Chandler Mainz

Eintracht Frankfurt strauchelt erneut im Rennen um die Champions League. Die Kritik am Trainer wird lauter - und ausgerechnet zwei Mainzer sorgen für Hoffnung bei der Eintracht. Die Analyse in fünf Punkten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Haben teilweise über unsere Verhältnisse gespielt"

Adi Hütter
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Eintracht Frankfurt ist mit einem 1:1 gegen Mainz auf Platz fünf und damit aus den Champions-League-Rängen gerutscht. Karim Onisiwo für Mainz (11.) und Ajdin Hrustic (85.) trafen ins Tor. Die Offensive der Frankfurter kam zu spät. Jetzt müssen sie auf die Mainzer hoffen, die gegen Frankfurts Konkurrenz spielen.

1. Die Leichtigkeit ist dahin - seit dem Hütter-Wechsel

Als Erik Durm zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Einwurf missriet, erzählte diese Szene sehr viel von der Verspanntheit der Eintracht. Noch vor wenigen Wochen war die Mannschaft über die beste Defensive der Liga, jener vom VfL Wolfsburg, hinweggefegt. Im Spiel gegen Mainz reihten sich Fehlpässe und Missverständnisse aneinander. Das begann schon in der elften Minute, als ausgerechnet dem "Oldie" Makoto Hasebe ein folgenschwerer Rückpass unterlief, der den 0:1-Rückstand einleitete. Die neue Last im Spiel der Eintracht ist seit der Verkündung des Weggangs von Trainer Adi Hütter zu bemerken. Auch wenn alle Verantwortlichen das Gegenteil behaupten, so scheint der Wechsel des Übungsleiters doch Spuren hinterlassen zu haben.

Für Aufregung sorgte Hütter nach der Partie, als er am ARD-Mikro über die Saison sagte: "Wir haben teilweise über unsere Verhältnisse gespielt, sicherlich auch an der Obergrenze. In dem einen oder anderen Spiel hatten wir Glück, ich denke da auch an das Spiel gegen Wolfsburg zu Hause." Damit hatte Hütter zweifelsohne Recht: Die Eintracht holte das Maximum aus sich heraus, entschied 50:50-Spiele wie gegen Wolfsburg oder Dortmund zu ihren Gunsten. Allerdings ist der Zeitpunkt für eine solch nüchterne Bestandsaufnahme ungünstig: In der entscheidenden Saisonphase reden Trainer ihr Team für gewöhnlich stärker, als es ist - um die entscheidenden Prozentpunkte herauszukitzeln.

2. Die Aufstellung sorgt für Fragen

Auch bei der Aufstellung muss sich Hütter kritische Fragen gefallen lassen. Er stellte Makoto Hasebe in die Abwehrzentrale, doch der "Oldie" erwischte einen eher durchwachsenen Tag. Zudem konnte Martin Hinteregger auf links nicht so hoch schieben, wie es sonst der gesperrte Evan N'Dicka praktiziert hat. Die Folge: Filip Kostic kam vor Hinteregger zu selten bis an die Grundlinie, von der er üblicherweise seine gefährlichen Flanken schlägt. Besonders aber die Entscheidung, zum wiederholten Male auf Amin Younes zu verzichten, sorgte bei vielen Fans für Kopfschütteln.

Die Doppelzehn mit Daichi Kamada hatte für so manche Gala gesorgt, doch seit Younes' Rückkehr von der Länderspielreise findet sich der Mittelfeldmann auf der Bank wieder. Hütter begründete die Entscheidung auch nach dem Spiel mit der Verletzung von Younes. In einem Interview mit der FAZ hatte der Spieler aber unlängst festgestellt, dass er fit sei. Gerade gegen die kompakten Mainzer hätte die Eintracht Younes' Geistesblitze viel eher gebrauchen können. In der 85. Minute leitete der Joker dann das 1:1 ein.

3. Die Entschlossenheit fehlt

Zwar lobte Hütter sein Team dafür, bis zum Schluss auf den Ausgleich gedrängt zu haben, aber: Das 1:1 verdankte die Eintracht dem "Zirkus-Tor" von Ajdin Hrustic. Bis dahin wirkten die Angriffe viel zu uninspiriert, es fehlte der unbedingte Wille. Noch beim 2:1-Sieg in Dortmund war Kostic einem eigentlich "toten Ball" nach der Rettungstat des Dortmunders Mats Hummels hinterhergesaust und hatte die Kugel zum 2:1 in den Strafraum gelegt.

Derlei Determiniertheit war am Sonntag erst nach dem Ausgleichstor zu sehen. Gegen die dicht gestaffelten Mainzer hätte ein Champions-League-Team viel häufiger den Weg über die Flügel oder über Dribblings gesucht. Frankfurt aber spielte sich Mal um Mal in der Defensive fest. Während der Partie waren vor allem die Kommandos und Motivationsrufe der Mainzer zu hören, die auch von der Körpersprache her ganz anders als die Frankfurter auftraten.

4. Zwei Frankfurter sind die Sieger - beim FSV Mainz 05

Mit Dominik Kohr und Danny da Costa spielten zwei Mainzer gegen den Verein, bei dem sie eigentlich noch angestellt sind. 05-Trainer Bo Svensson befürchtete vor dem Spiel keinen Gewissenskonflikt: "Die Jungs sind Profis und werden ihr Spiel durchziehen." Er sollte Recht behalten: Kohr und da Costa zeigten, warum auch die Eintracht auf beide Jungs große Stücke gehalten hatte.

So mancher Beobachter hätte sich die Mainzer Leiharbeiter am Sonntag im Adler-Trikot gewünscht. Doch die Abgänge der beiden im Winter waren nachvollziehbar, sie passen einfach gerade sehr gut in eine wiedererstarkte Mainzer Mannschaft - und sind damit auch Frankfurter Hoffnungsträger.

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5. Was macht der Eintracht Hoffnung?

So abgeklärt und strukturiert, wie die Mainzer am Sonntag gespielt haben, treten sie schon in der gesamten Rückrunde auf. Sie werden auf diese Art wohl ihre sensationelle Aufholjagd mit dem Klassenerhalt krönen. Am Sonntag bekundeten Spieler und Verantwortliche, dass sie sich trotz ihrer komfortablen Position nicht werden hängen lassen. Und damit könnten sie auch der Eintracht helfen, denn Mainz spielt noch gegen die Champions League-Konkurrenz aus Dortmund und Wolfsburg.

"Dortmund hat auch noch zwei unangenehme Spiele vor der Brust", sagte Hütter nach dem Spiel. Und unangenehm sind die Mainzer in jedem Fall. Hütter klang dann auch in einem Moment wieder kämpferischer: "Wir haben den Fight noch nicht verloren." Oder wie es die Band Kettcar mal mit einem EP-Titel ausdrückte: "Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende."