Profis von Eintracht Frankfurt gegen Hoffenheim

Traumstart, Schreckmomente, Wettkampf-Power: Der Bundesliga-Start von Eintracht Frankfurt gegen die TSG Hoffenheim hatte es in sich. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht PK
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Eintracht Frankfurt ist mit einem Sieg in die neue Saison der Fußball-Bundesliga gestartet. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter gewann am Sonntag ihr Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim mit 1:0 (1:0). Bereits in der ersten Spielminute erzielte Martin Hinteregger das einzige Tor der Partie.

1. Was für ein Traumstart 

Manch ein Fan dürfte noch auf Bier oder Würstchen gewartet haben, da hatten Hinteregger und die Eintracht die Saison 2019/20 bereits höchst feierlich eröffnet. Nach offiziell 36 Sekunden leuchtete das 1:0 auf der Anzeigetafel, nachdem der Innenverteidiger – irre freistehend – eine Flanke von Filip Kostic in bester Stürmermanier und wie einst "Fußballgott" Alex Meier per Volleyabnahme mit der Fußinnenseite im gegnerischen Tor unterbrachte. Es war der zweitschnellste Bundesliga-Treffer in der Frankfurter Vereinsgeschichte, lediglich (na klar) eben jener Meier brauchte 2012 noch weniger Zeit. Gegen Greuther Fürth klingelte es damals nach gerade einmal 21 Sekunden.

2. Gut eingespielt ist halb gewonnen

Auch wenn das Tempo im weiteren Spielverlauf naturgemäß nicht bis zum Abpfiff so hoch bleiben konnte: Die Eintracht ließ den Worten von Coach Hütter Taten folgen und präsentierte sich zum Liga-Auftakt wesentlich eingespielter als in den Pokal- und Europa-League-Auftritten der vergangenen Wochen. Die für manch einen auf dem Papier zu defensiv ausgerichtete Aufstellung entpuppte sich vor allem in der Offensive als oft harmonisch, variabel und durchschlagkräftig. Ob der Angriff nun über Kostic, Mijat Gacinovic, Daichi Kamada oder Ante Rebic vorangetrieben wurde: Von den jüngsten Abstimmungsproblemen war nicht mehr viel zu sehen. 

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Adi Hütter
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Aber auch die Defensivleistung stimmte – und die zeichnet sich heutzutage ja bekanntlich durch ein ordentliches Pressing aus. Mal rückte Dominik Kohr aus dem defensiven Mittelfeld vor und unterstützte Rebic und Co. beim Anlaufen, mal Gelson Fernandes. Alle stets gierig auf den Ball. Ansonsten war da ja auch noch Hinteregger, im Hauptberuf eben Verteidiger und nicht Torjäger. Sein überragend starkes Tackling gegen Robert Skov im Mittelkreis hatte den Hoffenheimer Angriffsbemühungen durch die Mitte spätestens nach zwölf Minuten die Grenzen aufgezeigt.

3. Immer wieder Kostic

Vier eigene Torschüsse, drei Torschussvorlagen, dazu sieben Flanken aus dem Spiel (von denen eine den Siegtreffer einläutete): Wer nach der Partie einen Blick auf die grundlegenden Statistiken wirft, bekommt auffallend häufig den Namen Filip Kostic zu lesen. Der Dampfmacher von der linken Außenbahn ist vielleicht das beste Beispiel dafür, wie fit, wie motiviert, wie mitreißend ein Fußball-Profi am ersten Bundesliga-Spieltag sein kann.

Gegen die TSG war Kostic immer präsent, anspielbar, sichtbar erfreut an schnellem Angriffsfußball - und für Gegenspieler Stefan Posch mehrfach zu schnell. In der 37. Minute zog Kostic einen seiner Sprints an, er ließ den Hoffenheimer praktisch stehen und scheiterte erst an Torwart Oliver Baumann. Der starke Auftakt der Eintracht ist auch der starke Auftakt von Filip Kostic. 

4. Zwei Schreckmomente, mehr nicht

So ganz ohne Schreckmomente kann so ein knappes 1:0 gegen Hoffenheim allerdings nicht über die Bühne gehen. Den ersten gab es in der 41. Minute, als sich manch ein Fan nach einer Frankfurter Schwächephase ohne den Drang vom Spielbeginn bereits mit dem Ausgleich abgefunden haben dürfte. Was auch daran gelegen haben könnte, dass der Protest der Eintracht-Profis bei Dennis Geigers vermeintlichem Treffer zum 1:1 so gut wie ausgeblieben war. Allerdings: Die Wiederholungen machten schnell klar, dass Lukas Rupp in einer Abseitsposition Frankfurts Torwart Kevin Trapp die Sicht genommen hatte – und seinem Mitspieler damit das erste Saisontor. Das sah auch Video-Assistent Benjamin Brand. 

Der zweite Schreckmoment folgte in der 76. Minute, als Hinteregger auf der linken Außenbahn plötzlich am Boden lag, sich das Bein festhielt und sehr schnell eine unmissverständliche Handbewegung machte: 'Trainer, ich muss ausgewechselt werden.' Musste er dann aber doch nicht. In nur einem Spiel lernte Hinteregger die Vorteile eines frühen Tores und – erstmals in seiner Karriere – die Nachteile eines Wadenkrampfes kennen. Gut vorstellbar, an was er sich vermutlich lieber erinnern wird. 

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Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt
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5. Rechtzeitig in Wettkampf-Form

Gegen Flora Tallinn? Ist die Eintracht so hoch gesprungen, wie sie eben musste. Gegen den FC Vaduz? Reichte ein gutes Hinspiel. Und gegen Waldhof Mannheim? Konnten sich die Frankfurter erst am Ende gegen ein erneut frühes Aus im DFB-Pokal stemmen. Kurzum: Die ersten fünf Pflichtspiele hatten so gut wie keine Rückschlüsse auf Leistungsstand sowie Leistungsvermögen der Hessen zugelassen. Das hat sich mit der Hoffenheim-Partie geändert.

Die Eintracht hat die Spiele in der Europa-League-Qualifikation und im Pokal genutzt, um an den Kommunikationsproblemen der einzelnen Mannschaftsteile zu arbeiten. Im Vaduz-Rückspiel mag die Aufstellung noch ohne Nachhaltigkeit zusammengewürfelt gewesen sein. Nur drei Tage später präsentierte sich dem Frankfurter Publikum aber ein Team, das konzentriert agierte und Fehler von Mitspielern geschlossen bereinigte. Mit Blick auf die anstehenden Duelle in den Play-offs zur Europa League gegen Straßburg oder das Bundesliga-Auswärtsspiel in Leipzig am kommenden Sonntag kann das nur gut sein.