Djibril Sow in der Champions League gegen Paul Pogba
Keine Angst vor großen Namen: Djibril Sow im Duell mit Weltmeister Paul Pogba. Bild © Imago Images

Djibril Sow ist der zweite Frankfurter Neuzugang dieses Sommers und der teuerste Eintracht-Transfer aller Zeiten. Bei seiner ersten Bundesliga-Station fiel der 22-Jährige durch. Was kann Sow also wirklich?

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Kurzer Anlauf, flacher Schuss ins rechte Eck und an die Pranke von Lukas Hradecky. Mit dieser Aktion endete im April 2017 die unglückliche Beziehung zwischen Djibril Sow und Borussia Mönchengladbach. Dem damals 20-Jährigen versagten im Elfmeterschießen des DFB-Pokal-Halbfinals die Nerven. Branimir Hrgota traf, die Eintracht zog ins Finale ein und Sow nach drei Kurzeinsätzen in zwei Jahren weiter zu den Young Boys Bern. Das traurigste Erlebnis im Fußball, so bezeichnete er seinen Fehlschuss kurz darauf in einem Interview.

Zwei Jahre später ist der Gladbacher Elfer-Versager von damals der teuerste Frankfurter Bundesliga-Spieler aller Zeiten. Zehn Millionen Euro Ablöse plus Bonuszahlungen stehen im Raum. Eine ordentliche Summe. Aber ist der Schweizer Nationalspieler das viele Geld überhaupt wert?

Sow kommt mit Champions-League-Erfahrung

"Das ist ein ganz, ganz bitterer Abgang für YB", sagt der Schweizer SRF-Journalist Philippe Jäggi im Gespräch mit dem hr-sport. "Praktisch jeder Angriff ging von ihm aus." In Bern, wo Sow gleich zweimal Meister wurde und 2018 zusammen mit einem gewissen Adi Hütter den Titel holte, avancierte der 1,84 Meter große Mittelfeldspieler umgehend zur Stammkraft. Von 57 möglichen Spielen Liga-Spielen absolvierte er 49 von Beginn an, nur zweimal wurde er gar nicht gebraucht. In der vergangenen Spielzeit stand er zudem bei allen sechs Gruppenspielen in der Königsklasse auf dem Platz.

"Er war der Taktgeber. In der Meisterschaft, aber auch in der Champions League", fasst Jäggi zusammen. Gegen die Hochkaräter Manchester United, FC Valencia und Juventus Turin gab es für die Young Boys zwar außer einem bedeutungslosen Sieg im abschließenden Gruppenspiel gegen Juve nichts zu holen. Sow hinterließ aber Eindruck und stand fortan in den Notizbüchern einiger größerer Clubs. "Er hat international Aufmerksamkeit auf sich ziehen können", kommentierte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic.

Hütter und Fernandes locken Sow nach Frankfurt

Dass sich Sow letztlich für die Eintracht entschied, lag wohl vor allem an Nationalmannschaft-Teamkollege Gelson Fernandes, der seinem Spezi von der Eintracht vorschwärmte und eindringlich zu einem Wechsel riet, und natürlich an Trainer Hütter. "Er hat mir zugesichert, dass er mich gerne weiterentwickeln würde", sagte Sow in seinem ersten Interview auf Frankfurter Boden. In zwei Anrufen überzeugte Hütter seinen Ex-Spieler davon, es noch einmal miteinander zu versuchen. Sow und Hütter, das passt. Sow und die Eintracht, das könnte auch passen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht verpflichtet Sow

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In der Zentrale ist der 22-Jährige genau der Spielertyp, der den Hessen in der vergangenen Saison fehlte. Ein Verbindungsspieler zwischen Abwehr und Angriff mit Ideen, Kreativität und dem Blick für den Mitspieler. "Ich bin einer, der auf dem Platz gerne die Sau rauslässt", beschreibt sich Sow selbst. "Er hat eine extreme Passsicherheit, enorme Spielübersicht und hohe Präsenz", übersetzt es Jäggi in perfektes Fußball-Schweizerdeutsch. Kurzum: Sow ist ein klassischer Achter, der kämpfen und kicken kann.

Sow passt ins System

Hinzu kommt, dass Sow, der während seiner Zeit in Bern die Grundausbildung bei der Schweizer Armee absolvierte, perfekt in Hütters Lieblingssystem passt: Die Young Boys agierten in den vergangenen beiden Spielzeiten fast ausschließlich im 4-4-2, Sow übernahm stets eine der beiden zentralen Rollen im Mittelfeld und füllte diese Aufgabe mit Leben. "Er war der große Stratege im Spiel von YB", so Jäggi.

Bei der Eintracht, die in der kommenden Saison variabler sein muss, soll Sow nun zum Fixpunkt an der Seite eines etwas defensiver denkenden Sechsers werden. Angriffe initiieren, Bälle verteilen, das Spiel ordnen. Die klassische To-do-Liste eines Spielmachers, der mit diesem Profil der Eintracht nur guttun kann. "Mit seinen technischen, strategischen und athletischen Fähigkeiten wird er uns weiterhelfen", ist sich auch Bobic sicher, der dem Neuzugang die Rückennummer 8 von Luka Jovic reserviert hat.

Es gibt eine große Schwäche

Im Gegensatz zu dem zu Real Madrid abgewanderten Serben hat Sow jedoch eine absolute Schwachstelle, wie Jäggi und ein Blick auf die Zahlen bestätigen: "Der Abschluss ist sicher nicht sein Ding." In der vergangenen Saison erzielte Sow drei Tore, im Jahr davor sogar nur eins. Eine mehr als ausbaufähige Ausbeute. Ein Elfmeter, das ist nach dem Trauma von Gladbach wohl klar, war übrigens nicht dabei.

Sendung: hr1, 27.06.19, 12 Uhr