Frust bei Eintracht Frankfurt nach Remis gegen Bielefeld

Eintracht Frankfurt kommt gegen Arminia Bielefeld nicht über ein Remis hinaus, freut sich aber zumindest über die Rückkehr der Fans. Das System ist nichts für schwache Nerven, in der Offensive fehlen die Ideen. Die Analyse in fünf Punkten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht belohnt sich gegen Bielefeld nicht

Eintracht Frankfurts Silva
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Die neue Bundesliga-Saison beginnt für Eintracht Frankfurt mit einem 1:1 (0:0) gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld. Cebio Soukou bringt die Gäste in Führung (51. Minute), André Silvas Tor (62.) rettet den Hessen zumindest einen Punkt.

Es klingt fast wie ein richtiges Fußballspiel

Erstmals seit 199 Tagen und dem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen durfte die Eintracht am Samstag ein Heimspiel vor Zuschauern bestreiten. Im Frankfurter Stadion, das zwischenzeitlich mal Arena hieß und jetzt offiziell ein Park ist, saßen und standen insgesamt 6.500 Fans mit Abstand, Mund-Nasenschutz und jeder Menge Bock auf Fußball. Optisch ist die Flickenteppich-Kulisse zwar gewöhnungsbedürftig, akustisch fühlte sich das jedoch schon wieder deutlich mehr nach Bundesliga-Fußball an.

Schon beim Warmmachen wurde die Mannschaft von Trainer Adi Hütter mit ebenso viel Applaus und Sprechchören begrüßt wie der Gegner aus Bielefeld mit Pfiffen und Schmähgesängen. Das Singen der Hymne, lautstarke Reaktionen auf die Geschehnisse auf dem Rasen und gellende Pfeifkonzerte, wenn es die Arminen wieder einmal mit dem Zeitspiel übertrieben. All das hatte in den vergangenen Corona-Monaten doch sehr gefehlt. "Die Fans haben uns das Gefühl gegeben, was es bedeutet, hier aufzulaufen. Das war eine tolle Atmosphäre", fasste Hütter nach Abpfiff zusammen. "Schade, dass wir die Zuschauer nicht mit einem Sieg belohnen konnten."

Eintracht die bessere Mannschaft, aber...

Und das lag gleich an mehreren Dingen. Die Eintracht dominierte zwar die Partie und war das klar talentiertere der beiden Teams. Richtig viele hochkarätige Chancen erspielten sich die Hessen aber nicht. Klar: Hätte André Silva nach knapp einer halben Stunden den Ball nicht mit der Hacke, sondern der Innenseite an Bielefelds Keeper Stefan Ortega vorbeigeschoben oder Martin Hinteregger seinen Latten-Kopfball kurz nach der Pause etwas tiefer angesetzt – die Eintracht hätte dieses Spiel wohl gewonnen.

Die Ideenlosigkeit und die Abhängigkeit von Geniestreichen von Filip Kostic oder Daichi Kamada sind aber nicht von der Hand zu weisen. Die Eintracht schaffte es gegen Aufsteiger Bielefeld, der sich erst nach der eigenen Führung am Strafraum verschanzte, viel zu selten, für Überraschungsmomente zu sorgen. Besonders auffällig wurde der fehlende Offensiv-Esprit in der Schlussphase, als beinahe sekündlich lange Bälle in Richtung Bas Dost flogen. Der Eintracht fehlt es, das ist nichts Neues, an Kreativität und Tempo.

Abwehr zu anfällig für Konter

Dass die Eintracht trotz aller Überlegenheit mit 62 Prozent Ballbesitz und einem Eckenverhältnis von 14:3 zwischenzeitlich sogar vor einer Niederlage stand, war der riskanten Spielweise geschuldet. Trainer Hütter, der auf der ersten Pressekonferenz nach der Sommerpause die Rückkehr zu mehr Offensiv-Spektakel angekündigt hatte, ließ zum Saisonauftakt umgehend Taten folgen. Das Ergebnis: Frankfurter Harakiri-Fußball.

In der Dreier-Abwehrkette spielten Makoto Hasebe, Hinteregger und David Abraham so gut wie immer Mann gegen Mann. Sobald die Eintracht den Ball hatte, rückten zudem alle Spieler über die Mittellinie. Da sich die Hessen im Spielaufbau aber immer wieder leichte Ballverluste leisteten, wurden die Gäste aus Ostwestfalen in steter Regelmäßigkeit zum Kontern eingeladen. Jede Menge Räume inklusive. "Wir haben das Risiko erhöht und waren zwangsläufig anfälliger in der Defensive. Wir hatten sicherlich das eine oder andere Mal Glück, dass Bielefeld etwas zu ungenau war", gab Hütter zu. Mit etwas mehr Bielefelder Abgezocktheit hätte die Eintracht dieses Spiel auch verlieren können.

Dost und Silva entwickeln sich zum Traumpaar

Dass die Auftakt-Niederlage verhindert wurde, lag letztlich vor allem an der Doppelspitze Dost/Silva. Das holländisch-portugiesische Torjäger-Paar harmonierte wie schon beim DFB-Pokal-Spiel gegen die Münchner Löwen (2:1) prächtig und sorgte mit einer Koproduktion für den letztlich verdienten Ausgleich. Nach knapp einer Stunde verlängerte Dost eine Kostic-Flanke genau auf den Schädel von Silva, der nur noch einnicken musste und damit das Scorerpunkte-Konto der beiden auf drei erhöhte. Die Eintracht hat in dieser Saison bislang drei Pflichtspiel-Tore erzielt, alle drei wurden von Dost und Silva vorbereitet und erzielt.

"Das Zusammenspiel mit ihm funktioniert gut", schwärmte Dost über seinen Partner Silva. "Das müssen wir von uns verlangen, dass wir immer gefährlich sind." Klar ist aber auch: Nach dem Abgang von Goncalo Paciencia muss dringend noch ein weiterer Stürmer mit Format und mehr Geschwindigkeit her.

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Es droht ein Stotter-Start

Dank Silva und Dost wurde der Frankfurter Fehlstart letztlich zwar abgewendet, große Freude war nach der Partie aber weder bei den 6.500 Fans noch dem Team zu spüren. Ein Remis im eigenen Stadion gegen einen Aufsteiger, das ist zu wenig. "Ich bin mit diesem Punkt gar nicht zufrieden", konstatierte Coach Hütter. "Wir wollten dieses Spiel gewinnen, das ist uns nicht gelungen. Das ist ärgerlich."

Bereits am Freitag (20.30 Uhr) hat die Eintracht die Chance auf Wiedergutmachung. Sollten die Hessen dem Gegner Hertha BSC jedoch nur ansatzweise so viel Platz zum Kombinieren gewähren wie Arminia Bielefeld, könnte die Reise in die Hauptstadt äußerst ungemütlich werden. Eine Leistungssteigerung in allen Mannschaftsteilen ist dringend notwendig.