Ante Rebic und David Abraham feiern mit den Fans
Die Eintracht begeistert Fans. Bild © Imago Images

Nach einer der aufregendsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte schwimmt Eintracht Frankfurt in Geld und Liebe. Obwohl aus finanzieller Sicht keine Spieler verkauft werden müssten, droht ein Umbruch. Stareinkäufe soll es nicht geben.

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Für die große Eintracht-Familie ging es am Dienstag mit dem Flieger in Richtung China. Der als Abschlussfahrt getarnte PR-Trip bildet den Endpunkt einer schon jetzt historischen Saison. Hier ein bisschen Sightseeing, dort ein Testspiel gegen den VfL Wolfsburg, zwischendurch ein paar Werbetermine. "Da sind aber auch Aktivitäten dabei, die durchaus vergnügungssteuerpflichtig sind", beschrieb Vorstand Axel Hellmann die letzte große Frankfurter Reise in dieser Besetzung.

Hellmann selbst, für den qua seines Amtes ein Hotelzimmer reserviert gewesen wäre, verzichtete trotz der verlockenden Tourismus-Angebote im Reich der Mitte auf einen Kurztrip und blieb stattdessen im verregneten Frankfurt. Grund: Zu viel zu tun. "Wir hatten eine Saison, die so viel zu bieten hatte, wie es manche Vereine nicht in fünf Jahren erleben." Da muss erst einmal in Ruhe Bilanz gezogen und eine erste Inventur vorgenommen werden.

Eine Saison der Rekorde

In der Europa League im Halbfinale, in der Bundesliga lange Zeit nah dran an Platz vier und der Champions League, dazu Sympathiebekundungen aus der ganzen Welt und Spieler, die sich für europäische Spitzenclubs empfohlen haben. "Wir hatten die höchste Zahl an Auswärtsfans in der Geschichte der Europa League, wir haben die höchste Zahl an verkauften Trikots in der Geschichte der Eintracht", bilanzierte Hellmann. "Das war eine sehr gute Saison für Eintracht Frankfurt, wir sind auf allen Feldern gewachsen."

Fernab von den weichen Faktoren und dem Imagewandel vom Randale- zum Choreo-Meister hat die Eintracht aber auch finanziell enorm profitiert. Die einst chronisch klammen Vereinskassen sind voll wie nie. Die endgültige Abrechnung der UEFA, so Hellmann, lasse zwar noch auf sich warten. Das unerwartete Vorpreschen bis ins Semifinale und die magischen Europapokal-Abende gegen Inter, Lissabon oder den FC Chelsea werden insgesamt aber zwischen 30 und 40 Millionen Euro auf das Frankfurter Festgeldkonto spülen.

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann
Vorstand Axel Hellmann sieht die Eintracht gut aufgestellt. Bild © Imago Images

Zusammen mit den Einnahmen aus der Bundesliga, die bei rund 140 Millionen Euro liegen, steigt der Umsatz auf mindestens 170 Millionen Euro. Das wäre ein Plus von 75 Millionen Euro zur Vorsaison. "In der Summe ist das der höchste Umsatz aller Zeiten", so Hellmann. Anders formuliert: Die Eintracht schwimmt im Vergleich zu früheren Zeiten im Geld. Sollte noch der eine oder andere lukrative Spielerverkauf hinzukommen, könnte sogar die 200-Millionen-Euro-Marke fallen. Sphären, von denen die Hessen vor Jahren noch nicht einmal zu träumen wagten.

Rebic, Jovic und Haller heiß begehrt

Da Erfolg jedoch nicht nur sexy macht, sondern auch Begehrlichkeiten weckt, könnte es mit der allzu großen Romantik bald vorbei sein. Spieler wie Luka Jovic, Ante Rebic oder Sébastien Haller, das ist schon lange kein Geheimnis mehr, stehen auf den Wunschzetteln von Spitzenclubs wie Real Madrid oder Bayern München. Ein Verbleib des kompletten Trios gilt als ausgeschlossen, mindestens zwei der drei Topstürmer werden die Eintracht nach dem Abrutschen auf Platz sieben wohl verlassen. "Wir werden nicht jeden Spieler halten können, wenn Top-Clubs anklopfen", so Hellmann.

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Rein finanziell sei ein Verkauf der wertvollsten Ware zwar nicht nötig, rechnet Hellmann vor. "Rein aus wirtschaftlicher Sicht müssen wir keinen einzigen Spieler abgeben." Bei den hohen Marktwerten des ebenso torgefährlichen wie umworbenen Sturmtriumvirats könne ein Verein wie Eintracht Frankfurt aber nicht auf Dauer standhaft bleiben. Heißt: Nach den Abgängen von Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf, Lukas Hradecky und Omar Mascarell im vergangenen Sommer muss Trainer Adi Hütter auch in der kommenden Vorbereitung einen Umbruch moderieren. Neue Leistungsträger müssen her.

Ein bisschen Bruchhagen ist noch da

Verrückte Transfers und neureiches Getue werde es in Frankfurt aber nicht geben, betonte Hellmann. Geld ist nach dem Europa-League-Jackpot zwar genug da, ein klein wenig Heribert Bruchhagen steckt aber auch heute noch drin in der Eintracht-DNA. Selbst bei durchaus zu erwartenden Riesen-Transfererlösen werde es nur ein "Wachstum mit Augenmaß" geben. Der eingeschlagene Weg mit jungen und internationalen Talenten soll weitergeführt werden, für namhafte Stars ist die Eintracht die falsche Adresse. "Wir kennen alle die Geschichten der Clubs, die diesen Fahrplan verlassen haben und dann radikal einsparen mussten", warnt Hellmann.

Nach drei Jahren absoluten Highlight-Jahren mit DFB-Pokalfinale 2017, dem Pokalgewinn 2018 und der wilden Europa-Reise 2019 würde die Eintracht zur Abwechslung wohl auch mal eine etwas unspektakulärere Saison in Kauf nehmen, um sich auf Dauer in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen und noch etwas länger von der abgelaufenen Spielzeit zu profitieren. Dosierte und gezielte Investitionen statt Panikkäufe. Und das Erreichte noch einen Moment genießen.

"Diese Saison hat dem Club eine Wahrnehmung gegeben, die wir so wohl noch nie hatten. Wir bekommen Anerkennung von allen Seiten", so Hellmann. "Das streichelt die Frankfurter Seele. Das tut einem Club gut." Die Eintracht ist im Club der Schönen und Reichen angekommen. Jetzt muss sie es nur noch schaffen, auch dort zu bleiben.