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Zwei Jahre nach seiner "Vollidioten"-Kritik geht Neuzugang Stefan Ilsanker mit den Fans der Frankfurter Eintracht auf Schmusekurs. Überhaupt fühlt sich der Österreicher schon nach wenigen Tagen in Hessen rundum wohl.

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zum Video Pressekonferenz: Ilsanker stellt sich bei Eintracht Frankfurt vor

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Da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht. Charmant, witzig und mit reichlich Lob für seinen neuen Arbeitgeber stellte sich Neuzugang Stefan Ilsanker am Mittwoch offiziell bei der Frankfurter Eintracht vor. "Ich freue mich, dass ich da sein darf", sagte der 30-Jährige, der am vergangenen Freitag auf den letzten Winterwechsel-Drücker von RB Leipzig verpflichtet worden war und am Samstag beim 1:1 in Düsseldorf bereits sein Debüt für den Bundesligisten bestritt.

Seine ersten Eindrücke: Ein herzlicher Empfang seiner neuen Kollegen, die er schnellstmöglich zum privaten Mannschaftsabend einladen möchte. Dazu die ersten Schulterklopfer beim Sightseeing in der neuen hessischen Heimat. Und zu guter Letzt der beeindruckende 3:1-Sieg der Frankfurter am Dienstagabend ausgerechnet gegen Ex-Club Leipzig, bei dem der Österreicher klauselbedingt zum Zuschauen verdammt war.

"Auf der richtigen Seite"

Ilsanker, der einen Vertrag bis 2022 unterschrieb, nutzte seinen ungewohnten Tribünenplatz, um neben dem kurzweiligen Spiel auch die Atmosphäre im Stadion endlich mal genießen zu können. "Es war schon geil, mal auf der richtigen Seite stehen zu dürfen", freute sich der defensive Mittelfeldspieler. Als Gegenspieler habe man diese Stimmung in Frankfurt eher gefürchtet. "Die Jungs sind unglaublich laut - es gibt weltweit nicht viel lautere Stadien", lobte der "Ilse", wie ihn alle nennen, überschwänglich.

Mit seinen Äußerungen wollte der clevere Österreicher freilich auch umgehend alte Wunden kitten, nachdem er im Februar 2018 Teile der Eintracht-Fans wegen deren Protestaktion gegen Montagsspiele noch als Vollidioten bezeichnet hatte. "Saublöde Aussagen", findet Ilsanker heute, wie er bereits bei Instagram entschuldigend kundtat. Schwamm drüber.

Spielpraxis für die EM

Sportlich will der Neuzugang, der nach viereinhalb Jahren in Leipzig zuletzt nicht mehr über die Reservistenrolle hinauskam, endlich wieder regelmäßig auf dem Platz stehen. "Es ist mir wichtig, dass ich viel Spielpraxis bekomme bis zum Sommer", sagte Ilsanker mit Blick auf die anstehende Europameisterschaft.

Unter ÖFB-Trainer Franco Foda war Ilsanker trotz seiner schwierigen Zeit in Leipzig bis zuletzt gesetzt. Dieses Vertrauen will er nun mit starken Leistungen in Frankfurt zurückzahlen und hofft dabei auch auf seinen alten Spezi Adi Hütter. Mit dem heutigen Eintracht-Coach spielte und trainierte der 30-Jährige schon gemeinsam in Salzburg. "Er war durch und durch Profi - immer hungrig auf Erfolge. Da wollte man sich viel abschauen", schwärmte Ilsanker, dessen Vater ebenfalls schon mit Hütter zusammenspielte, über seinen alten, neuen Coach.

Mister 100 Prozent

In Hütters neuem 4-3-3- oder 4-2-3-1-System könnte Ilsanker die Rolle des zentralen Sechsers einnehmen und in die Fußstapfen des verletzten Vorkämpfers Gelson Fernandes schlüpfen. "Ich werde immer alles reinwerfen, was ich habe. Von mir wird man immer 100 Prozent Einsatz kriegen", versprach "Ilse", der mit Landsmann Martin Hinteregger einen weiteren engen Vertrauten in der Mannschaft hat.

Richtig anfangen mit dem Fighten würde Ilsanker am liebsten schon im Heimspiel am Freitag (20.30 Uhr) gegen den FC Augsburg. Einen simplen Matchplan für die Partie gegen den Frankfurter Angstgegner hat der Neuzugang ebenfalls schon parat: "Ein frühes Tor und dann noch ein weiteres", flachste er. Klappt das nicht, müssten zur Not eben wieder die Fans die Mannschaft zum Sieg schreien. Für Ilsanker wäre es ein reiner Genuss.