Fans von Eintracht Frankfurt gegen Bielefeld

Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie verfolgen wieder Fans ein Heimspiel von Eintracht Frankfurt im Stadion. Die Regeln sind streng, die Atmosphäre gegen Bielefeld aber besser als erwartet. Die 10.000-Zuschauer-Marke könnte schon bald fallen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht belohnt sich gegen Bielefeld nicht

Eintracht Frankfurts Silva
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Zugegeben: Es sah schon etwas merkwürdig aus, was sich im und um das Stadion von Eintracht Frankfurt beim Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (1:1) am Samstag abspielte. Im Spiel eins nach 199 Geisterspiel-Tagen strömten erstmals wieder 6.500 Fans in Richtung Arena und zeichneten dabei ein erstes Bild der neuen Corona-Normalität. Die Gesichter mussten bis zum Erreichen des Sitzplatzes hinter den mittlerweile üblichen Mund-Nase-Masken versteckt werden, große Versammlungen an den Bier-und-Wurst-Versorgungsständen vor den Eingangstoren gab es ebenso wenig wie lange Schlangen an den Toiletten oder auf den Parkplätzen. Vorfreude: ja. Ekstase: nein.

Hütter freut sich über Fan-Rückkehr

Zumindest akustisch, und das ist durchaus bemerkenswert, erinnerte das Geschehen im Stadion-Inneren aber schon wieder deutlich mehr an Bundesliga-Fußball. Applaus und Pfiffe beim Warmmachen der Teams, das Singen der Hymne, das Intonieren der Aufstellung, sogar tribünenübergreifende Fan-Gesänge während des Spiels. All das hatte in den vergangenen Monaten doch sehr gefehlt. "Die Fans haben uns das Gefühl gegeben, was es bedeutet, hier aufzulaufen. Das war eine tolle Atmosphäre", freute sich Trainer Adi Hütter über die Rückkehr von Publikum und Emotionalität.

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Thema im heimspiel: Wann dürfen Auswärtsfans wieder ins Stadion?

Wann dürfen die Auswärtsfans wieder ins Stadion? Das diskutieren wir im heimspiel! am Montagabend ab 23.15 Uhr im hr-fernsehen und bereits davor in der ARD-Mediathek und auf hessenschau.de.

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Klar: Von der Wucht, die ein vollbesetztes Stadion und vor allem eine vollbesetzte Nordwestkurve entfachen können, war gegen Bielefeld nur eine homöopathische Dosis spürbar. Die aktive Fanszene, die personalisierte Tickets und das Besuchen eines nur zum Teil gefüllten Stadions aus Gemeinschaftsgefühl-Gründen ("alle oder keiner") ablehnt, verzichtete auf einen Besuch. Der Stehbereich hinter dem Tor, der den lautstärksten Fans vorbehalten ist, blieb gesperrt. "Für die 6.500 Fans im Stadion ist das schön, für die 44.000 daheim aber schade", hatte Martin Hinteregger das Dilemma schon vor der Partie zusammengefasst.

Fans sorgen dennoch für Stimmung

Sehen und vor allem hören lassen konnte sich dieser erste Schritt zurück aber dennoch. Bei Angriffen der Eintracht wurde es merklich laut im Stadion, Eckbälle wurden ebenso frenetisch bejubelt wie Grätschen von "Hintiiiii" oder Paraden von Kevin Trapp. Das Zeitspiel der Gäste aus Ostwestfalen, die sich nach der zwischenzeitlichen Führung beinahe bei jedem Einwurf oder Abstoß ein paar Extra-Sekunden gönnten, wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert. "Die Fans haben sehr viel Stimmung gemacht", lobte deshalb auch Sebastian Rode.

Die Reaktion auf den Rängen passte zum Geschehen auf dem Rasen und erinnerte genau wie die immer wieder von verschiedenen Ecken unternommenen Versuche, gemeinsame Sprechchöre anzustimmen, an Fußball aus früheren Zeiten. Die Tribünen halbleer, der Support nicht organisiert. Besser als Geisterspiel war und ist das allemal.

Rauchen nur auf dem Platz, Bier gibt es nicht

Wie weit entfernt ein volles Stadion mit hüpfenden und sich in den Armen liegenden Fans noch ist, verdeutlicht jedoch ein Blick auf das Hygiene- und Verhaltenskonzept. Zwischen den Sitzplätzen, die allesamt als Einzelplätze verkauft wurden, mussten rechts und links mindestens vier Sitzschalten frei bleiben. Selbst Angehörige eines Haushalts durften bei der An- und Abreise, für die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund extralange Züge und Straßenbahnen eingesetzt wurden, den obligatorischen 1,5-Meter-Abstand nicht unterschreiten. Der Konsum von Speisen, Getränken und Zigaretten war nur sitzend auf dem eigenen Platz gestattet, Alkohol wurde nicht ausgeschenkt.

Verstöße gegen diese Regeln, die deutlich strenger sind als im öffentlichen Raum, gab es laut Eintracht-Stadionsprecher Bartosz Niedzwiedzki nicht. Alles habe "wunderbar funktioniert", sagte er unmittelbar nach Ende der Partie. Die Fans der Eintracht, das bewies das Spiel gegen Bielefeld, sehnen sich nach dem Stadion und sind bereit, dafür die notwendigen Einschränkungen zu akzeptieren. Die Grundlage für weitere Öffnungen.

Eintracht plant mit mehr als 11.000 Fans

Schon beim kommenden Heimspiel am 3. Oktober gegen die TSG Hoffenheim könnten demzufolge schon deutlich mehr als 6.500 Fans einen Platz im Stadion ergattern. Das "dynamische Zuschauerkonzept in Zeiten der Corona-Pandemie", das erklärte die Eintracht, sieht für Frankfurt eine Auslastung von bis zu 11.275 Zuschauern vor. Nach den Erfahrungen vom Samstag sollte dieser Aufstockung eigentlich nichts im Wege stehen.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel!, 21.09.20, 23.35 Uhr