Oliver Glasner mit Wolfsburg in Frankfurt

Am Dienstag hat Oliver Glasner seinen ersten Arbeitstag als neuer Trainer von Eintracht Frankfurt. Viele Spieler werden noch fehlen, einige Überraschungen könnten diese Lücken schließen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Oliver Glasner startet bei der Eintracht

Oliver Glasner bei VfL Wolfsburg
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Der erste Arbeitstag im Leben eines Bundesliga-Trainers ist wahrscheinlich einer der schönsten, sicher aber einer der sorgenfreisten. So wird es auch bei Oliver Glasner sein, wenn er am Dienstag erstmals als Eintracht-Trainer den frisch renovierten Raum der Pressekonferenz im Frankfurter Stadion betritt. Dort wird er nach dem langwierigen Corona-Lockdown echte Journalistinnen und Journalisten vorfinden. Genau 25, mehr lässt der Hygieneplan nicht zu.

Die Fragen an Glasner werden an seinem ersten Arbeitstag vermutlich nicht ganz so kritisch sein. Danach gehts für ein paar nette Bilder ins Stadion. Das war es. Gut vorbereitet ist Glasner auf seine erste Eintracht-Pressekonferenz. Nach einem kurzen Urlaub mit Ehefrau Bettina schaltete der 46-Jährige schon sehr schnell in den Eintracht-Modus.

Gleich ein paarmal schaute er in den vergangenen Wochen im Frankfurter Stadion vorbei, unterhielt sich mit verschiedenen Funktionsträgern der Eintracht. Auch Glasner weiß natürlich, dass die Mannschaft, die sich am Dienstag und Mittwoch zu den Leistungstests und am Donnerstag zum Auftakt-Training einfinden wird, nicht das Team ist, mit dem er im August in die Liga starten wird. Bis zum Samstag sind fünf bis sechs Trainingseinheiten geplant.

Trainings-Start ohne eine komplette Elf

Eintracht-Torjäger André Silva wird zum Beispiel fehlen, auch wenn das frühe Ausscheiden der portugiesischen Mannschaft bei der Fußball-EM der Eintracht in die Karten spielt. Doch dem 25-Jährigen Stürmer stehen gut zwei Wochen Urlaub zu, ab Mitte Juli wird Silva in Frankfurt zurückerwartet. Das gleiche gilt für die Österreicher Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker.

Doch die drei sind nicht die einzigen Spieler, die Glasner erst einmal nicht zu Gesicht bekommt. Mit Kevin Trapp, Djibril Sow, Steven Zuber und Frederik Rönnow sind noch vier weitere Profis bei der EM im Einsatz. Je nach Abschneiden ihrer Teams werden sie erst Mitte bis Ende Juli zur Mannschaft stoßen. Aymen Barkok und Dejan Joveljic, die ebenfalls für ihre Nationalmannschaften im Einsatz waren, kommen bereits am 5. Juli, Ajdin Hrustic und Daichi Kamada eine Woche später, am 12. Juli.

Dass einer der Spätheimkehrer vielleicht gar nicht mehr kommt, damit rechnet bei der Eintracht keiner, auch wenn es immer wieder Medienberichte über einen möglichen Wechsel von Kamada, Silva oder Kostic gibt. Doch wirklich konkrete Meldungen gibt es nicht. Dass sich daran etwas ändern könnte, damit rechnen die Verantwortlichen frühestens Ende Juli, eher im August. Aktuell arbeitet Sportvorstand Markus Krösche in Gesprächen mit den Beratern der Spieler daran, dass die Top-Stars möglicherweise gar nicht gehen.

Neue Chancen für Zuber, da Costa, Zalazar und Joveljic?

Glasner wird am Donnerstag auch vier Spieler begrüßen, die noch nicht für die Eintracht gespielt haben. Die Neuzugänge: Torwart Diant Ramaj aus Heidenheim, Linksverteidiger Christopher Lenz von Union Berlin und die Stürmer Ali Akman von Bursaspor und Fabio Blanco Gomez vom FC Valencia. Dazu kommen zahlreiche Profis, die bei der Eintracht ihre zweite oder dritte Chance nutzen wollen.

Der offensive Mittelfeldspieler Rodrigo Zalazar, der bei seinem Ausleihverein FC St. Pauli eine überragende Saison ablieferte und daran - genau wie Stürmer Joveljic - bei der Eintracht jetzt anknüpfen will. Joveljic hat bei seinem Leihverein Wolfsberger AC in der vergangenen Spielzeit 18 Tore geschossen und war damit auf Rang zwei der österreichischen Torschützenliste gelandet. Andere, wie Flügelspieler Danny da Costa und Steven Zuber sowie Stürmer Goncalo Paciencia, wollen wieder oder endlich den Durchbruch schaffen.

Glasner wird da Costa, der abermals von Mainz 05 umworben wird, wieder eine Chance geben. Weil sein Verhältnis zum alten Übungsleiter Adi Hütter nachhaltig gestört war, war da Costa im vergangenen Winter leihweise nach Mainz gewechselt. Zuber peilt nach seinen bislang guten EM-Leistungen mit der Schweizer Nationalmannschaft nun auch eine gewichtigere Rolle in Frankfurt an. Das von Glasner favorisierte Spielsystem mit einer Vierer-Abwehrkette könnte Zuber dabei entgegenkommen. Bliebe Paciencia, der in der Sommerpause ein hartes Trainingsprogramm abgespult hat. Auch er will bei der Eintracht nochmal angreifen.

Glasner: Akibischer Arbeiter statt Plaudertasche

Trainer Glasner hat schon jetzt einen positiven Eindruck hinterlassen bei der Eintracht. Seine fokussierte Art hat seine Ansprechpartner überzeugt. Glasner arbeite äußerst strukturiert und akribisch, erinnert in seiner Arbeitsweise an die seines Trainer-Vor-Vorgängers Niko Kovac. Viele Dinge rund um die Mannschaft, die Kovac wichtig waren, scheinen auch Glasner wichtig zu sein.

Eines sollten die Fans und die Journalistinnen und Journalisten am Dienstag bei der Antritts-Pressekonferenz von Glasner allerdings nicht erwarten: eine Plaudertasche. Der 46 Jahre alte Trainer ist auch auf Pressekonferenzen eher zurückhaltend und kein Freund ellenlanger Ausführungen. Wobei er voraussichtlich gute Laune haben wird. Die erste Pressekonferenz ist - wie gesagt - meist die einfachste für einen Bundesliga-Trainer. Außerdem scheint sich Glasner bei der Eintracht wohl zu fühlen. Zumindest haben seine bisherigen Ansprechpartner in Frankfurt genau diesen Eindruck.