David Abraham von Eintracht Frankfurt ist frustriert

Eintracht Frankfurt zeigt gegen Guimaraes eine erschreckende Leistung und darf nur dank Londoner Hilfe in der Europa League überwintern. Die Mannschaft wirkt gereizt und hilflos, Freude kommt nicht auf. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt zieht trotz einer blamablen 2:3-Niederlage gegen Tabellen-Schlusslicht Vitoria Guimaraes und dank des FC Arsenal in die K.o.-Runde der Europa League ein. Die Tore für die Eintracht erzielten Danny da Costa (31. Minute) und Daichi Kamada (38.), für die Gäste trafen Rochinha (8.), Al Musrati (85.) und Marcus Edwards (87.).

1. Ein Dank an den FC Arsenal

Das Wichtigste vorneweg: Eintracht Frankfurt beendet die Gruppe F als Tabellenzweiter und überwintert in der Europa League. Das Ticket für das Ende Februar (20./27.) stattfindende Sechzehntelfinale haben die Hessen letztlich aber nur dem FC Arsenal zu verdanken, der im Parallelspiel bei Standard Lüttich einen Zwei-Tore-Rückstand drehte und die Belgier durch das 2:2 aus dem Wettbewerb kegelte.

"Ich wusste nicht, wie es bei dem anderen Spiel steht und bin davon ausgegangen, dass es nicht gereicht hat", fasste Torschütze da Costa das Frankfurter Gefühlschaos nach Abpfiff zusammen. Klarheit brachten erst die besser informierten Spieler auf der Reservebank und die Sprechchöre der Fans, für eine erheblich bessere Stimmung sorgten jedoch auch die positiven Nachrichten vom Einzug in die nächste Runde nicht. "Es hat mich nicht interessiert, weil ich extrem angepisst war. Arsenal hat uns den Arsch gerettet."

2. Es krankt weiter in der Offensive

Einer der Hauptgründe für die schlechte Laune von da Costa, die er mit seinen Teamkollegen und Trainer Adi Hütter teilte, war der erneut zu ideenlose Angriff. Mit Goncalo Paciencia, André Silva und Daichi Kamada standen zwar die drei offensivstärksten Frankfurter Profis auf dem Platz, die Post-Büffelherden-Ära bleibt dennoch ein offensives Ärgernis. Selbst gegen die Gäste aus Guimaraes, die im Vergleich zum Hinspiel sieben Wechsel vorgenommen hatten und lediglich mit einer besseren B-Elf antraten, fiel der Eintracht nach vorne nichts ein.

Kein Tempo, kein Spielwitz, keine Tiefe. Dafür wieder einmal Flanken ins Nichts, schlecht ausgespielte Konter und das ständige Hoffen auf einen Geistesblitz von Filip Kostic. Das letztjährige Prunkstück des Frankfurter Spiels ist endgültig zum Sorgenkind mutiert, die Durststrecke ohne Stürmer-Tor hält nun schon sieben Spiele in Folge an. "Wir konnten uns erneut nicht durchsetzen", analysierte Hütter knapp. Man hätte es auch drastischer formulieren können.

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3. Eine zweite Halbzeit zum Vergessen

Dass die Eintracht dennoch mit einer Führung in die Halbzeit ging, verdankte sie einem kapitalen Patzer von Gäste-Keeper Miguel Silva und dem einzig gut herausgespielten Angriff über Kostic und Kamada. Statt dann jedoch auf das dritte Tor und die Entscheidung zu drängen, verließ die Eintracht nach Wiederanpfiff komplett der Mut. Die Hessen überließen dem munter mitspielenden Tabellenletzten Ball und Räume, eine Entlastung fand quasi nicht mehr statt.

"Ich ärgere mich über das Spiel und bin sehr enttäuscht. Die zweite Hälfte war sehr, sehr schwach", konnte sich auch Routinier Makoto Hasebe nicht über das Ticket für die K.o.-Phase freuen. Da selbst das letzte verbliebene Faustpfand der vergangenen Wochen – der unermüdliche Einsatz – irgendwann abhanden kam, wurden die Portugiesen letztlich für ihren größeren Siegeswillen belohnt. Die beiden Tore in der Schlussphase fielen glücklich, unverdient waren sie nicht. "Wir haben zu wenig Mentalität gezeigt", urteilte Hasebe. In einem solch wichtigen Spiel gleicht diese Aussage einer Bankrotterklärung.

4. Initialzündung – aber wohin?

Und so überwog am Ende eines seltsamen Abends ganz klar die Enttäuschung. Die erhoffte Initialzündung für die verbleibenden drei Bundesliga-Spiele gegen Schalke, Köln und Paderborn blieb aus. Obwohl das große Ziel, auch im kommenden Jahr auf der europäischen Bühne unterwegs zu sein, erreicht wurde, sind die Fragezeichen eher größer als kleiner geworden. Wieso wurde der frühzeitig erkennbare Abgang von Sébastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic nicht ansatzweise adäquat ersetzt? Was ist die Idee in der Offensive? Wann und wo ist die Magie verlorengegangen?

"Wir befinden uns in einer schwierigen Phase", gab Hütter auf der Pressekonferenz zu. "Als Trainer muss ich Lösungen suchen und finden, um da rauszukommen." Wie genau diese aussehen könnten, ließ er genauso offen wie die durch die Bank selbstkritischen Spieler. "Wir müssen darüber reden. Es muss viel besser werden", forderte da Costa. Wie genau, scheint jedoch niemand zu wissen. Bei der Eintracht macht sich zunehmend Rat- und Hilflosigkeit breit.

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5. Es warten prominente Gegner

Bei allem Frust sollte jedoch auch nicht vergessen werden, dass die Hessen im kommenden Jahr mindestens zwei weitere Spiele auf europäischem Terrain bestreiten dürfen und dabei auf durchaus attraktive Gegner treffen könnten. Durch das Abrutschen auf Rang zwei warten unter anderem die Champions-League-Absteiger Ajax Amsterdam oder RB Salzburg, die beiden guten Bekannten aus dem vergangenen Jahr Benfica Lissabon und Inter Mailand oder Top-Adressen wie Celtic Glasgow und Manchester United.

Allesamt Reisen und Duelle, die wieder für deutlich hellere Mienen in Frankfurt sorgen könnten. "Momentan kann ich mich da noch nicht drauf freuen", so da Costa. "Aber wir können morgen nochmal drüber sprechen, vielleicht sieht es dann wieder anders aus."

Sendung: tagesthemen, das Erste, 22.15 Uhr, 12.12.2019