Co" von Leverkusens Trainer Roger Schmidt, übernahm 2016 während dessen Sperre die Verantwortung an der Seitenlinie und erwarb zudem die Trainerlizenz des DFB. Neben seiner Fußballkarriere studierte er BWL und befasste sich in seiner Abschlussarbeit mit der finanziellen Situation von Fußballprofis nach der Karriere.

Nach seiner eigenen Laufbahn entschied sich Krösche für die Funktionärsebene: Als Geschäftsführer Sport beim SC Paderborn feierte er von 2017 an den Durchmarsch von der Dritten Liga in die Bundesliga. 2019 wechselte er als Sportdirektor zu RB Leipzig - mit dem Klub stand er im vergangenen Jahr sogar im Halbfinale der Champions League. Krösche holte internationale Toptalente wie Angelino oder Dani Olmo zum Verein, auch für den Sommer hat Krösche bereits Leipziger Transfers wie jenen vom Innenverteidiger Josko Gvardiol getätigt. Vor diesem Hintergrund erscheint es ungewöhnlich, warum er genau jetzt die Leipziger verlässt.

Großer Krach zwischen Mintzlaff und Krösche

In Leipzig, so heißt es, hätten sich die Verantwortlichen noch mehr internationale Verbindungen von Krösche gewünscht. Außerdem soll der Sportdirektor in ihren Augen den Abgang von Timo Werner im Sturm nicht adäquat aufgefangen haben. Bereits im August 2020 stellte RB seine sportliche Führung neu auf: Christopher Vivell wurde Technischer Direktor, Florian Scholz der neue Kaufmännische Leiter.

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Audioseite hr1 heimspiel-Talk über Markus Krösche

Markus Krösche
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Leipzig verkaufte die beiden neuen Personen im Führungszirkel als Unterstützung für Sportdirektor Krösche, nicht wenige sahen darin aber eine Beschneidung von dessen Gestaltungsspielraum. Die unterschiedlichen Auffassungen über die sportliche Marschroute und die Kompetenzen sollen den Vorstandsvorsitzenden Oliver Mintzlaff und Krösche entzweit haben.

Auch Schalke klopft bei Krösche an

Diese Differenzen wurden spätestens im Frühjahr zu einem offenen Geheimnis in der Branche. Dem Vernehmen nach klopfte deswegen der FC Schalke 04 bei Krösche an - als potenziellen Nachfolger für den geschassten Sportvorstand Jochen Schneider. Der hatte schon zwei Jahre zuvor vergeblich versucht, Krösche nach Gelsenkirchen zu locken.

Ende März berichtete "Sport1" dann, dass der Name Krösche auch bei der Eintracht als Nachfolger für Fredi Bobic diskutiert werde. Gleichzeitig gab es Spekulationen um Hendrik Almstadt vom AC Mailand, den Frankfurts Aufsichtsratschef Philip Holzer aus gemeinsamen Tagen in der Finanzbranche kennt. Zu Gesprächen kam es allerdings damals nicht; Almstadt soll nach hr-Informationen ohnehin entschieden haben, in Mailand zu bleiben. Mit Ralf Rangnick führte die Eintracht in der Folge zwar sehr wohl Gespräche, doch schon zuvor soll es innerhalb des Aufsichtsrates erhebliche Zweifel an einem Engagement Rangnicks gegeben haben. Auch das Interesse der Hessen an Bastian Schweinsteiger, Michael Reschke oder anderen namhaften Funktionären war nie so konkret wie berichtet.

Nagelsmann-Entscheidung führt zum Bruch

Die Liaison zwischen der Eintracht und Krösche hingegegen wurde in der vergangenen Woche konkreter. So berichteten mehrere Medien, dass der Abgang von Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann ein Grund für Krösches Ende gewesen sei. Im Gegensatz zu Mintzlaff wollte Krösche den Trainer trotz der hohen Ablöse aus München halten. So sagte er noch sechs Tage vor der verkündeten Trennung von Leipzig gegenüber "Sky": "Es macht keinen Sinn, Ablösesummen oder Preisschilder zu vergeben. Julian hat einen langfristigen Vertrag und eine sehr gute Mannschaft."

Für Mintzlaff ergab es offensichtlich sehr wohl Sinn. Er ließ Krösche Berichten zufolge bei den Verhandlungen mit den Bayern komplett außen vor. Am vergangenen Wochenende sollen die Leipziger dann ihr Plazet für einen Wechsel von Nagelsmann gegeben haben. Am Montag veröffentlichten sie gleich die einvernehmliche Trennung mit Krösche - wohlgemerkt mit dem Hinweis auf "intensive Gespräche". Kurz danach machten sie auch Nagelsmanns Wechsel publik. Mintzlaff erklärte beharrlich, dass beide Personalien nichts miteinander zu tun gehabt hätten. Die unausgesprochene Erklärung: Die Risse vor dem großen Bruch waren ohnehin schon tief genug.

Auch in Wolfsburg gibt es Streit - zum Wohle der Eintracht?

Markus Krösche beginnt offiziell erst am 1. Juni in Frankfurt - und er kommt ablösefrei, weil der Vertrag bei RB datiert auf Ende Mai aufgelöst wurde. Aber schon vorher wird er in die wichtige Entscheidung über den neuen Frankfurter Trainer eingebunden sein. Seine Spielphilosophie ähnelt jener der Eintracht, proaktiv und nach vorne gerichtet. "Seine Art, wie er über Trainer denkt, passt ideal zu uns", sagt Eintrachts Aufsichtsratchef Holzer. Selbst beim SC Paderborn wählte Krösche in Steffen Baumgart einen offensiv ausgerichteten Coach aus. Baumgart ist zwar ab Sommer vereinslos, zu den ernsthaften Kandidaten für das Frankfurter Traineramt zählen aber andere.

Mit Eindhovens Roger Schmidt hat Krösche zusammen gespielt und als Trainer zusammen gearbeitet - doch Schmidt teilte am Freitag mit, dass er in den Niederlanden bleiben wolle. Aussichtsreicher Kandidat scheint nun Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg zu sein, der mit seinem Team derzeit auf Rang drei steht. Er kann den VfL jedoch Medienberichten zufolge für eine Ausstiegsklausel verlassen - und scheint einem Weggang gegenüber nicht abgeneigt zu sein. Das Verhältnis zwischen Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Glasner gilt seit vergangenem Herbst als sehr angespannt. Damals hatte sich der Trainer über die Transferpolitik mokiert. Die Eintracht könnte also auch in der Trainerfrage vom Streit bei einem Konkurrenten profitieren. Und in allergrößter Not hat Markus Krösche ja noch selbst eine Lizenz als Trainer.

Sendung: hr1, 01.05.2021, 14 Uhr