Ante Rebic von Eintracht Frankfurt
Ante Rebic ist derzeit nicht in Form. Bild © picture-alliance/dpa

Verrückter Beginn, enttäuschendes Ende: Eintracht Frankfurt bringt sich mit dem Remis bei Schachtar Donezk selbst in Gefahr. Präsident Peter Fischer hat ein unschönes Deja-vu. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt vergibt beim ereignisreichen 2:2 (1:1) im Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League einen unerwarteten Matchball und geht nun mit Sorgen ins Rückspiel. Obwohl Gegner Schachtar Donezk knapp 80 Minuten in Unterzahl spielen muss, bringt die Eintracht eine zweimalige Führung nicht ins Ziel. Martin Hinteregger (7.) und Filip Kostic (50.) treffen für die Hessen, Marlos (10./FE) und Taison (67.) gleichen jeweils aus. Taras Stepanenko hat bereits nach elf Minuten Feierabend.

Gute Ausgangsposition, aber…

Es ist das alte Problem: Vor der Partie hätte bei Eintracht Frankfurt wohl jeder ein Unentschieden mit zwei Auswärtstoren blind unterschrieben, nach Schlusspfiff überwogen dann aber zu Recht Ärger und Angst. Knapp 80 Minuten lang spielte die Mannschaft von Trainer Adi Hütter mit einem Mann mehr auf dem Platz und lag gleich zweimal in Führung. Dass es am Ende trotzdem nicht zum Sieg reichte, verhagelte nicht nur Frohnatur Peter Fischer die Stimmung. "Wir haben alle einen Kloß im Hals", sagte er dem hr-sport.

Im Rückspiel in der kommenden Woche reicht der Eintracht zwar immer noch selbst ein 0:0 oder ein 1:1 zum Erreichen der nächsten Runde. Genau diese Ausgangslage ging jedoch schon mal schief. Vor fast auf den Tag genau fünf Jahren scheiterte die Eintracht nach einem 2:2 im Hinspiel und einem denkwürdigen 3:3 vor heimischer Kulisse am FC Porto. Trainer der Portugiesen damals: Paulo Fonseca, der heutige Donezk-Coach. "Ich habe ein Deja-vu. Ich hoffe, die Geschichte wiederholt sich nicht", so Fischer.

Irre Anfangsphase

Dabei hatte doch alles so vielversprechend angefangen: Nach gerade einmal sieben Minuten verwertete Winter-Neuzugang Martin Hinteregger einen Freistoß von Sebastian Rode mit dem Kopf zur Führung und läutete damit eine spektakuläre Anfangsphase ein. Quasi im direkten Gegenzug rumpelte Evan N’Dicka etwas zu ungestüm in die Beine seines Gegenspielers Junior Moares, der die Elfmeter-Einladung dankend annahm und seinen Landsmann Marlos zum Punkt schickte. Dieser blieb cool und stellte die Partie wieder auf null.

Doch damit nicht genug der wärmenden Ereignisse im bitterkalten Metalist-Stadion von Charkiw. Wiederum nur eine Minute später rauschte der ukrainische Mittelfeldmotor Stepanenko zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit mit leichter Verspätung in einen Zweikampf. Folge: Gelb-Rot und klarer Vorteil für die Eintracht. Fast die komplette Spielzeit in Überzahl, da sollte doch was gehen.

Hütter ändert das System

Und auch rein optisch war der Auftritt der Eintracht durchaus ansprechend. Ohne den etwas überraschend nur auf der Bank sitzenden Sébastien Haller setzte Frankfurts Coach Hütter erstmals in diesem Jahr nur auf eine Doppelspitze, Mijat Gacinovic verstärkte dafür das zentrale Mittelfeld. Eine Maßnahme, die sich auszahlte. Das zuletzt etwas abhanden gekommene Pressing und die aggressive Zweikampfführung der Eintracht stellten die Hausherren sichtlich vor Probleme, die zweiten Bälle landeten regelmäßig in den Frankfurter Beinen.

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Dank der kürzeren Abstände zwischen Mittelfeld und Angriff funktionierten zudem die schnellen Umschaltmomente deutlich besser als in den vergangenen Partien. Gacinovic fungierte als Ballverteiler, Filip Kostic und Danny da Costa kurbelten über die Außen an. Haken an der Sache: Nur ganz vorne klappte nicht alles.

Überzahl und Chancen nicht genutzt

Der serbo-kroatische Sturmduo Ante Rebic und Jovic zeigte sich über 90 Minuten stets bemüht, vor allem Rebic brachte außer ein paar missglückten Kabinettstückchen aber nicht viel zustande. Bis zum Strafraum und in der Balleroberung war und ist der Vizeweltmeister eine Klasse für sich, in der entscheidenden Zone des Platzes fehlt Rebic derzeit aber die letzte Entschlossenheit.

Dass die Eintracht in der Endabrechnung der Torschüsse mit 21:5 führte, in der entscheidenden Disziplin, dem Spielstand, letztlich aber gleichauf war mit Donezk, ist kein Zufall. Die Kaltschnäuzigkeit, die die Hessen in der Hinrunde auszeichnete,  lässt derzeit zu wünschen übrig. Jovic (24.), Rebic (26.), Gacinovic (41.), Kostic (53.), Rebic (60.) und erneut Jovic (61.) haben nicht nur die gleiche Schlusssilbe im Namen, sie alleine hätten das Achtelfinal-Ticket vorzeitig lösen können. "Wir hätten das dritte Tor machen müssen", fasste Hinteregger das größte Manko des Abends zusammen.

Donezk schlägt eiskalt zu

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Und so kam es, wie es kommen musste: Die Ukrainer bewiesen trotz numerischer Unterlegenheit, dass sie nicht umsonst ukrainischer Serienmeister und Dauergast in der Champions League sind und glichen die zwischenzeitliche 2:1-Führung durch Kostic noch einmal aus. Angeführt vom brasilianischen Trio Marlos, Taison und Moraes wirbelte Donezk die Eintracht-Defensive ein ums andere Mal durcheinander. "Es ist schwierig, die mit dieser Geschwindigkeit, Technik und Dynamik aus dem Spiel zu nehmen", so Hütter.

Präsident Fischer wurde angesichts von so viel Offensiv-Power sogar richtig mulmig. Trotz eigentlich guter Ausgangslage schwant dem 61-Jährigen Böses: "Wir haben gesehen, wie gut die Fußball spielen können", warnte er. "Das wird verdammt schwer nächste Woche. Vor allem dann, wenn wir elf gegen elf spielen."