Krösche Paderborn

Paderborns Geschäftsführer Martin Hornberger hat Markus Krösche, den neuen Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, als Spieler und Funktionär erlebt. Im Interview erzählt er von Krösches Arbeit und seinem besonderen Song.

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Audioseite Hornberger: "Was Markus Krösche anpackte, wurde zu Gold"

Martin Hornberger
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Martin Hornberger ist seit 2002 beim SC Paderborn in unterschiedlichen Funktionen aktiv. Er erlebte Markus Krösche als Spieler und Kollegen in der Geschäftsführung. Beide feierten zusammen mehrere Aufstiege. Im Interview spricht er auch über Krösches Autofirma und einen besonderen Flipchart.

hessenschau.de: Martin Hornberger, wie würden Sie den Fußballer Markus Krösche beschreiben?

Martin Hornberger: Markus war ein Kämpfer. Er hat sich immer schon engagiert, da hat er sicherlich sehr viele Freunde gewonnen. Markus war früh Kapitän und wollte Führung übernehmen. Er war für den Zusammenhalt sehr wertvoll und hat sich auch gegenüber dem Vereinsvorstand für das Team eingesetzt. Er war nicht immer ein einfacher Gesprächspartner, weil er klare Ziele hatte. So hat er aber für die Mannschaften das Beste rausgeholt.

hessenschau.de: Worum ging es dabei?

Martin Hornberger: Es ging um Prämien, Mannschaftsfahrten nach der Saison oder die Weihnachtsfeiern, da hatte er immer klare Vorstellungen. Er konnte sehr gut mit unserem leider verstorbenen Präsidenten Wilfried Finke, der mit der Zeit zu seinem väterlichen Freund geworden ist.

hessenschau.de: Erst Krösche soll Finke überhaupt zum Weitermachen bewogen haben.

Martin Hornberger: Markus ist jemand, der gerade dann überzeugen kann, wenn es schwierig wird. Er hat 2017 Steffen Baumgart als Trainer geholt, wir waren für wenige Wochen Regionalligist und sind wieder zurückgekommen. Markus hat immer deutlich gemacht: Wer klug investiert, bekommt das als Erfolg zurückbezahlt. So sind wir bis in die Bundesliga durchmarschiert.

hessenschau.de: Nicht wenige Wegbegleiter bezeichnen ihn als "Menschenfänger". Trifft die Umschreibung zu?

Martin Hornberger: Markus Krösche ist eine Lichtgestalt im Paderborner Fußball. Alles, was er angepackt hat, wurde zu Gold. Er ist professionell und kompetent, hat sich sehr viel angeeignet. Er ist ein echter Familientyp – im privaten wie im beruflichen Bereich. Wir sind ein kleiner, aber feiner Verein, wie eine Familie – da passte er sehr gut rein. Er konnte überzeugen, dabei ist er nie laut gewesen. Er hat lieber im Stillen geplant und nachher nach außen überrascht.

hessenschau.de: So soll es bei einem Flipchart gewesen sein, auf dem er den Durchmarsch der Paderborner vorausgesagt hatte.

Martin Hornberger: Zum Ende der Aufstiegssaison 2018/19 tauchte ein Flipchart vom August 2018 auf, auf dem Rang zwei als Endplatzierung stand. Das Ziel des Durchmarsches war bei ihm und dem Trainerstab tatsächlich sehr früh vorhanden – ohne es nach außen zu tragen.

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hessenschau.de: Wie arbeitet er als Funktionär?

Martin Hornberger: Sehr konzeptionell, er kann mit Gremien sehr gut umgehen und hat sein Team und die engsten Mitarbeiter sehr gut mitgenommen. Markus hat seine Angestellten gefördert und gefordert, seine engsten Vertrauten sollten sich immer weiterentwickeln.

hessenschau.de: Zu seiner Zeit als Spieler studierte er BWL und gründete eine Autoleasing-Firma. Das klingt sehr ungewöhnlich für einen Profi.

Martin Hornberger: Er hat ein Duales Studium absolviert und wusste schnell, wie es außerhalb des Platzes aussieht. So hat er auch eine Autoleasing-Firma gegründet, die er jetzt nicht mehr selbst führt. Dadurch bekam er aber ganz früh eine Vernetzung in der Bundesliga. Auch durch das Studium war er ein Spieler, der auf hohem Niveau über Vereinsabläufe Bescheid wusste und somit mitdiskutieren konnte. Er hat im richtigen Moment seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt, als wir 2014 in die Bundesliga aufgestiegen sind. Markus hat gewusst, welchen Weg er gehen wollte. Er war dann U23-Trainer und ist mit seinem früheren Mitspieler Roger Schmidt nach Leverkusen gegangen, hat seinen Fußballehrer gemacht und war dadurch sehr breit aufgestellt.

hessenschau.de: Wie sieht seine Fußballphilosophie aus?

Martin Hornberger: Offensiven, torintensiven Fußball zu spielen – diese Spielidee beim SCP geht auf seine Initiative zurück. Mit dieser grundlegenden Philosophie gewann er das Vertrauen vieler junger Spieler. Wir haben vorwiegend Spieler aus der Regionalliga oder der Dritten Liga geholt, die ihren Weg gegangen sind – das Vertrauen hat sie angespornt.

hessenschau.de: Er selbst sagte einmal, dass er bei Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen in der ersten Stunde fast gar nicht über Fußball spreche, um den Charakter besser kennenzulernen. Haben Sie das auch erlebt?

Martin Hornberger: Markus schafft es, den Menschen hinter dem Spieler zu erkennen. Da ist es egal, ob es um Regionalliga oder Champions League geht. Ein gutes Beispiel ist Christopher Antwi-Adjei, der vom Regionalliga-Absteiger Sprockhövel zu uns kam und sich prächtig entwickelt hat.

hessenschau.de: Krösches Wirken in Paderborn scheint von großer Harmonie geprägt gewesen zu sein. Warum, glauben Sie, gab es zuletzt diese Reibungen in Leipzig?

Martin Hornberger: Das kann ich nicht beurteilen. Uns freut es einfach, dass er bei der Eintracht ist und seine Karriere dort fortsetzt.

hessenschau.de: Welche besondere Erinnerung haben Sie noch an Markus Krösche in Paderborn?

Martin Hornberger: Er hat nicht viele Tore geschossen, dann aber wichtige. Durch seine Rückennummer 18 hatte er das Torlied "Heute fährt die 18 bis nach Istanbul". Daran muss ich noch denken. Markus steht mitten im Leben und kann gut feiern.

hessenschau.de: Wenn er also zum Einstand bei der Eintracht singen muss, würden Sie dieses Lied empfehlen?

Martin Hornberger: (lacht) Ich bin mir sicher, dass er den Text noch nicht verlernt hat.

Das Gespräch führte Ron Ulrich.