Eintracht-Abwehrchef Martin Hinteregger stand bislang in jedem Pflichtspiel auf dem Feld.

Martin Hinteregger spielt bei Eintracht Frankfurt und im Nationalteam von Österreich trotz Schulterverletzung eine wichtige Rolle. Wie lange geht das gesundheitlich noch gut?

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Audioseite Hinteregger im Dauereinsatz jetzt mit Kreislauf-Problemen

Martin Hinteregger liegt im Spiel gegen Fenerbahce verletzt am Boden.
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Martin Hinteregger hat sich den Ruf erarbeitet, dass ihn so schnell nichts aus der Bahn werfen kann. "Hinti Beinhart", der Unverwüstliche. Der Publikumsliebling von Eintracht Frankfurt hatte sich im Europa-League-Duell gegen Fenerbahce Istanbul eine Verletzung an der rechten Schulter zugezogen – und seitdem dennoch keine Spielminute verpasst. "Martin ist einer, der auf die Zähne beißt. Bei ihm muss das Bein schon schief wegstehen, dass er mal nicht spielt. Er ist da ein Vorzeigeprofi", sagte Trainer Oliver Glasner noch Mitte September.

Eintracht und Hinteregger wandeln auf schmalem Grat

Heroischer Vorzeigeprofi – oder einfach nur unverantwortlich? Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Eintracht in der Causa Hinteregger wandelt – genauso wie das österreichische Nationalteam. Am Samstag erlitt der Linksfuß in der WM-Qualifikation zwischen Österreich und den Färöer Inseln einen gesundheitlichen Rückschlag. Nach 65 Minuten ging es nicht mehr weiter, für ihn kam Bundesliga-Kollege Stefan Posch zum Einsatz. Nationaltrainer Franco Foda erklärte nach Spielende: "Hinteregger hatte schon die ganze Woche Probleme mit der Schulter, ihm wurde dadurch schwindelig."

Österreich steht am Dienstagabend vor einem Schlüsselspiel in Dänemark. Hinteregger soll mitwirken, grünes Licht gab es bislang aber noch keines. Wie die Eintracht auf Nachfrage des hr-sport bestätigte, geht es dem Abwehrmann aber gut. Hinteregger nahm die Auswechslung beim Stand von 2:0 als Vorsichtsmaßnahme wahr. Die Probleme sind dennoch nicht zu unterschätzen, sie traten zuletzt schon einmal auf. "Martin hat auf dem Rückweg Probleme mit dem Kreislauf gehabt", sagte Glasner bereits nach dem Sieg in Antwerpen vor rund zwei Wochen.

Hintereggers offener Umgang mit der Verletzung

Der 29-Jährige ging insgesamt sehr transparent mit seiner Verletzung um und postete auf Instagram von sich bei der Behandlung der Schulter: "Sagen wir's so: Die wird eh wieder. Zwei Bänder sind durch und ich habe eine Schulterläsion."

Läsion ist dabei der Fachbegriff, der unter anderem Schädigung oder Störung bedeutet. Es handelt sich dabei um eine ganze Reihe schmerzhafter Veränderungen im Weichteilmantel um das Schultergelenk und des Gelenkkörpers. Beim Normalbürger zieht eine solche Verletzung wochenlange Pausen nach sich, kleinere Alltagsbewegungen sind erst nach Tagen möglich. Ein Spiel auf Bundesliganiveau? Ohne Schmerzmittel nicht möglich.

Kreislaufprobleme als Folge der Schulterverletzung?

"Im Profisport machst du manchmal Sachen, die nicht unbedingt das Beste für deine Gesundheit sind", gab Glasner nach der Partie in Wolfsburg zu. Hinteregger war einige Male in kernige Duelle mit Stürmer Wout Weghorst verwickelt, hielt aber durch. "Martin hat mittlerweile die meisten Spielminuten aller Eintracht-Spieler absolviert", stellte der Trainer zuletzt fest. Hinteregger erhält keine Pause, einzig im DFB-Pokal in Mannheim musste er nach Platzverweis vorzeitig vom Platz gehen.

Doch wie lange hält sein Körper noch durch? Nicolas Gumpert, Facharzt für Orthopädie und Sportmediziner in Frankfurt, erklärte im Gespräch mit dem hr-sport: "Die Schulter wird von drei Bändern gehalten. Wenn allerdings die beiden unwichtigeren Bänder betroffen sind, dann hat die Schulter dennoch die nötige Stabilität." Für einen Arzt sei dies eine "Mischkalkulation", wie Gumpert sagte: "Der Sportler möchte natürlich immer spielen. Aber wenn der Gegenspieler von der Verletzung weiß, dann stellt das ein erhebliches Risiko dar."

Sportmediziner sieht ein "erhebliches Risiko" bei Hinteregger

Die Schwindelattacken hängen zwar nicht spezifisch mit der Schulterverletzung zusammen, doch allgemein gelte, "dass sich trotz Schmerzmitteln durch die Bewegungen ein gewisser Schmerzpegel aufbaut und der Spieler dann Kreislaufprobleme bekommt". Gumpert bezeichnete diese Reaktion als "Selbstschutz des Körpers", die Auswechslung lasse sich dann nicht mehr vermeiden.

Die Hessen stecken somit in der Zwickmühle. Einerseits täte Hinteregger eine Pause sehr gut. Andererseits ist er als stellvertretender Kapitän und unumstrittener Leistungsträger, der in wichtigen Momenten vorangeht und beispielsweise in München seinen Fehler sofort per Kopfballtor korrigierte, unersetzlich.

Gesundheitstechnische Fragezeichen

Bei den Bayern brach mit Makoto Hasebe und Evan N'Dicka die halbe Abwehrreihe weg, weshalb Glasner nicht auch noch auf Hinteregger verzichten wollte. Doch die Entscheidung, ihn permanent durchspielen zu lassen, lässt gesundheitstechnisch einige Fragen offen - "Hinti Beinhart" hin oder her.