Luka Jovic und Adi Hütter

Seit seiner vielumjubelten Rückkehr zur Frankfurter Eintracht ist es ruhig geworden um Luka Jovic. Im Bundesliga-Endspurt soll der Stürmer jetzt aber zur Geheimwaffe auf dem Weg in die Champions League werden.

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Heimspiel vom 15.03.2021
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Der Körper eines Fußballspielers ist ja bekanntlich sein Kapital. Bemerkenswerter als diese Erkenntnis ist aber die Tatsache, in welch erstaunlicher Präzision sich dieses Arbeitsutensil auf die exakten Alltagsbelastungen anpassen lässt. Da rennt und sprintet ein durchschnittlicher Bundesliga-Profi Woche für Woche scheinbar mühelos 90 Minuten das Spielfeld rauf und runter - aber wehe, eine Partie geht mal in die Verlängerung: Spätestens ab Minute 100 sind Krämpfe vorprogrammiert. Für derlei Überstunden ist das fußballerische Uhrwerk schlicht nicht ausgerichtet.

Wie kalkulierbar diese körperlichen Rechnungen in der immer komplexeren Trainingssteuerung aufgehen, wird sich bei der Frankfurter Eintracht nun am Beispiel Luka Jovic zeigen. Der mit großen Erwartungen, noch größeren Emotionen, aber auch Fitnessproblemen im Januar von Real Madrid zurückgekehrte Stürmerstar scheint bisher genau jenen Prognosen zu unterliegen. Zwar ließ Jovics umjubeltes Doppelpack-Comeback gegen Schalke 04 darauf hoffen, dass in Frankfurt die Uhren mal wieder anders gehen. Letztlich war es aber nur die Anfangseuphorie, und das Toreschießen fällt gegen Schalke derzeit ja ohnehin etwas leichter.

Noch keine echte Alternative

Gebetsmühlenartig wiederholt Trainer Adi Hütter seither seine immergleichen Antworten auf die immergleichen Fragen. "Er braucht noch ein bisschen", sagt der Coach auf eine zeitnahe Leistungsexplosion seines "Weltklassestürmers" angesprochen: "Ich lasse mir auch nicht reinreden, wann er spielen muss." Die fehlende Matchpraxis aus Madrid führt zu Defiziten in Jovics körperbetonter Spielweise. Das Uhrwerk ist noch außer Takt.

Im Januar und Februar ist der 23-Jährige so keine echte Alternative. In Kurzeinsätzen kann sich Jovic bei den Siegen gegen Hertha, Hoffenheim oder Köln kaum in Szene setzen. Auch als im Heimspiel gegen Bayern München am 20. Februar der gesetzte Sturmrivale André Silva kurzfristig ausfällt, kann der Serbe seine Startelf-Feuertaufe nicht nutzen. Für den 2:1-Triumph gegen den Rekordmeister - der bis dato letzte Sieg der Hessen – zeichnen wie schon in den Wochen zuvor andere verantwortlich. An Jovic läuft das Spiel größtenteils vorbei.

Das Timing stimmt

Doch während in der Öffentlichkeit bereits leise Zweifel am Nutzen der halbjährigen Leihe aufkommen, bleiben die Eintracht-Verantwortlichen weiter gelassen. Mitte bis Ende März, so heißt es zum internen Fitness-Zeitplan, soll Jovic wieder zur Hochform auflaufen. "Dass Luka nicht auf Dauer als Reservist hierhergekommen ist, das wissen wir", sagt Hütter, "wir wissen aber auch genau, wann der richtige Zeitpunkt ist." Und dieser wäre genau jetzt.

Da kommt es dem Trainer fast schon zupass, dass er seine Mannschaft im kommenden Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Union Berlin auch in der Offensive notgedrungen umstellen muss. Denn neben Verteidiger Tuta handelt sich am vergangenen Wochenende beim 1:1 in Leipzig auch Spielgestalter Amin Younes die fünfte gelbe Karte ein. Es würde überraschen, wäre nicht Jovic der Nutznießer der Rotation, zumal der positionsgetreue Younes-Ersatz Aymen Barkok nach den Verletzungen von Erik Durm und Almamy Touré auch auf der rechten Außenbahn gebraucht wird.

Geheimwaffe zur Königsklasse

Es ist die perfekte Gelegenheit für Jovic zu zeigen, was er noch kann. "Ich bin noch nicht auf dem Niveau, das ich von mir gewohnt bin", gibt der 23-Jährige Anfang März zu Protokoll. Ein wenig fehlt da weiterhin bis zum körperlichen Maximum. Doch schon in den folgenden Partien gegen Stuttgart und Leipzig zeigt seine Formkurve nach oben. Jetzt, Mitte März, soll es soweit sein.

Dem zuletzt leicht ins Stocken geratenen Kombinationsfußball der Frankfurter kann genau diese Dynamik und Physis des serbischen Strafraumknipsers guttun, auch wenn Hütter sein System dafür wohl auf zwei Spitzen umstellen muss. Schließlich führt auch an Sturmpartner Silva kein Weg vorbei. Doch mehr taktische Varianten stellen auch die Gegner vor größere Schwierigkeiten, sich auf das Spiel der Hessen einzustellen.

Mit einem Sieg am Samstag gegen Union wäre der Eintracht der Einzug in den Europapokal kaum noch zu nehmen. In den danach verbleibenden acht Partien bis Saisonende bliebe dann die Champions League als ganz großes Ziel. Zur Geheimwaffe auf dem Weg in die Königsklasse soll dabei Königstransfer Jovic werden. Viel pünktlicher könnte das Uhrwerk kaum in Bewegung kommen.