Eintracht Frankfurt Jesper Lindström Goncalo Paciencia Rafael Borré

Die Fans bei Eintracht Frankfurt sind zurück, die Torgefahr gegen tiefstehende Gegner jedoch nicht. Oliver Glasner sucht nach Lösungen, weiß aber auch: Gegen den FC Barcelona zählen andere Tugenden. Die Analyse in fünf Punkten.

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Die komplette Eintracht-PK nach dem Remis gegen Greuther Fürth

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Eintracht Frankfurt tritt in der Bundesliga auf der Stelle. Die Hessen kamen am Samstag gegen den Tabellenletzten Greuther Fürth nicht über ein 0:0 hinaus und bleiben im Tabellen-Mittelfeld.

1. Mit einem Knall zurück

Das Spiel selbst begann mit einem Knall. Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie war das Stadion wieder voll, insgesamt mehr als 50.000 Zuschauer fanden den Weg in die Arena im Stadtwald. Unter ihnen auch die aktive Fanszene. Und die ließ zu Spielbeginn das ganze Repertoire los: Bengalos, Papierrollen und leider auch Böller.

Was die Stimmung betraf, fühlte sich diese Bundesliga-Partie aber endlich auch wieder an wie eine Bundesliga-Partie. 760 Tage war es her, dass die Arena im Stadtwald ohne Beschränkungen voll war - diese Zeit ist endlich vorbei. "Es freut mich riesig, dass das Stadion endlich mal voll war", betonte Eintracht-Coach Oliver Glasner. "Die Fans haben eine tolle Stimmung gemacht. Es ist sehr schön, dass sie wieder da sind."

2. Das Spiel war alles andere als ein Knaller

Nur: Mit diesem Knaller zu Beginn konnte das Spiel im Anschluss nicht mithalten. Es entwickelte sich vom Start weg eine unterdurchschnittliche Bundesliga-Begegnung. Die Fürther, wer mag es dem Tabellenletzten verdenken, konzentrierten sich auf die Defensive und rührten mit ihrer Fünferkette reichlich Beton an. Ansehnlich war das nicht - aber aus Sicht der Gäste effektiv.

Und die Eintracht? Die wollte, investierte viel, hatte enorm viel Ballbesitz - fand aber nicht den Weg durch die massive Deckung der Franken. Besonders im zweiten Abschnitt war es teilweise Einbahnstraßen-Fußball, was die Zuschauer auf den Rängen zu sehen bekamen. Die Lücke fanden die Hessen aber nicht "Wir müssen das 0:0 akzeptieren", erklärte Glasner hinterher zähneknirschend. "Fürth hat leidenschaftlich verteidigt."

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Trapp: "Ergebnis war enttäuschend, die Leistung nicht"

Kevin Trapp bedankt sich bei den Fans.
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3. Vorne läuft wenig zusammen

Das ist freilich die eine Seite der Geschichte, die andere ist: Der Eintracht fehlen in der Offensive die Ideen. Vieles blieb gegen Fürth Stückwerk. Gute Gelegenheiten in der ersten Halbzeit (Ansgar Knauf 41., Jesper Lindström 42./44.) wurden vergeben, im zweiten Abschnitt kam die Eintracht bis auf eine Chance des eingewechselten Goncalo Paciencia (80.) kaum noch durch. "Es ist keine neue Erkenntnis, dass wir uns gegen einen tief stehenden Gegner nicht leicht tun", analysierte auch Glasner hinterher zurecht.

Kurzum: Der Eintracht fehlt ein Stürmer, der solche Partien mit einer Situation entscheidet. Ein Finisher wie André Silva in der vergangenen Saison, der aus einem 0:0 ein dreckiges 1:0 macht. Rafael Borré ist ein cleverer Angreifer, der viele Wege geht und damit Räume schafft, alleine: Es ist dann niemand in diesen Räumen. Auch nicht der Kolumbianer selbst. "Es gab in der zweiten Halbzeit einen Chipball von Filip Kostic auf den zweiten Pfosten - und keiner war da", beschrieb es Glasner exemplarisch und benannte das grundsätzliche Problem: "Die Strafraumbesetzung gefällt uns nicht so gut."

4. Schock-Moment kurz vor dem Ende

Das Spiel hatte neben einer Einbahnstraßen-Halbzeit am Ende aber leider noch einen negativen Höhepunkt. Bei einem unglücklichen Zweikampf rasselte Jens Petter Hauge mit voller Wucht in Fürths Marco Meyerhöfer, der mit dem Standbein umknickte und sich schwer am Knöchel verletzte. Meyerhöfer, geboren in Bad Homburg und zeitweise auch in der Eintracht-Jugend aktiv, musste im Anschluss mit einer Trage vom Feld gebracht werden.

Hauge stand währenddessen neben ihm und hatte Tränen in den Augen. "Es hatte nichts mit Absicht zu tun. Das tut Jens Petter wahnsinnig leid", berichtete Glasner, der im Namen des ganzen Vereins Genesungswünsche an Meyerhöfer ausrichtete. "Das überschattet das Spiel leider", wusste auch Kapitän Sebastian Rode.

5. Jetzt wartet Barcelona

Bei der Eintracht herrscht aber nun trotz dieses Vorfalls und des tristen Spiels Vorfreude. Denn am Donnerstag steht das "Jahrhundertspiel" an, wie es Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer beschrieb. Der FC Barcelona macht seine Aufwartung in Frankfurt, die Vorfreude bei den Hessen ist gigantisch. Auch ein 0:0 gegen Fürth kann das nicht trüben. "Wir machen weiter, wir haben Barcelona zu Hause und dann Freiburg, die wollen wir schlagen", betonte Sportvorstand Markus Krösche.

Die Spieler der Eintracht bekommen aber vorher erst einmal zwei Tage frei, ab dem Dienstag zählt dann nur Barca. Frühzeitig will Glasner sein Team auf die Katalanen einstellen, aber eines weiß er auch jetzt schon: "Barcelona wird ein ganz anderes Spiel werden mit mehr Raum für uns. Da werden wir nicht 70 Prozent Ballbesitz haben." Bedeutet aber auch: mehr Lücken, weniger Beton. Und genau das ist aus Eintracht-Sicht ja nichts Schlechtes.