Ante Rebic jubelt in Stuttgart

Eintracht Frankfurts verlorener Sohn Ante Rebic könnte zum Verein zurückkommen. Er wäre genau der Spieler, den die Eintracht braucht. Denn er könnte den Klub sportlich und emotional wachrütteln.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht Frankfurt: Von Wölfen und Büffeln

Hütter umarmt Rebic
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Gut möglich, dass sie ihn in Italien gar nicht erkannt haben. Breit grinsend sitzt er da, den Arm leger um seinen Kumpel Mijat Gacinovic gelegt, den Blick hoffnungsfroh in die Kamera, inmitten seiner ehemaligen Teamkameraden beim gemütlichen Zusammensein in einem Frankfurter Restaurant. Ante Rebic, der verlorene Frankfurter Sohn, wirkt auf dem Foto, das am Dienstag in den Sozialen Netzwerken kursierte, glücklich und entspannt. In Italien, bei seinem bislang ganz und gar desaströsen Engagement  beim AC Mailand, kennen sie den Kroaten so nicht. Spielen darf er kaum, meist sitzt er auf der Bank und dort gehen seine Mundwinkel eher nach unten. Wäre er mal lieber in Frankfurt geblieben.  

Genau dort, in einem hessischen Fußballwinter, der kälter, grauer und trister kaum sein könnte, genügte das Foto, um die Herzen der Frankfurter Fußballfans ein wenig zu wärmen. Was freilich an den damit einhergehenden Gerüchten lag, Rebic, Pokalheld und Publikumsliebling a.D. gleichermaßen, könne womöglich vorzeitig von seiner zweijährigen Leihe zur  Eintracht zurückkehren. Rebic und die Eintracht, das war in den vergangenen drei Jahren eine außergewöhnliche Verbindung. Und liest man zwischen den Zeilen der bemerkenswert offenherzigen Pressekonferenz von Eintracht-Trainer Adi Hütter, könnte sie demnächst sehr unverhofft wieder aufleben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter über Rebic: "Dann schauen wir mal, wie es ausschaut..."

Adi Hütter
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Wucht und Wut als Teil seines Spiels

Das wäre nicht weniger als ein Coup. Der Kroate ist zwar nicht eben geräuschlos gegangen, sonderlich viel verbrannte Erde scheint er aber nicht hinterlassen zu haben, deutet man sein Bild im Kreise der Mannschaft und auch Hütters Aussagen richtig. Und sportlich ist er exakt jener Spieler, der den Hessen in der aktuellen Situation von allen abhanden gekommenen Büffeln am schmerzlichsten fehlt. Lief im Spiel der Hessen nichts zusammen – und das ist zurzeit ja quasi der Naturzustand –, konnte in der Vergangenheit noch immer ein Bruda den Ball lang schlagen und Rebic ochste los. Verteidiger prallten an ihm ab oder kamen erst gar nicht hinterher, und gewannen sie doch mal einen Zweikampf, konnte man sicher sein, dass es ihnen wenigstens weh tat.

Eine solche Wucht kann auf dem Platz Gold wert sein. Sprints von Rebic waren in diesem Sinne oft mehr als Sprints, sie waren Versprechen an die Fans und Ansagen an die Gegner: Gleich schlägt es ein, vieleicht im Tor, zumindest aber im Zweikampf. Wucht und Wut, jenes Kratzen, Beißen, Spucken, das man in schwierigen sportlichen Phasen so oft heraufbeschwört: Es war stets integraler Bestandteil des Rebicschen Spiels.

Rebics unbedingtes Nicht-verlieren-Wollen

Und genau das, was der Eintracht aktuell fehlt. Oft genug hat man das Gefühl, dass sich die Hessen ihrem Schicksal ergeben, ideen- und mutlos gleichermaßen, und selbst gegen blutleere Gegner aus Berlin oder Wolfsburg nicht viel entgegenzusetzen haben. Rebic hingegen schien jede Niederlage als persönlichen Affront zu verstehen, quittierte schlechte Leistungen und Ergebnisse nicht selten mit genervtem Abwinken oder bockigem Verhalten. Das war nicht immer angebracht, manchmal auch nervig. Aber diese Galligkeit, das unbedingte Nicht-verlieren-Wollen, fehlt den Hessen.

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Fast wichtiger als der sportliche Aspekt scheint aber die emotionale Komponente einer Rebic-Rückkehr. Wenige Spieler in der Geschichte der Eintracht haben so gut zum Verein gepasst. Durch seine unkonventionelle, teils chaotische Art, spätestens aber, seit er im Mai 2018 Eintracht Frankfurt aus dem Nichts zum Pokalsieg man-of-the-matchte, hat er Legendenstatus. Es sind erst anderthalb Jahre vergangen seit jenem Abend, und erst fünf Monate seit Rebics überstürztem Abschied. Aber im Fußball sind das Lichtjahre. Die Eintracht, vor kurzem noch Überraschungsmannschaft der Liga, steckt sportlich im Mittelmaß, während sich das Umfeld in diffusen Kleinkriegen irgendwo zwischen Pyro, Hype und Eitelkeiten aufreibt. In dieser Gemengelage ist um den Klub eine Stimmung entstanden, die irgendwie bleiern und schwer greifbar ist. Je grauer die Tage, so scheint es, desto diesiger auch die Wolken, die Eintracht Frankfurt umfassen.

"Er ist ja nicht im Bösen gegangen"

Eine Rückkehr Rebics wäre damit auch ein Stimmungsaufheller für das gesamte Umfeld, ein emotionales Zuckerle gegen die Trübsal. Rebic ist als Pokalheld Gesicht der glorreichen jüngeren Vergangenheit, als Rückkehrer gleichsam ein Versprechen, dass es wieder besser wird. "Er ist ja nicht im Bösen gegangen", sagte Hütter, der Rebic zudem als "sehr geerdet, sehr klar und sehr harmonisch" beschrieb. Auch seine Teamkameraden machen auf dem Foto nicht den Eindruck, als gäbe es (noch) irgendwelche schwerwiegenden Verwerfungen.

Als Rebic ging, ging er auch, weil er überzeugt davon schien, zu gut für Eintracht Frankfurt zu sein. Vielleicht stimmt das sogar, und ist trotzdem falsch. Schließlich hat Rebic noch nie irgendwo anders funktioniert als bei der Eintracht, dort aber umso besser. Und vielleicht braucht es einen dritten Anlauf, dass der eigenwillige Kroate das einsieht und sich dafür entscheidet, lieber ein großer Fisch in einem kleinen Teich zu sein als ein kleiner Fisch in einem großen. Seine Mannschaftskameraden, der Trainer und die Fans würden ihn wohl mit offenen Armen empfangen.