Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt

Ein Luftloch von Daichi Kamada und Sekundenschlaf in der Abwehr bringen Eintracht Frankfurt beim 1. FC Köln um den Sieg. Neuzugang Amin Younes deutet seine Klasse an, jetzt muss nur noch ein Spitzenteam-Gen her. Die Analyse in fünf Punkten.

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Adi Hütter
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Eintracht Frankfurt hat am Sonntag beim 1. FC Köln einen Sieg verpasst und rutscht nach dem 1:1 (1:0) in der Tabelle auf Platz vier. André Silva bringt die Hessen mit einem Foulelfmeter in Führung (45.+2), Ondrej Duda trifft zum Ausgleich (52.). Jetzt warten die Bayern.

Stammelf steht, Basics passen

Elf Nationalspieler auf Reisen, mit Amin Younes und Ajdin Hrustic zwei Neuzugänge im Kader, an der Startelf änderte Trainer Adi Hütter dennoch nichts. Seit der verletzungsbedingten Auswechslung von Filip Kostic beim Auswärtsspiel gegen Hertha BSC (3:1) scheinen die elf stärksten Spieler erst einmal gefunden.

Heißt: Dreierkette mit Libero Makoto Hasebe und den beiden Haudegen Martin Hinteregger und David Abraham hinten, Steven Zuber und Almamy Touré auf den Außenbahnen, Stefan Ilsanker an der Seite von Sebastian Rode im zentralen Mittelfeld und vorne das Erfolgsduo Bas Dost und André Silva vor Spielmacher Daichi Kamada. Vorteil: Die Eintracht ist eingespielt.

Und das zeigte sich am Sonntag von Beginn an. Spielerisch funktionierte gegen die sieglosen Kölner zwar zunächst nicht allzu viel, die Automatismen greifen bei der Eintracht inzwischen aber offenbar auch in schwierigen Spielen. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter setzte die von 300 Fans unterstützten Gastgeber früh unter Druck und zwang die Kölner Defensivspieler immer wieder zu langen Bällen. Ergebnis: Die Eintracht hatte das Spiel komplett im Griff.

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VAR hilft der Offensive

Dass die Hessen dennoch nicht als Sieger vom Platz gingen, lag vor allem am letzten Angriffs-Drittel. Die Eintracht schoss zwar deutlich öfter aufs Tor (17:9), hatte deutlich öfter den Ball (60 Prozent) und wirkte insgesamt wie die reifere und talentiertere Mannschaft. Vor dem Tor fehlten aber entweder Genauigkeit, Ideen oder der Killerinstinkt. "Wir waren das bessere Team, haben unter dem Strich aber nur einen Punkt geholt", fasste Sportdirektor Bruno Hübner den Nachmittag zusammen.

Gute Noten im Spiel nach vorne verdienten sich allen voran Touré, der erneut mit viel Tempo und Engagement über die rechte Seite fegte, der agile Kamada und Torjäger Silva. Für das einzige Frankfurter Tor des Nachmittags benötigte es aber die Mithilfe des VAR: Der Kölner Keller wies Schiedsrichter Sven Jablonski zu Recht auf ein klares Foul von Sebastiaan Bornauw im Strafraum an Kamada hin und bereitete so den Weg für Silvas dritten Saison-Treffer. Ob die Eintracht anders getroffen hätte?

Luftloch und Tiefschlaf

Vermutlich nicht. Das beste Beispiel für die fehlende Frankfurter Kaltschnäuzigkeit lieferte Kamada kurz nach der Pause. Nach einem feinen Pass von Dost hätte der Japaner aus kurzer Distanz nur noch einschieben müssen, der Eintracht-Sieg wäre wohl perfekt gewesen. Stattdessen säbelte Kamada jedoch unbedrängt am Ball vorbei, ließ die größte selbst erarbeitete Chance liegen und hielt Köln im Spiel.

Und dann kam es, wie es kommen musste: Im beinahe direkten Gegenzug gönnte sich fast die komplette Frankfurter Hintermannschaft eine Pause und lud Köln zum Toreschießen ein. Hinteregger kassierte einen Tunnel, Hasebe verhinderte die Flanke nicht, Touré rückte nicht ein, Ilsanker kam zu spät. Folge: Duda sagte danke und erzielte den Ausgleich.

"Wenn wir kurz nach der Pause das 2:0 erzielen, dann wären wir als verdienter Sieger vom Platz gegangen", bilanzierte Hütter. Anders ausgedrückt: Einer Spitzenmannschaft wäre das nicht passiert.

Younes bringt frischen Wind

Ein Spitzentransfer, so der erste Eindruck, ist der Eintracht mit Younes geglückt. Der Neuzugang vom SSC Neapel, der noch körperliche Defizite hat und deswegen erst einmal auf der Bank Platz nahm, durfte sein Können in Köln für rund 20 Minuten unter Beweis stellen und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Der flexibel einsetzbare 27-Jährige ersetzte Kostic-Ersatz Zuber auf der linken Außenbahn und integrierte sich umgehend bestens in Frankfurter Spiel.

Younes gewann Eins-gegen-eins-Duelle, Younes schlug brauchbare Flanken und Younes hätte um ein Haar den Siegtreffer erzielt. Dass sein Schuss noch kurz vor der Linie von FC-Verteidiger Rafael Czichos abgewehrt wurde, war der einzige Makel eines ansonsten mehr als gelungenen Einstands. "Wir haben tolle Fußballer, wir müssen uns jetzt noch finden", versprach Younes für die Zukunft (weitere) Besserung.

Chance verpasst? Schwamm drüber

Und so waren sich am Ende wohl alle einig: Mit etwas mehr Konsequenz hätte die Eintracht dieses Spiel in Köln ohne Probleme gewinnen können, ja müssen. Die Hessen verpassten die große Chance, ganz oben anzugreifen und in der kommenden Woche als Tabellen-Zweiter zum FC Bayern zu reisen. Mit dem Saisonstart kann und muss man dennoch zufrieden sein.

Acht Punkte nach vier Spielen und Platz vier hinter dem Klassenbesten-Trio RB Leipzig, Borussia Dortmund und den Bayern hätte vor wenigen Wochen wohl jeder ohne Zögern unterschrieben. "Wir haben einen Zwei-Punkte-Schnitt, das ist zufriedenstellend", sagte deshalb auch Sportdirektor Hübner. "Wenn man den behält, weiß man, wo man am Ende steht." Für alle, die es nicht wissen: In der vergangenen Saison hätten 68 Punkte für Platz drei gereicht.

Weitere Informationen

1.FC Köln - Eintracht Frankfurt 1:1 (0:1)

Köln: Horn - Ehizibue (83. Schmitz), Bornauw, Czichos J.Horn - Skhiri, Rexhbecaj  - Wolf, Duda (72.Özcan),  Jakobs - Andersson  (89 . Modeste)

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - Ilsanker, Rode - Toure, Kamada, Zuber (69. Younes) - Dost, Silva (86. Barkok)

Tore: 0:1 Silva (45./FE), 1:1 Duda (52.)
Gelbe Karten: Ehizibue, J.Horn, Rexhbecaj / Hasebe, Younes

Schiedsrichter: Jablonski (Bremen)
Zuschauer: 300

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Sendung: hr-fernsehen, heimspiel!, 19.10.20, 23.15 Uhr