Frankfurts Stadionsprecher Andre Rothe
André Rothe (li.) und seine langjährige Weggefährtin Frau Rauscher. Bild © Imago

Nach 18 Jahren als Eintracht-Stadionsprecher greift André Rothe beim Supercup zum letzten Mal zum Mikro. Im Rückblick erzählt er von Partynächten mit Bernd Schneider, seinem Pokaltrauma und der angeblichen Liaison mit Frau Rauscher.

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Andre Rothe

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rothe: "Die schönsten Anekdoten sind die, die auch die Fans erzählen"

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Seit der Saison 1997/98 gehört die Stimme von André Rothe zu jedem Heimspiel der Frankfurter Eintracht dazu. Beim Supercup am Sonntag wird er letztmals das Halbzeitspiel leiten und mit Frau Rauscher flirten. Vorher blickt er aber auf die schönsten, bittersten und aufregendsten Spiele zurück.

hr-sport: André Rothe, am Sonntag ist dein letztes Spiel als Stadionsprecher der Eintracht. Was überwiegt – Trauer über das Ende oder Vorfreude auf die Bayern?

Rothe: Ganz klar die Vorfreude. Nachdem ich das Pokalfinale ja leider verpasst habe (Anm.d.Red.: Er steckte in Grönland fest), hoffe ich jetzt endlich mal auf einen Titel. Es wäre doch schön, sich mit dem Supercup zu verabschieden.

hr-sport: Du hast 1997 angefangen und warst jetzt insgesamt 18 Jahre lang Stadionsprecher. An welches Spiel erinnerst du dich besonders gerne?

Rothe: Das 5:1 gegen Kaiserslautern werde ich – wie viele Fans auch – natürlich nie vergessen. Besonders bemerkenswert an dem Tag war letztlich aber die Feier danach. Ich war mit der Mannschaft zusammen in Sachsenhausen, wir haben viel getrunken und Zigarre geraucht. Nur einer war dabei etwas traurig: Ein gewisser Bernd Schneider wechselte nämlich zu Leverkusen und hatte Abschiedsschmerz. Wir haben ihn alle getröstet – und zack: Danach ist er richtig durchgestartet und Nationalspieler geworden. Das war schon irgendwie putzig.

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Rothe vom hr zur Eintracht

Im richtigen Leben arbeitet André Rothe in der Sportredaktion des Hessischen Rundfunks und in zahlreichen hr-Radiowellen. Das erklärt auch den Verzicht auf die Sie-Form.

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hr-sport: Gibt es auch ein Spiel, an das du dich weniger gerne erinnerst?

Rothe: Da muss ich jetzt natürlich das Pokalfinale 2018 nennen, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte. Der Tag an sich war hart, die Tage danach auch. Letztlich muss man es aber natürlich aufwiegen und sagen: Ich hatte 18 geile Jahre und ein verpasstes Spiel. Dass das jetzt natürlich die Krönung der Zeit gewesen wäre, damit muss ich leben. Genau wie mit den Frotzeleien, dass der Rothe keine Titel gewinnen kann. Aber ich habe ja auch diverse Aufstiege und Nichtabstiege erlebt. Von daher ist alles in Ordnung.

hr-sport: Und du warst ja trotzdem bei immerhin zwei DFB-Pokalfinals dabei. Wie war das?

Rothe: Vor allem das Finale 2017 war wohl der größte Moment bei der Eintracht: Als die Living Legends Bernd Hölzenbein, Jürgen Grabowski und Charly Körbel da unten neben mir standen und Tankard spielte. Da habe ich in diese gigantische Kurve geschaut und mir nur gedacht: Wie geil ist das denn jetzt? Das ging runter wie Öl, da hätte wohl jeder Eintracht-Fan gerne mit mir getauscht.

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Grönland statt Pokalfinale

Warum André Rothe das Pokalfinale 2018 verpasste und das große Spiel am Fernseher verfolgen musste, können Sie hier noch einmal nachlesen.

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hr-sport: Apropos Fans: Wie ist dein Verhältnis zur Kurve?

Rothe: Von meiner Seite aus war und ist das gut. Ich habe immer gesagt: Das Wichtigste sind die Fans, die machen die Stimmung und stehen im Vordergrund. In Mainz ist das zum Beispiel andersrum, da macht der Stadionsprecher das und stachelt alle an. Das ist nicht mein Ding, deswegen ist das Verhältnis – glaube ich – ungetrübt. Ich habe 1997 angefangen, ich bin also mit den Ultras groß geworden. Und die Ultras sind mit mir groß geworden. Wir unterhalten uns, es gab nie Probleme. Die Fans haben viel zu Siegen beigetragen, ohne sie würde es trostlos aussehen.

hr-sport: Wirst du auf der Straße erkannt und angesprochen?

Rothe: Nein, überhaupt nicht. Wenn ich die hr-Jacke anhabe, erkennt man mich. Wenn nicht, bin ich wie der Schlagzeuger von Coldplay. Jeder kennt die Musik, jeder kennt die Band. Aber wenn der Schlagzeuger über die Straße geht, den stoppt keiner. So geht es mir auch.

hr-sport: Zukünftig könntest du noch näher bei den Fans sein. Wo wirst du die Spiele der Eintracht gucken?

Rothe: Ich hoffe natürlich, dass ich hin und wieder mal eine Karte von der Eintracht bekomme. Ansonsten schaue ich mir das in der Kneipe an. Das wird sich die Waage halten. Aus den Augen, aus dem Sinn wird es nicht geben. Ich bin natürlich in all den Jahren ein echter Fan geworden und hänge auch im Urlaub immer am Handy und checke die Ergebnisse. Für den Europapokal habe ich mich bereits im Stadion angekündigt.

hr-sport: André, Hand aufs Herz: Gibt es neben der Eintracht eigentlich noch einen anderen Verein, dem du die Daumen drückst?

Rothe: Den gibt es, und das ist auch kein Geheimnis: Mein Herz schlägt auch für den 1. FC Magdeburg und ich freue mich natürlich wie Bolle, dass die jetzt in der 2. Liga spielen. Ich habe vor Jahren mal in einem Interview gesagt, dass mein größter Traum ein Spiel zwischen der Eintracht und Magdeburg in der Bundesliga ist. Die Eintracht hat ihren Job immer erfüllt, jetzt wird Zeit, dass Magdeburg das auch macht.

hr-sport: Kommen wir zur letzten und wichtigsten Frage: Wie oft wirst du dich in Zukunft noch privat mit Frau Rauscher treffen?

Rothe: (lacht) Ich weiß, worauf du hinaus willst: Mir wurden ja bereits ungefähr 17 heimliche Eheschließungen mit Frau Rauscher nachgesagt. Dazu nur so viel: Ich weiß, wo sie wohnt. Ich weiß, dass sie glücklich verheiratet ist. Und das macht mich sehr froh. Wir haben uns bislang zweimal gegenseitig eingeladen und einer konnte immer nicht. Da steht es also Unentschieden und wir müssten uns tatsächlich auch mal privat treffen Aber natürlich – um Gerüchten vorzubeugen – nicht wie Heidi Klum und Herr Kaulitz. (lacht)

Das Gespräch führte Mark Weidenfeller (hr-sport)