Falette tröstet Torró.
Simon Falette tröstet Lucas Torró. Bild © Imago

Der monatelange Ausfall von Eintracht Frankfurts Lucas Torró trifft Team und vor allem Spieler hart. Den Verlust hat Trainer Adi Hütter sportlich bereits kompensiert – doch es gibt ein Risiko.

Es war eine sehr bittere Pressemitteilung, die Eintracht Frankfurt am Mittwochabend verschicken musste: Lucas Torró, Mittelfeldspieler in Diensten des Tabellenvierten der Fußball-Bundesliga, leidet ganz offensichtlich an einer gravierenderen Form der Adduktorenverletzung und muss sich nun einer Operation unterziehen. Voraussichtliche Ausfalldauer: vier bis fünf Monate. Nicht Wochen, sondern Monate.

Im schlimmsten Fall steht der 24-Jährige den Hessen Mitte April und damit erst im Saisonendspurt wieder zur Verfügung. "Für Lucas und für uns sind das ganz schlechte Nachrichten, da er sich sportlich bis zu dieser Verletzung richtig gut entwickelt hat", sagte Sportdirektor Bruno Hübner, der seinem Sommerneuzugang für die in den kommenden Tagen in Barcelona anstehende OP "das Beste" wünschte.

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Chris Maicon Hening

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Manch einer dürfte beim Lesen dieser sieben Zeilen umfassenden Pressemitteilung über den Punkt der Ausfalldauer gestolpert sein. Vier bis fünf Monate – wegen einer Adduktorenverletzung? Zwar gelten die Adduktoren aus sportmedizinischer Sicht als eine der meistbeanspruchten Muskelgruppen bei Fußballern. Eine Statistik des Fachportals fußballverletzungen.com zeigt aber auch: In der Bundesliga dauern gerade einmal acht Prozent aller Beschwerden in diesem Bereich länger als einen Monat.

Problematisch wird es erst dann, wenn (Profi-) Sportler zu früh ins Training zurückkehren. In diesem Fall drohen chronische Beschwerden, und der Heilungsprozess kann in der Tat drei bis fünf Monate betragen. In Torrós Krankenakte tauchte der Adduktoren-Eintrag erstmals nach der 7:1-Gala gegen Düsseldorf vor etwas mehr als einem Monat auf. Seitdem der Spanier in der Halbzeitpause der Partie gegen die Fortuna ausgewechselt werden musste, folgten mehrere Untersuchungen bis zum OP-Entschluss am Mittwoch.

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Dass diese Verletzung nicht mehr konservativ behandelt werden kann, ist statistisch gesehen vielleicht unwahrscheinlich, aber auch nicht komplett ungewöhnlich. Torró ist nicht der erste Fall für den OP-Tisch. Auch der Hoffenheimer Leonardo Bittencourt (damals zu Kölner Zeiten) sowie der Ex-Fürther Sercan Sararer mussten bereits mit derselben Verletzung unters Messer. Beide waren mindestens eineinhalb Monate raus aus dem Spielbetrieb.

Wie schwer Torrós Ausfall die Eintracht bis zur Winterpause treffen könnte, lässt sich beim Blick auf einige Statistiken erahnen. Mit seiner Körpergröße von 1,90 Meter hat er sich auch in der Bundesliga rasch den Ruf eines kantigen Mittelfeldabräumers erarbeitet. Neben seiner Kopfballstärke besticht er insbesondere durch eine Passquote von fast 80 Prozent. Die augenscheinlich königliche Ausbildung bei Real Madrid hat dem 24-Jährigen den Sprung in Deutschlands höchste Spieklasse deutlich vereinfacht.

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Allerdings – und das ist das einzig Positive, was die Eintracht dem Torró-Ausfall abgewinnen kann: Die Alternativen hat sie bereits, wenn auch notgedrungen, erfolgreich getestet. Den Beginn des Aufschwungs und der Serie von wettbewerbsübergreifend aktuell neun Spielen ohne Niederlage hat der Spanier noch aktiv miterlebt, ganze fünf dieser neun Partien hat er aber verletzungsbedingt verpasst. Eine weitere kam hinzu, als er nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Anfang Oktober zur Familie in die Heimat gereist war.

Beim 2:1 in Hoffenheim bekam der sonst eher selten berücksichtigte Allan Souza eine Chance, anschließend kristallisierte sich das Mittelfeld-Pärchen Gelson Fernandes/Jonathan de Guzmán heraus. Beim Europa-League-Rückspiel in Limassol (3:2) gab Fernandes in der Zentrale gar den alleinigen Abräumer.

Zu Risiken und Nebenwirkungen sollten der Schweizer und Trainer Adi Hütter vorsorglich aber mal bei Danny da Costa nachfragen: In Ermangelung weiterer Alternativen droht Fernandes ein ähnliches Dauer(b)renner-Schicksal wie dem Rechtsaußen. Und auf noch eine Pressemitteilung mit bitterem Inhalt können sie bei der Eintracht sicherlich verzichten.