Koen Casteels fängt den Ball vor Sébastien Haller ab - die Eintracht hatte es schwer im Heimspiel gegen Wolfsburg.
Koen Casteels fängt den Ball vor Sébastien Haller ab - die Eintracht hatte es schwer im Heimspiel gegen Wolfsburg. Bild © Imago

Seit Monaten begeistert Eintracht Frankfurt die Bundesliga mit Angriffsfußball. Das Problem daran: Überraschend kommt der Erfolg der Hessen nicht mehr. Mit der Wahrnehmung des Clubs ändert sich auch die Spielweise der Gegner.

Es ist schon beeindruckend, wie die Eintracht wenige Monate nach dem Umbruch unter neuem Trainer und mit verändertem Personal dasteht. Statt wie von vielen befürchtet gegen den Abstieg zu spielen, ist Frankfurt als Fünfter der Tabelle nach 13 Spieltagen dick im Geschäft – und offensiv so erfrischend wie kaum ein anderes Team in Europa. Mit 30 Toren stellt das Hütter-Team die zweitbeste Offensive der Liga, dazu kommt mit Luka Jovic (10 Treffer) der erfolgreichste Schütze und Sébastien Haller (8 Assists) der beste Vorlagengeber.

Diese Zahlen zeigen: Im Frankfurter Stadtwald spielt ein Spitzenteam. Das dürfte sich dank der begeisternden Auftritte in der Europa League auch bis nach London und Rasgrad herumgesprochen haben. In der Bundesliga, wo mehr als ein Drittel der Saison schon Geschichte ist, weiß das sowieso jeder. Und genau da liegt das Problem, mit dem sich Hütter und seine Co-Trainer in den kommenden Monaten auseinandersetzen und für das sie Lösungen finden müssen. Naiv geht niemand mehr ins Spiel gegen diese Eintracht.

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Die Gegner stellen sich aufs Frankfurter Spiel ein

So wie Wolfsburg, das mit einer nüchternen Leistung am Wochenende mit 2:1 in Frankfurt gewann, dürfte künftig die Mehrzahl der Mannschaften aus der mittleren Tabellenregion und den unteren Gefilden gegen die Hessen auftreten: defensiv, abwartend und mit schnellem, schnörkellosem Umschaltspiel nach Ballgewinn - wenn nötig auch mit "langem Hafer", um dem Frankfurter Dauerpressing zu entfliehen.

Das birgt für die Eintracht Schwierigkeiten. Bislang war Frankfurt dann am Gefährlichsten, wenn Haller die Bälle gegen aufgerückte Mannschaften zu den Tempospielern auf den Außenbahnen weiterleiten konnte und diese mit Wucht und Geschwindigkeit durchbrachen. Doch lauert der Gegner mit einer engmaschigen Defensive am eigenen Strafraum, geht Rebic, Kostic und Co. schlicht der Rasen aus. Gefordert sind spielerische Lösungen und in solchen Fällen vor allem: Geduld.

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Alles eine Frage des Tempos

Auf der anderen Seite wird Hütter im Training vermehrt die Konzentration auf das Verteidigen von Kontersituationen legen. Gegen Wolfsburg, als es jeweils nach Ballverlusten klingelte, sah der Österreicher "zwei sehr einfache Tore, die man besser verteidigen kann". Ein Faktor neben individuellen Aussetzern, wie etwa dem Ballverlust Gacinovics vor dem 0:2, ist hierbei die Geschwindigkeit. Ist die Eintracht selbst weit aufgerückt, werden die Wege für die Abwehrkette in der Rückwärtsbewegung unvermeidlich länger. Hier offenbarte gegen die Wölfe Marco Russ altbekannte Speed-Defizite - und vor dem ersten Gegentor auch im Stellungsspiel.

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Adi Hütter in der PK

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Während mit David Abraham der sprintstärkste Abwehrspieler noch für unbestimmte Zeit ausfällt, könnte gegen die Hertha Carlos Salcedo für Abhilfe sorgen. Der Mexikaner "brennt" nach dreimonatiger Verletzungspause auf seinen Einsatz, wie Hütter kürzlich verriet. Darüber hinaus ist der 25-Jährige deutlich schneller als Russ (33) und Alterspräsident Makoto Hasebe (34), der seine glänzende Verteidigung stärker über Auge und Kopf regelt als über die Beine.

Grundsätzlich ist es mit der Eintracht aber wie mit so vielen Spitzenmannschaften: Nutzen die Frankfurter im Gegensatz zum Spiel gegen Wolfsburg in Berlin eine ihrer frühen Chancen, muss der Gegner wohl oder übel irgendwann aufmachen. Dann entscheidet am Ende, so ist das nun mal im Fußball, die Qualität über Sieg und Niederlage. Und die ist in Frankfurt unbestrittenermaßen im hohen Maße vorhanden.