Eintracht-Mitglieder stimmen für Peter Fischer
Präsident Peter Fischer erhält große Unterstützung von den Eintracht-Mitgliedern. Bild © picture-alliance/dpa

Der wiedergewählte Präsident Peter Fischer nutzt die Eintracht-Mitgliederversammlung für einen flammenden Appell gegen die AfD und Fremdenhass. Im Saal kommt es zu bemerkenswerten Szenen.

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Selten war eine Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt mit größerer Spannung erwartet worden. Der wochenlange Streit zwischen Präsident Peter Fischer und der AfD lockte am Sonntag nicht nur deutlich mehr Medienvertreter als üblich in die Wolfgang-Steubing-Halle, die Wiederwahl von Fischer geriet angesichts des öffentlich ausgetragenen Zoffs komplett in den Hintergrund. Alles drehte sich im Vorfeld um die Frage, ob sich Fischer tatsächlich erneut gegen die AfD äußern und welche Reaktion er damit bei der Partei provozieren würde.

Unterschriften für Fischer

Angesichts von so viel Zündstoff hatte sich schon am frühen Sonntagmorgen ein beachtlicher Stau auf dem Anfahrtsweg in Richtung Riederwald gebildet, vor der Geschäftsstelle sammelte das Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus Rhein Main" Unterschriften zur Unterstützung von Fischer. Wenige Minuten nach der offiziellen Eröffnung der Mitgliederversammlung ergriff Fischer dann erstmals das Wort. "Wir sind bei der Eintracht aufgeschlossen gegenüber allen Kulturen, Nationalitäten, Religionen und sexuellen Orientierungen", sagte er und gab damit einen Vorgeschmack auf das, was da kommen sollte.

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Thema im hr-heimspiel!

Peter Fischers Vorstoß gegen Rassismus wird auch im hr-heimspiel! am Montagabend diskutiert. Hauptansprechpartner ist Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah, der ab 23 Uhr zu Gast sein wird.

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Denn Fischer nutzte die Bühne, um sich erneut klar gegen die AfD zu positionieren. Nachdem er zunächst das 50.000. Mitglied begrüßt und Trainer Niko Kovac zur lebenslangen Mitgliedschaft gratuliert hatte, widmete sich der 62-Jährige ausführlich seiner Herzensangelegenheit. Mit ernster Stimme kam er noch einmal auf das FAZ-Interview zu sprechen, mit dem der ganze Clinch Ende Dezember angefangen hatte. Damals hatte Fischer betont, dass AfD-Wähler keine Eintracht-Mitglieder sein könnten. "Ich werde von diesen Aussagen nichts zurücknehmen", rief er. Und der Saal antwortete mit Standing Ovations.

Fast bedingungsloser Rückhalt

Fischer hatte noch nicht einmal richtig angefangen mit seinem Appell gegen die AfD und Fremdenhass, da hatte er die Zuschauer in der Halle schon komplett für sich gewonnen. Die rund 700 anwesenden Mitglieder der Frankfurter Eintracht demonstrierten eindrucksvoll, dass sie ihren Präsidenten im Kampf für Weltoffenheit nicht alleine lassen wollen und unterstützten ihn lautstark in seinen Ausführungen. Ein Sportverein verfällt wegen einer politischen Botschaft in kollektiven Jubel. Bemerkenswert. Lediglich vereinzelt blieben Mitglieder mit verschränkten Armen auf ihren Stühlen sitzen, unter ihnen ein AfD-Funktionär und einige Anhänger der Partei.

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"Die Debatte und die Reaktion einiger Leute zeigt, dass wir uns für unsere Werte einsetzen müssen", legte Fischer nach und empfahl allen Kritikern erneut einen Blick in die Vereinssatzung: Fairness, Wertschätzung, die Integration ausländischer Mitbürger – zu all dem habe sich jedes Mitglied durch die Abgabe einer freiwilligen Erklärung verpflichtet. Wem das nicht passe, der dürfe gerne wieder gehen. "Unser Wertesystem sagt klar: Wehret den Anfängen von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus", so Fischer. "Keiner wird gezwungen, Mitglied zu sein, wenn jemand dieses System nicht akzeptieren kann." Die AfD wählen und die Eintracht unterstützen? "Das ist unvereinbar!"

AfD zieht Wortmeldung zurück

Insgesamt brauchte Fischer rund eine Stunde, um seine Themenliste abzuarbeiten. Für die Abrechnung mit der AfD nahm er sich dabei mit Abstand am meisten Zeit. Immer wieder kritisierte er die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD), die ihn im Vorfeld wegen übler Nachrede und Verleumdung angezeigt und Protest auf der Mitgliederversammlung angekündigt hatte. Eine geplante Wortmeldung eines Partei-Funktionärs zog dieser nach Informationen des hr-sports jedoch im letzten Moment zurück. Begründung: Fischer habe nichts Neues gesagt und die Stimmung vor Ort sei unpassend gewesen.

Viel gemütlicher wurde es für die AfD jedoch auch nach dem Ende von Fischers Statement nicht. Zwar nahm Ehrenrats-Mitglied Max Schumacher die Wähler der Partei in Schutz und warnte vor einer vorschnellen Verurteilung. Seinem Argument, dass nicht alle AfD-Sympathisanten "Nazis und braun" seien, wurde aber prompt vereinsintern klar widersprochen.

Eine Szene mit Symbolcharakter

Der Verwaltungsrats-Vorsitzende Michael Zink ergriff nach der offiziellen Vorstellung seines Jahresberichts die Möglichkeit zu ein paar persönlichen Anmerkungen: "1932 haben elf Millionen Deutsche die NSDAP gewählt, von denen wollte vermutlich auch niemand jüdische Mitbürger ins Gas schicken", rief er. "Aber mit ihrer Stimme haben Sie es ermöglicht. Das müssen wir verhindern." Erneut tosender Applaus – eine Szene mit Symbolcharakter.

Nach den öffentlichen Statements von Peter Fischer, Vorstand Axel Hellmann, Trainer Kovac oder Kevin-Prince Boateng setzten am Sonntag auch die Fans und weitere Vereinsverantwortliche ein Zeichen. Die Eintracht wehrt sich gegen Fremdenhass. Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung haben in diesem Verein nichts verloren. "Unter mir als Präsidenten wird sich das auch nie ändern", versprach Fischer, ehe mit der überwältigenden Mehrheit von 99 Prozent wiedergewählt wurde. Gegenstimmen gab es übrigens auch: genau sechs.

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