Sebastian Rode lässt sich behandeln
Schmerzen, die Spaß machen: Sebastian Rode darf endlich wieder Fußball spielen. Bild © Imago Images

Nach knapp zwei Jahren Verletzungspech blüht Sebastian Rode in Frankfurt wieder auf. Sein Wechsel zur Eintracht ist für alle Seiten ein Gewinn, die Zukunft des gebürtigen Hessen ist trotzdem weiter offen.

Videobeitrag

Video

zum Video Rode: "Man fühlt sich nicht mehr gebraucht"

Ende des Videobeitrags

Das Mammutprogramm der vergangenen Wochen geht auch an den Körpern der Profisportler von Eintracht Frankfurt nicht spurlos vorbei. Seit Beginn des Europa-League-Jahres 2019 bestritten die Hessen neun Spiele in 31 Tagen, Reisen in die Ostukraine und Norditalien inklusive. Schwere Bein, knarzende Gelenke und der eine oder andere blaue Fleck bleiben da nicht aus, schon einfache Treppengänge werden schnell zur schmerzhaften Herausforderung. Für Sebastian Rode könnte es nichts Schöneres geben.

Weitere Informationen

Rode-Interview im hr

Das gesamte Interview mit Sebastian Rode hören Sie am Samstag (23. März) um 15.05 Uhr in hr1-heimspiel!

Ende der weiteren Informationen

Nach fast zwei Jahren zwischen OP-Tisch und Reha-Zentrum sowie insgesamt 56 Bundesliga-Minuten für Borussia Dortmund darf der 28-Jährige nach seiner Rückkehr zur Eintracht endlich wieder das tun, was er am liebsten macht: einfach nur Fußball spielen. Achtmal mischte Rode in der Bundesliga mit, viermal schmiss er sich auf europäischem Terrain in jeden Zweikampf. Nach der langen und zermürbenden Verletzungspause eine echte Wohltat: "Jetzt ist endlich wieder mal eine Prellung dabei, das hatte ich lange nicht", sagte Rode dem hr-sport. "Das habe ich vermisst."

Vom Dauerpatient zum Dauerbrenner

Wenn körperliche Qualen zur Ausschüttung von Glückshormonen führen, fasst das die vergangenen Monate von Rode wohl schon sehr gut zusammen. Der in Seeheim-Jugenheim geborene Mittelfeldspieler wurde erstmals im Dezember 2016 von Schambein-Problemen gestoppt. Es folgten eine Leistenoperation, mehrere misslungene Comeback-Versuche, eine Stressreaktion des Knochens, eine weitere Leistenoperation, fast schon chronische Muskelbeschwerden und einige zaghafte Regionalliga-Auftritte. Kurzum: ein Alptraum.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Giphy (animiertes GIF) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Giphy (animiertes GIF). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

"Das war eine sehr schwierige Zeit. Das beschäftigt einen sehr, auch privat", blickt Rode zurück. "Wenn man dann noch gesagt bekommt, dass man sich nach einem neuen Verein umschauen soll, fühlt man sich nicht mehr gebraucht. Da macht man sich schon seine Gedanken." Der Ausweg und die Lösung des Problems: Wieder dahin zurückkehren, wo man sich am wohlsten fühlt. In die hessische Heimat.

Weitere Informationen

Rode im hr-heimspiel!

Sebastian Rode und seine Rückkehr nach Frankfurt sind auch Thema im heimspiel! am Montag (25. März) um 23.15 Uhr im hr-fernsehen.

Ende der weiteren Informationen

Rodes Wurzeln liegen an der Bergstraße. Über den Umweg Offenbacher Kickers schaffte er im Sommer 2010 den Sprung in den Profifußball und zu Eintracht Frankfurt. Nach vier Jahren in München und Dortmund ist er nun zurück. Und mit ihm die Stabilität im zentralen Mittelfeld.

Rode ist noch ungeschlagen

Videobeitrag

Video

zum Video Rode: "Sind auf gutem Weg"

Ende des Videobeitrags

Seit Rodes Rückkehr an alte Wirkungsstätte hat die Eintracht kein Spiel mehr verloren, in nunmehr 13 Partien gab es sieben Siege und sechs Remis, dazu den Einzug ins Viertelfinale der Europa League und stetig steigende Chancen auf die Champions League. "Wir sind auf einem guten Weg. Deshalb dürfen wir sicher träumen", so Rode, der der Eintracht als spielstarker Sechser oder Achter eine neue Qualität verliehen hat. In der Defensive kompromisslos mit sich und den Gegenspielern, in der Offensive mit guten Ideen. Viel mehr kann auch Trainer Adi Hütter nicht verlangen.

Rodes verletzungsanfälliger Körper hält zwar selten über die vollen 90 Minuten, die anfänglichen Bedenken ob seiner Bundesligatauglichkeit nach einer derart langen Pause haben sich aber allesamt nicht bestätigt. Rode kann Profifußball, Rode kann sogar europäischen Spitzenfußball. "Ich wollte es mir selbst beweisen und ich freue mich, dass ich wieder an die früheren Leistungen anknüpfen konnte", sagte er. "Das ist schon eine Genugtuung."

Der Neuanfang ist geglückt

Rode hat von dem vermeintlichen Schritt zurück profitiert und wieder einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Die Eintracht freut sich über einen zentralen Mittelfeldspieler mit internationalem Niveau.

Eine klassische Win-win-Situation, die allerdings noch einen völlig offenen Ausgang hat. Da Rode nur für sechs Monate ausgeliehen ist und noch bis Sommer 2020 beim BVB unter Vertrag steht, könnte das Liebes-Comeback schon bald wieder in einer Trennung enden. Beide Seiten versichern zwar, sich eine langfristige gemeinsame Zukunft vorstellen zu können. Bislang gibt es aber weder Antrag noch offizielle Gespräche.

"Ich mache mir darüber noch keine Gedanken. Ich freue mich einfach, dass es so erfolgreich läuft", versichert Rode und verweist auf die Zeit nach der Saison. Heißt wohl auch: Eine erneute Frankfurter Teilnahme an Europa oder gar Champions League könnte die Entscheidung pro Eintracht wohl positiv beeinflussen. Ganz umsonst wird Dortmund den ehemaligen U21-Nationalspieler allerdings auch nicht ziehen lassen.

Immer weiter

Bevor es soweit ist, stehen für Rode und die Eintracht aber erst einmal wichtige Aufgaben auf dem Programm. Gegen den VfB Stuttgart und Schalke 04 müssen Punkte in der Liga her, danach geht es auch schon zum nächsten Europacup-Highlight nach Lissabon. Auch im April wird es mit sechs Spielen in 21 Tagen eher wenig Zeit zum Entspannen geben.

Die derzeit laufende Länderspielpause wurde deshalb von allen Beteiligten herbeigesehnt. Akkus aufladen ist das Stichwort. Oder, Herr Rode? "Eigentlich läuft es momentan so gut, da hätten wir auch weiter spielen können." Und noch ein paar blaue Flecken und Prellungen mehr holen. Es soll ja Leute geben, die das mögen.