Filip Kostic von Eintracht Frankfurt

Ein Alleinunterhalter und viele Mitläufer: Die Offensive von Eintracht Frankfurt war in der vergangenen Saison zu leicht auszurechnen. Wie unser Statistik-Check belegt, sollte vor allem Bas Dost sein Spiel überdenken.

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Die wohl längste und seltsamste Saison der Bundesliga-Geschichte ist Vergangenheit, Zeit für die große Inventur. Im Jahr eins nach dem Verlust der Büffelherde hat Eintracht Frankfurt augenscheinlich an Power und Durchsetzungskraft verloren. Mit den Ergebnissen können die Hessen aber letztlich zufrieden sein. Doch spiegelt sich die veränderte Spielweise auch in der Statistik wider? Und was sagen die Werte über Stärken, Schwächen und mögliche Baustellen im Kader aus?

Um diese Fragen seriös zu beantworten, haben wir uns die vergangenen 34 Bundesliga-Spiele der Eintracht genau anschaut und im ersten Teil unseres Statistik-Checks vor allem auf den Vergleich zum Vorjahr, die Laufwerte und den fachgerechten Umgang mit dem Spielgerät geachtet. Ein verlässlicher Begleiter dabei: die offizielle Statistik von bundesliga.de (Stand 30.06.2020). Alle Daten wurden auf ein virtuelles Spiel – also 90 Minuten – heruntergerechnet und dann verglichen.

Die Torhüter wurden ebenso wenig berücksichtigt wie Spieler, die gesamt oder in der Rückrunde zu wenig auf dem Platz standen. Besonders auffällig: Was würde die Eintracht nur ohne Filip Kostic tun? Oder zu was wäre Filip Kostic mit besseren Mitspielern in der Lage?

Kostic flankt und flankt und flankt

Zunächst lohnt ein Blick auf die Spieler-Bestenliste der Bundesliga. Nachdem im Vorjahr vor allem Sébastien Haller, der gleich drei Kategorien (Torvorlagen, Zweikämpfe, Kopfball-Duelle) anführte, und Winter-Torschützenkönig Luka Jovic vorneweg gingen und ligaweite Bestwerte setzten, ist die individuelle Klasse in dieser Saison spürbar zurückgegangen.

Für einen Saison-Rekord, wenn auch einen fraglichen, sorgte lediglich Kostic. Der Serbe brachte das Kunststück fertig, insgesamt 209 (!) Flanken in den gegnerischen Strafraum zu schlagen. Zum Vergleich: Der Zweitplatzierte in dieser Disziplin, der Freiburger Christian Günter, flankte lediglich 115 Mal. Zwei Zahlen mit Aussagekraft: Da Kostics Flanken-Feuerwerk zu gerade einmal elf Toren führte, liegt die Vermutung nah, dass sich der Linksaußen oft einfach nicht anders zu helfen wusste. Kostic, das belegen auch weitere der folgenden Statistiken, fehlte es an Anspielstationen und adäquaten Mitspielern. Er war und ist die einzige echte Offensiv-Waffe der Hessen. Anders ausgedrückt: Kostic war zu oft auf sich alleine gestellt.

Weitere Informationen

Teil 2 unseres Statistik-Checks wird im Laufe des Dienstags, 7. Juli, veröffentlicht.

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Die Dauerbrenner

Da überrascht es auch nicht, dass das serbische Duracell-Häschen, das schon in der vergangenen Saison gemeinsam mit Danny da Costa die meisten Minuten abspulte, der Frankfurter Dauerbrenner ist. Kostic verpasste ein Spiel wegen Krankheit, einmal wurde er ausgewechselt, die restlichen 2.959 Minuten marschierte er seine Linie hoch und runter. Ebenfalls oft dabei: Martin Hinteregger und – etwas überraschend – Daichi Kamada, der sich tatsächlich vom Hoffnungsträger zum Stammspieler entwickelt hat.

Größter Verlierer ist hingegen Rechtsaußen da Costa. Der 13. Rang des letztjährigen Spitzenreiters dieser Kategorie belegt seinen Abstieg vom Führungsspieler zum Mitläufer.

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Die Dauerläufer

Auf dem Platz stehen ist die eine, auf dem Platz laufen eine andere Sache. Und dass viel laufen nicht gleichbedeutend mit guten Leistungen ist, beweist der viel gescholtene Djibril Sow. Der Schweizer ist mit durchschnittlich 12,5 Kilometern in 90 Minuten weiterhin die Pferdelunge im Frankfurter Spiel, einen bleibenden Eintdruck hat der Neuzugang in seiner ersten Saison dennoch nicht hinterlassen. Mit Sebastian Rode, Gelson Fernandes und Dominik Kohr folgen drei weitere defensive Mittelfeldspieler. Die lauffreudigste Offensivkraft ist Kamada.

Auffällig: Kostic, der in jedem Spiel viel arbeitet, läuft rund einen Kilometer weniger als in der vergangenen Saison. Der insgesamt Faulste, man mag es ihm verzeihen, ist Makoto Hasebe. Der 36-Jährige macht eben viel mit Auge.

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Die Sprinter

Bei den schnellen Läufen, die in der ursprünglich auf Tempo und Umschaltspiel ausgerichteten Taktik von Trainer Adi Hütter wichtiger sind als dauerhaftes Traben, ist Kostic wieder in der Spitzengruppe zu finden. Der Serbe zieht durchschnittlich alle drei Minuten zum Sprint an und wird dabei lediglich von seinem Landsmann Mijat Gacinovic überflügelt. Der 25-Jährige befindet sich mit knapp 37 Sprints in einer anderen Liga, Gacinovic bekommt im Vergleich zu Kostic aber auch deutlich mehr Verschnaufpausen.

Bemerkenswert ist zudem, dass Stürmer Bas Dost mit knapp 16 Sprints nur von Hasebe (Sie erinnern sich: Auge) und Hinteregger unterboten wird. Nun könnte man sagen, dass Mittelstürmer nicht rennen, sondern einfach richtig stehen müssen. Ob acht Tore Dosts Zurückhaltung beim Beine in die Hand nehmen rechtfertigen, sei aber dahingestellt. Zum Vergleich: Sturmpartner André Silva schaltet pro Partie zehn Mal öfter einen Gang höher.

Ligaweit, das ist durchaus sinnbildlich und wohl der Grund für einige schlechtere Spiele, ist die Eintracht im Vergleich zur Vorsaison übrigens von Platz eins der sprintfreudigsten Teams auf Platz neun abgerutscht. Power und Tempo sind auf der Strecke geblieben.

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Die Torgefahr

Dass die Abschlussstärke der Büffelherde nicht mehr vorhanden ist und schmerzlich vermisst wird, ist ebenso keine Überraschung wie der Klassenbeste in dieser Disziplin. Silva, mit zwölf Treffern erfolgreichster Torschütze der Hessen, ist mit rund drei Torschüssen pro Partie auch der größte Unruheherd in der gegnerischen Defensive. Dass Silvas Sturmpartner Dost gleichzeitig deutlich seltener aufs Tor schießt als die Mittelfeld-Akteure Kostic, Gacinovic und Kamada, passt ins Bild.

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Ballkontakte

Klare Hinweise zu fehlender Balance und der wohl größten Schwäche der Eintracht liefern die Ballkontakte. Mit Hinteregger, Evan N’Dicka und Kostic stehen gleich drei Spieler unter den Top fünf, die vornehmlich über links kommen. David Abraham, Almamy Toure, Timothy Chandler und Danny da Costa, die allesamt die gegenüberliegende Seite beackern, folgen mit erheblichem Abstand. Heißt: Das Frankfurter Spiel, das deuteten die vielen Kostic-Flanken bereits an, ist sehr linkslastig und damit leicht auszurechnen. Ein Pendant zu Kostic muss dringend her.

Was außerdem fehlt, ist ein Taktgeber im Mittelfeld. Sow, Kamada oder Kohr sind im Offensivspiel nicht präsent genug. Der Mann im Maschinenraum mit den meisten Ballkontakten ist Rode. In einer optimalen Welt ist der Ex-Münchner aber mehr mit Spielzerstörung als mit Spielaufbau beschäftigt.

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