FC Vaduz Stadion
So schön ist es in Vaduz. Bild © Imago Images

Einen Lothar Matthäus als Trainer, einen alten Bekannten von Adi Hütter als Spielmacher und keine Chance, je Meister zu werden: Das ist Eintracht Frankfurts nächster Quali-Gegner FC Vaduz.

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Thomas Stickroth

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ex-Vaduz-Trainer Stickroth im hr1-Interview

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Eintracht Frankfurt trifft in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League auf den FC Vaduz aus Liechtenstein. Ein Portrait.

Der Verein

47-maliger Pokalsieger, aber kein einziges Mal Meister? Die Bilanz des FC Vaduz klingt wie eine Liechtensteiner Alptraum-Version von Bayer Leverkusen, ist aber der einfachen Tatsache geschuldet, dass das kleine Fürstentum als einziger Mitgliedsverband der Uefa keine eigene Meisterschaft ausspielt, sondern lediglich einen Pokal. Bei nur sieben Vereinen und 1.700 aktiven Fußballern nachvollziehbar.

Für den FC Vaduz wie auch die anderen Liechtensteiner Vereine hat das zur Folge, dass sie am Spielbetreib des Schweizer Verbandes teilnehmen. Dort war der FC Vaduz 2001 der erste Liechtensteiner Club, der es bis in die erste Liga schaffte. Seit dem Abstieg 2017 heißt der Alltag wieder zweite Liga. Zumindest was die Aussicht auf eine Meisterschaft oder die Qualifikation zum Europacup angeht, dürfte das den Vaduzern aber herzlich egal sein.

Für die Clubs aus dem Fürstentum gibt es eine Sonderregel, die den Titel ausschließlich Schweizer Mannschaften zuschreibt, selbst wenn ein Verein aus Liechtenstein die Saison auf Rang eins der Tabelle abschließen sollte. Auch ist es den Liechtensteiner Clubs nicht möglich, sich über die Liga für die europäischen Wettbewerbe zu qualifizieren. Vaduz schaffte das über den Pokalsieg.

Die Mannschaft

Stars sucht man bei Vaduz vergebens, prägende Spieler gibt es dennoch. Dreh- und Angelpunkt ist Milan Gajic. Der 32-jährige Gajic ist laut Ex-Bundesligaprofi Thomas Stickroth, der beim FC Vaduz zwischen 2017 und 2018 als Co- bzw. Interimstrainer fungierte "ein klasse Linksfuß und genialer Passgeber, der brutal starke Standards schießt und auch die nötige Erfahrung hat." Gajic "hat viele Jahre Super League gespielt und eine außergewöhnliche Klasse und Reife", so Stickroth weiter. Auch für Eintracht-Trainer Adi Hütter ist Gajic kein Unbekannter. Hütter trainierte den Serben bis 2017 bei Young Boys Bern.

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Neben Routinier Gajic erwartet die Eintracht eine junge, hungrige Mannschaft, in der sich in Person von Sandro Wieser sogar 28 Minuten Bundesligaerfahrung finden. Der Innenverteidiger kickte zwischen 2012 und 2015 für die TSG Hoffenheim, zu seinem einzigen Bundesligaeinsatz kam Wieser 2012 beim, autsch, 1:7 gegen den FC Bayern München.

Allenfalls totalen Fußball-Nerds dürfte der Name Pius Dorn etwas sagen. Der einzige Deutsche im Kader stammt aus der Jugend des SC Freiburg, mit dem er 2014 deutscher A-Jugend-Pokalsieger wurde. "Alles ehrgeizige Jungs, die Fußball spielen können", so Stickroth.

Der Trainer

Als Spieler war Mario Frick eine echte Hausnummer. Zumindest für Liechtensteiner Verhältnisse. Er gilt mit über 600 Profispielen (mehr als 100 davon in der italienischen Serie A) und 140 Toren als erfolgreichster Liechtensteiner Fußballer überhaupt. Lange war Frick mit 125 Länderspielen auch Rekordnationalspieler. Dass er dabei 100 Pleiten einstecken mussten, konnte nichts daran ändern, dass Frick sich selbst schon als "Lothar Matthäus Liechtensteins" bezeichnete.

Als Spieler war Frick nicht eben pflegeleicht, auf seiner Homepage bewertete er während seiner aktiven Karriere seine Trainer – und das relativ schonungslos. Ab 2012 ließ er seine Laufbahn als Spielertrainer beim FC Balzers austrudeln, nach Stationen in den U-Mannschaften des Verbandes ist Frick seit 2018 nun Cheftrainer in Vaduz. Als erster liechtensteinischer Coach des FC seit 1989.

Taktisch ist Frick, den sein ehemaliger Assistent Stickroth einen "tollen Trainer" nennt, schwer ausrechenbar. In den 40 Spielen, die Vaduz unter seiner Anleitung bislang bestritt, war vom 4-4-2 mit Raute über das 4-1-4-1 bis hin zum 4-3-3 bereits alles dabei. In der EL-Quali ließ Frick sowohl gegen Breidablik als auch gegen Fehervar allerdings im 3-4-2-1 spielen. Vielleicht ein Fingerzeig für das Spiel gegen die Hessen.

Das Stadion

Während man im Frankfurter Waldstadion bei Europacup-Spielen eher Ohrenschützer braucht, geht es in Vaduz sehr viel beschaulicher zu. Insgesamt 7.838 Zuschauer passen ins Rheinparkstadion, dessen Kapazität sich bei internationalen Spielen nochmals auf 6.127 Plätze reduziert. Zu Ligaspielen kommen im Schnitt 1.452 Fans, gegen die Eintracht dürfte das Stadion dank der zahlreichen reisefreudigen Eintracht-Fans ausverkauft sein. Diese können sich auf ein malerisches Bergpanorama direkt am Rhein freuen.