Oliver Glasner

Eintracht Frankfurt geht mit ihrem neuen Trainer Oliver Glasner in die Saison. Seine größte Aufgabe: Der Abgang von 28-Tore-Stürmer André Silva muss kompensiert werden.

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Die Eintracht beim Training.
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Eintracht Frankfurt geht mit einem Umbruch in der sportlichen Führung in die neue Saison. Auf Trainer Adi Hütter folgte Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg, Sportvorstand Fredi Bobic wurde durch Markus Krösche von RB Leipzig ersetzt. Die Stammelf auf dem Platz ist weitgehend zusammengeblieben, mit André Silva wechselte jedoch der Top-Torjäger nach Leipzig. Ziel soll trotzdem wieder ein Platz im Europapokal sein.

So lief die vergangene Saison

Eintracht Frankfurt hat als Tabellenfünfter die beste Bundesliga-Saison seit 27 Jahren gespielt, also seit den glorreichen Zeiten von Anthony Yeboah, Uli Stein und Uwe Bein. In der Rückrunde träumten Spieler und Fans lange von der erstmaligen Qualifikation für die Champions-League. Nach dem Sieg Anfang April bei Borussia Dortmund stand die Eintracht auf dem vierten Tabellenplatz, mit sieben Punkten Vorsprung vor der Konkurrenz aus Dortmund und Leverkusen.

Doch im Bundesliga-Endspurt verspielten die Frankfurter die Teilnahme an der Königsklasse. Nachdem Trainer Adi Hütter vor dem so wichtigen Spiel bei Borussia Mönchengladbach seinen Wechsel nach Gladbach verkündete, geriet die Eintracht in einen Abwärtsstrudel. Die Hessen wirkten danach kopflos. Die Qualifikation für die Europa-League war am Ende ein werthaltiges Trostpflaster für eine insgesamt sehr starke Saison.

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Die neue Eintracht im heimspiel

Neue Spieler, neuer Trainer: Über die neue Saison von Eintracht Frankfurt gibt es viel zu besprechen. Ab Montag machen wir das wieder im heimspiel. Zu Gast am 9. August (23.30 Uhr und davor schon in der Mediathek) sind Basti Red von FB2000 und Yannick Hüber (Bild-Zeitung).

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Das Eigenlob des scheidenden Sportvorstandes Bobic ("Die Saison war eine glatte 1") kam allerdings zum falschen Zeitpunkt, direkt nach der 3:4-Niederlage bei Absteiger Schalke 04 und dem endgültigen Verspielen des Champions-League-Platzes.

Wer kommt, wer geht?

Die wichtigsten beiden Neuzugänge werden es nie in die Startelf schaffen: Trainer Oliver Glasner und Sportvorstand Markus Krösche. Während Glasner der Eintracht in den fünf Wochen der bisherigen Saisonvorbereitung sein Spielsystem mit viel Offensiv-Pressing und der Idee von der schnellen Balleroberung einimpfte, trieb Krösche die Personalentscheidungen voran. Das hieß zunächst einmal, den aufgeblähten Kader zu verkleinern. So wurde Mittelfeldspieler Rodrigo Zalazar an Schalke 04 und Sturm-Neuzugang Ali Akman an den niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen verliehen.

Zudem wurden Stürmer Dejan Joveljic (ca. 3,5 Mio Euro) an LA Galaxy und Ersatz-Torwart Frederik Rönnow (ca. 1 Mio) an Union Berlin verkauft. Außerdem endete die Leihe für Stürmer Luka Jovic von Real Madrid. Das alles sind verkraftbare Abgänge. Was der Eintracht aber richtig weh tut, ist der Wechsel von 28-Tore-Stürmer André Silva (für circa 25 Millionen Euro) nach Leipzig. "Es wird schwierig, Silva eins zu eins zu ersetzen. Wenn Du einen Stürmer kaufen willst, der ähnlich viele Tore schießt, dann muss der Schatzmeister eine ziemlich große Truhe öffnen und die gibt es hier derzeit leider nicht", sagte Trainer Glasner im Interview mit dem Hessischen Rundfunk.

Und so wird die Eintracht möglicherweise ohne einen echten Mittelstürmer in die Saison starten, Glasner wird das Spiel-System dementsprechend anpassen. Zahlreiche Offensivspieler, die über die Flügel oder hängend spielen können, hat der Verein verpflichtet. Jesper Lindström (geschätzte 7 Millionen Euro) vom dänischen Erstligisten Bröndby IF und Nachwuchsstar Fabio Blanco (ablösefrei) vom FC Valencia. Die größten Einsatz-Chancen hat jedoch der Kolumbianer Rafael Borré, der ebenfalls ablösefrei vom argentinischen Top-Klub River Plate kam. Zudem stießen Linksverteidiger Christopher Lenz (von Union Berlin), Ersatztorhüter Jens Grahl (vom VfB Stuttgart) und Nachwuchsschlussmann Diant Ramaj, der auf Anhieb Nummer zwei hinter Kevin Trapp wird, zur Eintracht.

Einen Wunschspieler hat Trainer Glasner allerdings noch: Jens Petter Hauge, der bei seinem aktuellen Klub AC Mailand keine Chance mehr hat. Der norwegische Offensivspieler soll von den Mailändern ausgeliehen werden. Der Deal soll kurz vor dem Vollzug stehen, unterschrieben ist jedoch noch nichts. Zudem stehen die Chancen, dass mit Filip Kostic der aktuell wichtigste Frankfurter Spieler bei der Eintracht gehalten werden kann, sehr gut, wie Glasner und Krösche bestätigten.

Der Trainer

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Oliver Glasner
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Auf einen Österreicher folgt wieder ein Österreicher. Nach Adi Hütter, der zu Borussia Mönchengladbach wechselte, sitzt bei der Eintracht nun Glasner auf der Trainerbank. Der Neue präsentierte sich in der Saisonvorbereitung äußerst aktiv im Training, unterbrach die Einheiten, um korrigierend einzugreifen. "Der Trainer redet sehr viel mit uns", bestätigte der brasilianische Abwehrspieler Tuta. Glasner ist bei der Eintracht und auch abseits des Platzes in Frankfurt angekommen.

"Ich habe dieses Gefühl eines Miteinanders", sagt Glasner selbst. "Der durchschnittliche Arbeitstag dauert ja zwölf Stunden aufwärts. Und ich könnte nicht jeden Tag mit voller Energie in die Arbeit gehen, wenn ich nicht Leute um mich hätte, mit denen ich mich gut verstehe." Der 46 Jahre alte Trainer wirkt auf dem Platz und auch drumherum ziemlich entspannt und freundlich.

Erwartungen an die Saison

Ein offizielles Saisonziel wurde nicht ausgegeben. Das kann man angesichts des kompletten Umbruchs in der sportlichen Führung auch nicht erwarten. Selbst wenn einigen Spielern die Champions-League abermals als ein mögliches Ziel vor Augen schwebt, scheint das nach dem Abgang von Torjäger Silva zunächst in weiter Ferne. Allerdings gibt es schon den sanften Druck von Seiten der Fans, am Ende doch bitte irgendwie wieder international zu spielen. Denn Europapokal-Spiele sind bei der Eintracht immer Festtage.

Auch Glasner hat von den beeindruckenden Stadion-Choreografien, der ohrenbetäubenden Begeisterung und den Völkerwanderungen wie beim Spiel in Mailand mit über 15.000 Eintracht-Fans gehört und sie teilweise vor dem Fernseher verfolgt. "Diese beeindruckenden Bilder bei den Spielen, auch beim Halbfinale gegen Chelsea damals, diese Begeisterung, das war auch ein Grund, mich dann für Frankfurt zu entscheiden." Damit ist das Frankfurter Saisonziel, ohne dass es eines gibt, auch intern eigentlich klar: ein Tabellenplatz, der die Teilnahme am Europapokal garantiert.