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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Sticker sind die Sprache der Straße"

Sticker Eintracht Rassismus

Ein Frankfurter reagiert auf den zunehmenden Rechtsruck in der Gesellschaft und wirbt mit Aufklebern für Toleranz und Vielfalt. Die Idee, die im stillen Kämmerlein begann, hat es mittlerweile sogar bis nach China und in einen Sexshop geschafft.

"Eine Stadt, ein Verein. Gegen Rassismus, Faschismus, Homophobie." Diese ebenso einprägsamen wie ausdruckstarken Worte sieht man derzeit im Frankfurter Stadtbild immer öfter. Sie hängen in Sticker-Form an Laternen, Stromkästen oder Ampeln. Besonders oft rund um das Stadion von Eintracht Frankfurt, immer öfter aber auch in anderen Städten in der ganzen Republik. Einige sogar weit über die Landesgrenzen hinaus.

"Sticker sind ein super Medium, das ist die Sprache der Straße", fasst Sebastian Braun, der Mann hinter den Aufklebern, seine Idee im Gespräch mit dem hr-sport zusammen. "Jeder läuft vorbei – Jung oder Alt, Schwarz oder Weiß, Arm oder Reich. Das ist ein toller Weg, ein Statement zu setzen."

Eintracht Sticker

Die Eintracht und Frankfurt stehen für Vielfalt

Das Statement, das der 32-Jährige verbreiten will, ist klar: Die Stadt Frankfurt, in der Menschen aus 180 verschiedenen Nationen leben, und der Club Eintracht Frankfurt mit Profis aus insgesamt 17 Ländern stehen für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz. Ausgrenzung und Fremdenhass haben in den Straßen und in der Kurve keinen Platz.

Der oft skandierte Fangesang "Eintracht Frankfurt International" sollte mehr sein als der Ausdruck von der Lust auf die Europa League. Für Braun ist er ein zu bewahrendes Lebensgefühl. "Wenn man unsere Mannschaft oder die Fans sieht, muss doch jeder verstehen, dass es Quatsch ist, gegen Ausländer zu hetzen." Genau so ist es aber nicht immer.

30 Jahre nach Anthony Yeboah

Die Wahlerfolge der AfD, der Mord an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) oder der allgemein zunehmende Rechtsruck in der Gesellschaft haben Braun dazu bewegt, etwas zu unternehmen. Nach zahlreichen Diskussionen in der Kneipe oder dem Stadion merkte der studierte Politikwissenschaftler, dass die Mehrheit der Eintracht-Fans die oft propagierten Werte vertritt.

30 Jahre nach den Anfeindungen gegen Anthony Yeboah sind aber noch längst nicht alle mit der Multikulti-Bewegung einverstanden, wie nicht zuletzt bei vereinzelten Schmähgesängen gegen die Homo-Ehe beim Heimspiel gegen Racing Straßburg deutlich wurde.

 "Von den 50.000 Zuschauern im Stadion ist nicht jeder weltoffen", so Braun. "Aber es gibt eine gemeinsame Basis, auf der man aufbauen und sich unterhalten kann." Und genau an dieser Stelle kommen die Sticker ins Spiel.

#Frankfurt und die #SGE stehen für Vielfalt & Weltoffenheit. Wir stehen zusammen, denn #wirsindmehr . Wer hat noch keine Sticker, wer will mehr? Privatnachricht an mich, Sticker für "n Appel unn n Ei". Teilt es, tragt die Nachricht in die Welt! ♥️🖤 Foto: @bembeladlerbub

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Die 25.000-Sticker-Marke wackelt

Sie unterstreichen die Gemeinsamkeiten der Fans, sensibilisieren und weisen gleichzeitig auf die noch immer vorhandenen Unterschiede in der Weltanschauung hin. Im Club und in der Stadt spielen Herkunft, Religion oder Aussehen keine Rolle. Ausgrenzungen oder Anfeindungen darf es nicht geben.

"Je mehr Leute diese Botschaft verbreiten, desto besser", so Braun, der aus diesem Grund im September auf die Idee seiner Sticker kam. Mit astreinen Paint-Kenntnissen und anschließender Hilfe eines Bekannten entwarf er ein Design und ließ einige Exemplare drucken. 1.000 Stück waren es am Anfang, inzwischen es ist das Zwanzigfache. "Ich habe 20.000 Sticker in Umlauf gebracht. 5.000 weitere sind bestellt."

Eine Idee geht um die Welt

Nachdem Braun die Aufkleber zunächst im Stadion und an Freunde verteilte, kann er sich inzwischen vor Anfragen fast nicht mehr retten. Mit Hilfe des Schneeballeffekt-Mediums Twitter und der Unterstützung einiger regional bekannter Prominenter wie Jan-Aage Fjortoft wurde sein Projekt immer bekannter und zeitintensiver. "Das war mal mein Projekt, jetzt ist es das Projekt von ganz vielen."

Sticker Sexshop

An ein persönliches Ausliefern ist längst nicht mehr zu denken, Interessierte können die Sticker zum Selbstkostenpreis bestellen und bekommen sie dann zugeschickt. In einer Bockenheimer Kneipe und in einem Sexshop in Bornheim liegt Brauns Ware zudem zum Mitnehmen aus. "Sowas hätte ich mir nie träumen lassen."

Sticker in Budapest und China

Anfragen bekommt der gebürtige Frankfurter dabei nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet oder der direkten Umgebung. Auch Eintracht-Fans aus München, Berlin oder dem Ruhrgebiet haben Exemplare geordert und um die Welt getragen. Aufnahmen zeigen die Braunschen Sticker in Budapest und China, ein Aufkleber hat es sogar in die Hände eines Fans des SC Freiburg geschafft.

"Es haben sich Freundschaften und viele interessante Diskussionen mit anderen Fanlagern gebildet. Ich bekomme viel positives Feedback", so Braun. Dank seiner Sticker ist Rassismus ein Gesprächsthema. "Dafür hat sich der Aufwand gelohnt."

Eintracht Sticker