Eintracht Frankfurt Mönchengladbach Jubel

Aymen Barkok und Amin Younes machen als Doppel-Zehn ein gutes Spiel gegen Borussia Mönchengladbach. Eine taktische Formation, die ein Problem von Eintracht Frankfurt lösen könnte.

Es ist ja oft so: Die besten Ideen werden aus der Not heraus geboren. Und Not, die gibt es im Pandemie-Jahr 2020 auch im Fußball allerorten, vor allem in Form von Verletzungssorgen. Durch den späten Saisonstart sind die Spiele eng getaktet, wegen der erhöhten Belastung fallen aktuell fast wöchentlich Spieler verletzt oder angeschlagen aus.

Das stellt die Vereine vor Herausforderungen, vor allem auch einen Club wie Eintracht Frankfurt, der etwa im Sturm eine arg dünne Personaldecke hat. So stehen Coach Adi Hütter mit Bas Dost und dem just wiedergenesenen André Silva aktuell nur zwei fitte wie gelernte Stürmer zur Verfügung. Nachwuchstalent Ragnar Ache fehlt mit einer Oberschenkelblessur, Stürmer Nummer drei, Gonçalo Paciência, wurde zu Schalke verliehen – wo er sich verletzte.

Aus 3-4-1-2 mach 3-4-2-1

Hütter, eigentlich ausgewiesener Fan des 3-4-1-2 mit Doppelspitze, stellt das vor das Problem, im Spiel oft nicht nachlegen zu können. Gegen Wolfsburg etwa spielte Dost durch, Silva fehlte angeschlagen. Offensive Impulse von der Bank gestalten sich so schwierig, mal davon abgesehen, dass das der Spielverlauf in Wolfsburg ohnehin nicht verlangt hatte.

Gegen Mönchengladbach (3:3) nun verzichtete Hütter auf die Doppelspitze, obwohl beide Stürmer fit waren. Und besetzte den Raum hinter Mittelstürmer Silva mit Aymen Barkok und Amin Younes. Beide wirkten irgendwo zwischen Zehn, offensiven Halb-Außen und hängender Spitze, ein taktischer Hybrid, der der Offensive der Hessen gleichzeitig Durchschlagskraft verlieh sowie für mehr Zugriff in den Zweikämpfen im Mittelfeld sorgte. Aus 3-4-1-2 mach 3-4-2-1, pünktlich zu Weihnachten erinnert die Eintracht-Formation an einen Tannenbaum.

Barkok blüht auf

Vor allem der umtriebige Barkok ging in seiner Rolle voll auf, war stets anspielbar, hatte viele gute Ideen, bereitete ein Tor vor und schoss ein wunderschönes selbst. Dem 22-Jährigen scheint die Nähe zum gegnerischen Kasten ebenso gut zu tun wie ein weiterer Spielmachertyp neben ihm. Vor allem mit Silva, aber auch mit Nebenmann Younes, der ebenfalls eine gute, wenngleich weniger ertragreiche Partie machte, harmonierte Barkok hervorragend.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht mit bitterem Last-Minute-Remis nach verrücktem Spiel

Eintracht Frankfurt Mönchengladbach Sebastian Rode
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Mit dem giftigen Younes hat Hütter überdies eine Offensivoption zur Hand, die mehr Bälle festmacht und in den Zweikämpfen deutlich engagierter zu Werke geht als Daichi Kamada, der gegen Gladbach zunächst auf der Bank Platz nehmen musste. Kamada, der dritte Zehner im Bunde, bringt dafür eine filigranere Note ins Spiel, ist außerdem torgefährlicher als Younes. Was Hütter die Möglichkeit gibt, die Doppel-Zehn je nach Gegner auszurichten.

Hütter kann einen Stürmer nachlegen

Bereits gegen Leipzig und Dortmund begann Hütter im 3-4-2-1 mit Barkok und Kamada hinter der Spitze, auch das zwei der besseren Partien der Hessen in dieser Saison. Zumal Hütter so das Problem der leeren Bank löst und jederzeit, so es der Spielverlauf erfordert, noch einen Stürmer nachlegen kann. Im Idealfall Dost, der sich mit seiner Länge und Kopfballstärke perfekt für die Brechstange eignet.

Problem dabei: die Belastung. Gegen Gladbach musste Younes angeschlagen vom Feld, eine Diagnose steht noch aus. Gut möglich, dass es also auch auf der Doppel-Zehn, Corona sei Dank, personell dünn wird.