Jubel Eintracht Frankfurt in Vaduz

Das vermeintlich schwere Qualifikationsspiel in Vaduz entpuppt sich als willkommener Testlauf. Eintracht Frankfurt präsentiert sich stark verbessert und sammelt Selbstvertrauen. Ante Rebic wirft Fragen auf. Die Analyse in fünf Punkten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bobic: "Jungs haben das Spiel ernst genommen"

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic
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Eintracht Frankfurt kann für die Playoffs zur Europa League planen. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter wurde ihrer Favoritenrolle am Donnerstag gerecht und fegte den heimischen FC Vaduz standesgemäß mit 5:0 vom Platz. Die Tore erzielten Filip Kostic (11./27.Minute), Dominik Kohr (41.), Goncalo Paciencia (53.) und Mijat Gacinovic (63.).

1. Die Lust auf Europa ist ungebrochen

Dritte Qualifikationsrunde, mitten in der Sommerpause, auswärts in Liechtenstein. Was für andere Vereine wohl ähnlich attraktiv klingt wie eine Zahn-OP ist für die Frankfurter Eintracht und ihre Anhänger ein Feiertag. Über 2.000 Fans machten sich am Donnerstag auf den Weg in das kleine Fürstentum und verwandelten die Vaduzer Innenstadt in eine hessische Exklave. Am Nachmittag wurde kurzerhand ein Beachvolleyball-Turnier zum Fanfest umfunktioniert, am Abend dann die Ränge in Schwarz, Weiß und Rot gehüllt.

Schon lange vor Anpfiff hallten Frankfurter Fangesänge durchs Stadion, es folgte die fast schon obligatorische Choreo und pausenloser Support. Wer nach der mehrmonatigen Europa-League-Party in der vergangenen Saison in dieser Spielzeit eher verkaterte und satte Fans erwartet hatte, hat sich getäuscht. Die Lust der Eintracht auf Europa ist ungebrochen.

2. Die gute Form kommt zurück

Und das spürte man auch auf dem Rasen. Trotz Reisestress und klarer Favoritenstellung nahm die Eintracht die Partie von Beginn an ernst und präsentierte sich im Vergleich zu den beiden Duellen gegen Tallinn deutlich verbessert. Die leichte Systemanpassung hin zu einer Spitze und zwei Achtern tat dem Aufbau- und Kombinationsspiel gut. Allen voran Daichi Kamada gefiel immer wieder mit klugen Pässen und Ideen, auch Dominik Kohr deutete an, dass er eine echte Verstärkung werden könnte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Wir hatten das Spiel klar in der Hand"

Adi Hütter in der PK
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Noch lief sicher nicht alles rund und der FC Vaduz sollte für eine Mannschaft wie die Eintracht kein Gradmesser sein. Die Formkurve zeigt aber rechtzeitig vor der ersten Runde im DFB-Pokal am Sonntag in Mannheim und dem Bundesliga-Auftakt eine Woche später nach oben. Lediglich Mijat Gacinovic fiel – trotz seines Tores – etwas ab.

3. Kostic rennt und rennt und trifft

Gacinovics Landsmann Kostic macht hingegen schon wieder genau da weiter, wo er im Mai aufgehört hatte: Der Linksaußen rennt und rennt und rennt – und trifft. Nachdem der Serbe schon im Heimspiel gegen Tallinn immer wieder für Szenenapplaus gesorgt hatte, belohnte er sich in Vaduz gleich doppelt für seinen unermüdlichen Einsatz. Zunächst traf er mit freundlicher Mithilfe von FC-Keeper Benjamin Büchel aus knapp 30 Metern zum 1:0, dann erhöhte er nach starkem Sprint und eiskaltem Abschluss auf 2:0. Nach dem Seitenwechsel bereitete er den Treffer von Paciencia mustergültig vor.

"Zwei Tore, eine Vorlage. Viel mehr geht nicht", lobte Sportvorstand Fredi Bobic nach Abpfiff. Kostic ist, das deutete sich bereits im Trainingslager in Windischgarsten an, schon zu diesem frühen Zeitpunkt nah dran an seiner Galaform der vergangenen Spielzeit und in dieser Verfassung für jeden Gegner nur schwer zu stoppen. Der Eintracht kann das nur guttun.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fernandes: "Wir haben seriös gearbeitet"

Gelson Fernandes
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4. Was passiert mit Ante Rebic?

Gut zu Gesicht stehen würde der Eintracht auch ein fitter Ante Rebic. Der Kroate, der wegen Rückenproblemen zuletzt rund zehn Tage pausieren musste, nahm auch in Vaduz zunächst nur auf der Bank Platz, feierte dann aber zumindest ein kurzes Comeback auf dem Platz. Rebic wurde in der 73. Minute eingewechselt und zeigte direkt, was ihn so wertvoll macht: Der Vizeweltmeister kann mit Einzelaktionen den Unterschied ausmachen und so jedes Spiel im Alleingang entscheiden. Sein Lattentreffer in der Nachspielzeit gehörte neben den fünf Toren zu den Höhepunkten der Partie.

Ob Rebic seine Kunststücke auch in den kommenden Monaten bei der Eintracht vorführen wird, scheint aber offen. "Es passiert viel im Hintergrund. Wir hoffen aber, dass wir keinen Stürmer mehr verlieren", sagte Bobic am RTL-Mikrofon. Rebic habe zwar den Kopf frei und durch den Transferschluss in England sei die größte Gefahr erst einmal gebannt. "Auf dem Transfermarkt können aber immer gewisse Dynamiken entstehen." Heißt: Sollte ein Club mit großen Geldscheinen wedeln, ist ein Abschied von Rebic weiter möglich.

5. Jetzt kommt Mannheim

Kaum war das Spiel in Vaduz abgepfiffen und die Europa-League-Party der Frankfurter Fans beendet, stieg bei allen Beteiligten schon die Vorfreude auf den nächsten Höhepunkt. Bereits am Sonntag ist die Eintracht zu Gast bei Freunden in Mannheim und will dort die nächste Erstrunden-Blamage im DFB-Pokal verhindern. Trainer Hütter hatte die Startelf vorausschauend auf vier Positionen verändert und unter anderem Evan N’Dicka, Lucas Torro und Dejan Joveljic eine Pause gegönnt. Während des Spiels wechselte er dann frühzeitig. Stichwort: Kräfte sparen.

"Wir werden uns jetzt erholen und dann richtig gut auf das Pokalspiel in Mannheim vorbereiten", versprach Gelson Fernandes. "Das wird ein anderes Spiel als heute." Für die Eintracht in dieser Form sollte aber auch der Drittligist keine allzu große Gefahr darstellen.

Weitere Informationen

FC Vaduz - Eintracht Frankfurt 0:5 (0:3)

Vaduz: Büchel - Sülüngöz, Schmid, Simani - Dorn, Wieser (75. Sele), Prokopic, Göppel - Cicek (66. Frick), Sutter (46. Schwizer), Coulibaly

Frankfurt: Wiedwald - Abraham, Hasebe, Hinteregger - da Costa, Fernandes (66. de Guzman), Kohr, Kostic - Gacinovic, Kamada (72. Rebic) - Paciencia (73. Joveljic)

Tore: 0:1 Kostic (11.), 0:2 Kostic (27.), 0:3 Kohr (41.), 0:4 Paciencia (53.), 0:5 Gacinovic (63.)

Gelbe Karte: - / Fernandes

Schiedsrichter: Tierney (England)
Zuschauer: 5.908

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