Collage: Fredi Bobic links und Eintracht Fanblock rechts

Droht der Stehplatz-Kultur in deutschen Fußballstadien das Aus? Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic fürchtet, dass Schwarze Schafe in den Fanblocks irgendwann dafür sorgen könnten. Damit ginge es dann allen Bundesliga-Fans ans Geld.

Was wäre der Fußball ohne die Unterstützung seiner Treuesten? Jenen Fans, die auch an einem regnerischen Montagabend nach Aue fahren würden ohne mit der Wimper zu zucken und die am nächsten Tag im Büro den letzten Urlaubsjoker ziehen. Bei Eintracht Frankfurt weiß man um den Wert seiner Anhänger, die den Club seit Jahren quer durch die Niederungen und zu den Plateaus der europäischen Fußballlandkarte tragen. Deshalb nimmt der Verein notfalls auch Schlappen vor den Sportrichtern der UEFA hin, wenn es um die Belange der Fans geht. Man unterstützt sich eben gegenseitig.

Keine Diskussion in der Causa Möller

Auf einem Transparent in der Eintracht-Fankurve steht: "Nein zu Möller"

Grenzenlos scheint das gegenseitige Verständnis aber auch nicht zu sein. So ist es vor allem die viel diskutierte Personalie Andreas Möller, bei der Vereinsführung und Fans letzten Endes darin übereinstimmen müssen, nicht übereinzustimmen. Trotz wochenlanger - und teils unter der Gürtellinie geübter - Kritik an der Verpflichtung des neuen Chefs des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) hat Fredi Bobic jedenfalls keine Lust mehr, seine Entscheidung zu verteidigen.

"Bei bestimmten Themen sollte sich die Operative nicht hineinreden lassen", sagte Bobic im Interview mit dem kicker (Montag). "Denn sie steht mit ihrem Namen für den Erfolg oder Misserfolg, wird eingesetzt und entlassen." Der Ex-Frankfurter Möller, der sich mit diversen Vereinswechseln und Aussagen ("Zur Eintracht habe ich keine Verbindung") bei der Kurve unbeliebt gemacht hat, bringe "unheimlich viele Attribute mit". Mit dem Ex-Nationalspieler soll die Jugend in Frankfurt endlich wieder Bundesliga-Profis produzieren.

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Bobic mahnt Fans zur Zurückhaltung

Grundsätzlich, so Bobic, würden die Dialoge mit den Ultras bei der Eintracht vorbildlich geführt. Umso mehr fürchtet der Sportvorstand, dass sie irgendwann um ihr kostbarstes Gut im Stadion gebracht werden könnten: die Stehtribüne. Angesichts immer wiederkehrender Fan-Verfehlungen in deutschen Stadien sei es denkbar, "dass irgendwann wirklich mal etwas ganz Schlimmes passiert, der Gesetzgeber daraufhin wie in England und anderen Ländern einschreitet und Stehplätze verboten werden". In England ist das seit der Hillsborough-Katastrophe 1989 mit 96 Toten der Fall.

Die Bundesliga ohne Stehplätze? Das wäre nicht nur schwer vorstellbar, sondern hätte steigende Preise sowie einen Verlust von Stimmung, Fankultur und sozialer Vielfalt zur Folge, warnte Bobic im kicker. Er appellierte, den Bogen nicht zu überspannen - "ob mit Pyrotechnik, Raketen und Maskierten, die auf den Platz stürmen". Solche Personen müssten konsequent aus den Stadien verbannt werden. Damit die treuen Fans auch weiter mit ihrer Eintracht fiebern können: in Aue, bei Arsenal oder sonst wo.