Die Spieler von Eintracht Frankfurt beim Jubel

Geisterspiele, Rekorde, der Traum von der Königsklasse: Eintracht Frankfurts Saison gleicht einer Achterbahnfahrt. Am Ende steht ein fünfter Platz, der sich noch nicht so anfühlt. Für mehr, das zeigt der Saisonverlauf, waren die Hessen nicht konstant genug.

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EIntracht PK
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Man kann es sich ja kaum noch vorstellen, aber als die Saison im September 2020 angepfiffen wurde, waren sage und schreibe 6.500 Fans im Frankfurter Stadtwald. Der Einlass war streng getaktet, auf den Rängen herrschte Maskenpflicht und Essen und Getränke gab es auch nicht. Dafür ein wenig hartes Brot auf dem Feld: Eintracht Frankfurt mühte sich gegen den Aufsteiger Arminia Bielefeld zu einem mageren 1:1 zum Auftakt.

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So berauschend die Spielzeit 2020/21 von Eintracht Frankfurt zeitweise war, so dröge ging sie los. Siegen gegen Hertha und Hoffenheim (beide Spiele ebenso noch vor Fans) folgte eine Serie von neun Spielen ohne Sieg, dafür mit zwei Niederlagen und sage und schreibe sieben Unentschieden – mit dem unrühmlichen 3:3-Remis im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach als Höhepunkt, in dem die Hessen in der Nachspielzeit noch zwei Gegentore kassierten.

"Enttäuscht, frustriert, sauer, wütend"

Und so war die Eintracht-Welt im Dezember eher eine graue, die Hessen lagen auf Platz zehn, eine Saison im drögen Mittelmaß drohte. Aymen Barkok, dessen wunderbareres Solo-Tor gegen Gladbach nicht gereicht hatte, brachte die Stimmung auf den Punkt: "Enttäuscht, frustriert, sauer, wütend". Zeitweise wackelte dem Vernehmen nach sogar Trainer Adi Hütter.

Hütter jedoch fiel rechtzeitig ein Gegenmittel zur spielerischen Ideenlosigkeit ein, die seine Mannschaft vor allem in den Spielen gegen kleinere Gegner gezeigt hatte. Aus der Not heraus, Stürmer Bas Dost verließ die Hessen im Winter gen Belgien, setzte Hütter fortan auf eine Doppelzehn hinter der einzigen Spitze André Silva – und traf damit voll ins Schwarze. Amin Younes spielte sich auf der neuen Position zeitweise zurück in die Nationalelf, Daichi Kamada sammelte Assist um Assist, Silva erwies sich als Stürmer von gehobenem internationalen Format – und die Eintracht verlor bis Ende Februar kein Spiel mehr.

Plötzlich stehen die Zeichen auf Champions League

Emotionale Höhepunkte gab es im Frühjahr entsprechend genug. Zunächst ging Kapitän David Abraham von Bord, erstaunlicherweise ohne eine sportlich allzu große Lücke zu reißen. Mit der Rückkehr von Luka Jovic auf Leihbasis aus Madrid wurde aus den Europacup-Träumereien dann plötzlich eine echte Perspektive, zumal rechtzeitig mit der Jovic-Rückkehr auch Filip Kostic zu seiner Form zurückfand - und sich aufschwang, unglaubliche 17 Torvorlagen zu geben, womit er mit Eintracht-Legende Uwe Bein gleichzog, der 1992/93 ebenso viele Assists gegeben hatte.

Und die Eintracht besiegte plötzlich auch die großen Klubs. Das furiose 2:1 gegen Bayern München hätte vollbesetzte Ränge verdient gehabt, und als sogar Borussia Dortmund und der VfL Wolfsburg besiegt wurden und die Eintracht sieben Punkte Vorsprung auf den fünften Rang hatten, standen die Zeichen klar auf Champions League.

Dann kam der Bruch

Dann kam der Bruch. Ausgerechnet nach dem Spiel gegen Wolfsburg und vor der Partie gegen Borussia Mönchengladbach verkündete Hütter seinen Wechsel zu ebenjenen Gladbachern – und das entgegen seiner Beteuerung vier Wochen zuvor, als er live im Fernsehen gesagt hatte: "Ich bleibe." Im ohnehin unruhigen Umfeld kam das gar nicht gut an.

Anfang März hatte schon Sportvorstand Fredi Bobic seinen Abschied bekannt gegeben, auch das nicht eben geräuschlos. Doch während Bobics Abschied an der Mannschaft vorüberging, kam sie nach Hütters Kehrtwende ordentlich ins Stottern. In Gladbach gab es direkt ein 0:4, und auch ein Sieg im folgenden Spiel gegen Augsburg konnte den Trend nicht umkehren: Nach Niederlagen gegen Leverkusen und Schalke und einem Remis gegen Mainz war der Champions-League-Platz futsch – und eine historische Chance vergeben.

Gedämpfte Stimmung trotz Platz fünf

Entsprechend gedämpft ist die Stimmung rund um den Klub auch am Ende der Saison wieder. Und das trotz der besten sportlichen Leistung seit Jahren, Silvas Torrekord von 28 Treffern, einer Saison ohne eine einzige Heimniederlage und Platz fünf und dem damit verbundenen Einzug in die Europa League. Der ist aller Ehren wert, doch noch überwiegt bei vielen die Enttäuschung, schließlich war mehr drin.

Die Saison ging gegen den SC Freiburg ohne Zuschauer zu Ende, die 6.500 Fans aus dem vergangenen September sind aktuell noch nicht möglich. Im August geht die neue Saison los, hoffentlich mit Fans, ganz sicher aber mit vielen neuen Gesichtern. Und einer Europacup-Teilnahme, über die man sich dann, mit ein wenig Abstand, wird freuen können.