Frust bei Makoto Hasebe

Eintracht Frankfurt wacht gegen den FC Augsburg zu spät auf und präsentiert sich dann erschreckend ungefährlich. Die Neuzugänge fremdeln, Martin Hinteregger hat’s aus mehreren Gründen schwer. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht-PK nach Augsburg
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Eintracht Frankfurt verliert mit 1:2 (0:2) beim vorher sieglosen FC Augsburg und offenbart dabei vorne und hinten Schwächen. Die erste Halbzeit verschlafen die Hessen komplett, viel besser wird es allerdings auch nach dem Wechsel nicht. Marco Richter (36.) und Florian Niederlechner (43.) bringen den FCA in Front, Goncalo Paciencia gelingt noch der Anschlusstreffer (73.).

Sow und Silva fremdeln noch

Eintracht-Trainer Adi Hütter verhalf beim zweiten Bundesliga-Auswärtsspiel dieser Spielzeit gleich zwei Neuzugängen zu ihren Startelf-Debüts. Last-Minute-Transfer André Silva durfte in der Spitze neben seinem Landsmann Paciencia ran, der nach längerer Oberschenkel-Verletzung wiedergenesene Djibril Sow rückte an die Seite von Sebastian Rode ins zentrale Mittelfeld. Eine Bewerbung zum Spieler des Spiels gaben jedoch beide nicht ab.

Sow, als Ideen- und Taktgeber eingeplant, leistete sich gleich reihenweise Fehlpässe und musste folgerichtig bereits in der Halbzeit für Dominik Kohr weichen. Der Schweizer fremdelte sichtlich mit Team und Bundesliga-Tempo, da muss in Zukunft mehr kommen.

Ähnliches lässt sich auch über Silva sagen. Der Ersatz für Ante Rebic zeigte sich zwar bemüht und deutete in einigen Aktionen seine technischen Stärken an. Bis auf einen Fernschuss ans Außennetz (47.) und einen Fallrückzieher für die Galerie (68.) blieb der 23-Jährige jedoch ohne gelungenen Abschluss. Ein Traumeinstand sieht definitiv anders aus.

Hintereggers schwierige Rückkehr

Ebenfalls einen schwierigen Nachmittag erlebte Martin Hinteregger. Seine etwas ausgeuferte Geburtstagsfeier im Kreise der österreichischen Nationalelf hatte zwar keine Denkpause von Trainer Hütter zur Folge, die Strafe für zweifelhaftes Verhalten in der Vergangenheit gab es aber vom Augsburger Publikum. Hinteregger wurde bei der Rückkehr zu seinem Ex-Club, den er im Sommer mit allerlei Nebengeräuschen verlassen hatte, bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen und mit jeder Menge "Freundlichkeiten" bedacht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht wacht zu spät auf

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Erschwerend hinzu kam, dass Hintereggers Nebenmann David Abraham einen rabenschwarzen Tag erwischte und lediglich 40 Prozent seiner Zweikämpfe gewann. Hinteregger, der 82 Prozent der direkten Duelle für sich entschied, sah sich immer wieder mehreren Augsburger Angreifern gegenüber und rettete, was zu retten war. Einmal klärte er in letzter Sekunde auf der Linie (33.), beim ersten Gegentreffer machte dann aber auch er eine unglückliche Figur. "Das war für ihn sicher nicht leicht heute", fasste Hütter nach Abpfiff zusammen.

Eintracht lädt Augsburg ein

Deutlich zu leicht machte es die Eintracht hingegen dem FC Augsburg. Vor allem in der ersten Hälfte offenbarte die Frankfurter Defensive immer wieder große Lücken, die die Gastgeber eiskalt ausnutzten. Bei eigenem Ballbesitz rückten die beiden etatmäßigen Innenverteidiger, das ist in dieser Spielzeit so üblich, in die Außenverteidiger-Rolle. Das Ziel: noch mehr Druck. Das Risiko: Bei Ballverlust fehlt hinten die Absicherung. Und genau das nutzte der FCA mit schnellem Umschalten und langen Bällen immer wieder aus. "Wir haben uns auf die einfachen Sachen beschränkt", beschrieb Torschütze Marco Richter das Augsburger Stilmittel.

Fast schon folgerichtig ging dem 1:0 ein langer Ball aus dem Mittelfeld voraus, vor dem 2:0 vertändelte Paciencia in der Nähe des eigenen Strafraums den Ball. Zwei leicht zu verteidigende Situationen, zwei leichte Gegentreffer. "Wir waren unachtsam, sind in unglaublich viele Konter gelaufen und standen oft in Unterzahl im eigenen Strafraum. Das geht einfach nicht", fand Hütter deutliche Worte. Die Eintracht lud Augsburg zum Toreschießen ein.

Stürmer ja, Torgefahr nein

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich die Eintracht dann deutlich zielstrebiger und wacher, zu einer erneuten Aufholjagd reichte die Leistung aber bei weitem nicht. Angetrieben vom eingewechselten Kohr dominierten die Hessen das Geschehen und erspielten sich knapp 70 Prozent Ballbesitz, vor dem Tor fehlten aber Ideen und Durchschlagskraft. Die Flanken und Standards landeten regelmäßig in den Füßen oder an der Hüfte eines Augsburgers, in Abwesenheit des erkrankten Filip Kostic fehlte es zudem an Dynamik. Das Startelf-Comeback von Timothy Chandler ist zwar eine schöne Geschichte, ohne Kostic ist die Frankfurter Offensive aber viel zu leicht auszurechnen.

Obwohl ab der 65. Minute mit Paciencia, Silva und Bas Dost gleich drei gelernte Mittelstürmer auf dem Platz standen, blieben Torchancen Mangelware. Das Hauptproblem: Die Zuspiele fehlen. Daichi Kamada hat zwar immer wieder helle Momente, im Abschluss ist der Japaner aber zu schwach. Die Anspiele von außen sind zudem oft zu ungenau. Ein Spieler, der mit überraschenden Aktionen den Unterschied ausmachen kann, muss nach dem Abschied von Rebic erst noch gefunden werden.

Jetzt kommt Arsenal

Am Ende des Nachmittags, der mit allerlei Selbstkritik der Spieler und deutlichen Worten von Hütter ausklang, richteten dann alle Frankfurter den Blick auf den kommenden Donnerstag und den Europa-League-Auftakt gegen den FC Arsenal. "Das ist ein absolutes Highlight", brachte Kohr die Frankfurter Gefühlslage auf den Punkt. Die Fans sind heiß, die Spieler freuen sich auf den nächsten magischen Abend, selbst der Trainer wollte sich nicht allzu lange mit dem gebrauchten Tag in Augsburg aufhalten.

"Wir müssen jetzt aus den Fehlern lernen, dann kommt Arsenal", gab Hütter die Marschrichtung vor und hakte die Niederlage ab. Klar ist: Sollte die Eintracht gegen das Londoner Spitzenteam ähnlich uninspiriert auftreten wie in Augsburg, könnte es ein bitteres Ende nehmen. Die Gefahr, dass es soweit kommt, schob Coach Hütter aber weit weg. "Die Eintracht in der Europa League und dann auch noch zu Hause. Das ist ja immer eine eigene Geschichte."

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! Bundesliga, 15.09.19, 22.05 Uhr